Nicht nur Konjunkturpaket Was den schwachen Euro gefährlich macht

Die Euro-Schwäche wird als Konjunkturprogramm gelobt. Langsam melden sich aber immer mehr Kritiker, die zu Recht auf die Nachteile einer lahmenden Währung hinweisen.

Die Gemeinschaftswährung schwächelt. Quelle: dpa

Der schwache Euro gilt derzeit als einer der Glücksboten für die deutsche Konjunktur. Die Bundesbank verbesserte erst am Montag ihre Wachstumsaussichten. Grund für den Optimismus war einmal mehr der schwache Euro. Die Industrie könne von der steigenden Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure profitieren, erklärte die Bank in ihrem Monatsbericht.

Als "Segen für deutsche Exporteure" wird die Gemeinschaftswährung, die mit einem Stand von gut 1,14 US-Dollar so günstig ist wie seit Jahren nicht mehr, gern bezeichnet. Der schwache Euro begünstigt Ausfuhren für deutsche Unternehmen, ihre Waren werden für Ausländer wieder attraktiver. Für eine exportorientierte Volkswirtschaft wie die deutsche anscheinend ein Wundermittel für konjunkturelle Höhenflüge.

Konjunkturindikatoren

Doch was nach eitel Sonnenschein klingt, hat auch seine Schattenseiten, die nicht ignoriert werden sollten.

Innovationsbremse Euro

Am Dienstag warnte Stefan Kapferer, stellvertretender Generalsekretär der OECD in Paris, der schwache Euro könnte die Innovationskraft der heimischen Unternehmen belasten. Denn wenn die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen allein aufgrund der schwachen Währung hoch ist, sind sie nicht gezwungen, neue Produkte und Technologien voranzutreiben. "Mit einem Euro im Sinkflug würde ein Innovations- und Produktivitätstreiber der Vergangenheit entfallen", schreibt Kapferer im "Handelsblatt".

Der ehemalige Staatssekretär im Wirtschaftsministerium verweist darauf, dass in den Zeiten vor der Gemeinschaftswährung in der Euro-Zone deutsche Unternehmen durch die tendenziell aufwertende D-Mark gezwungen wurden, ihre Handelspartner durch Innovationen zu überzeugen. Würden sich die Unternehmen jetzt auf den Vorteilen des schwachen Euros ausruhen und notwendige Anpassungsprozesse in die Zukunft verlagern, wäre das aus Kapferers Sicht ein großer Fehler.

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Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer warnte bereits vor einer allzu positiven Sicht auf die Schwäche der heimischen Währung. In der äußersten Konsequenz drohe ein Währungskrieg, also ein Abwertungswettkampf. Noch unternimmt die USA nichts gegen das Aufwerten des Dollar, aber das muss nicht immer so bleiben. Schon auf dem G20-Treffen in Istanbul vor einigen Tagen warnte US-Finanzminister Jack Lew davor, gezielte Abwertungen der Währungen für Handelsvorteile zu nutzen.

Auch für die deutschen Unternehmen kann der Konjunktur-Booster schnell zum Wachstumskiller werden - wenn der Ölpreis wieder steigt. Dann steigen die Ausgaben der Konzerne für Energie deutlich und machen zumindest einen Teil der exportbedingten Vorteile wieder zunichte.

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