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Notenbanken Der Putsch der Finanzminister

Die Zeit unabhängiger Notenbanken ist vorbei. Jetzt folgt ihre völlige Demontage durch die Finanzminister. Die Gleichschaltung der Notenbanken ist eine Gefahr für Demokratie und Gesellschaft.

Mächtige Finanzminister, schwache Notenbanken - so erscheint im Moment die Geldpolitik der meisten Nationen. Doch die Schuldenkrise könnte durch die rotierenden Notenpressen schnell zur Währungskrise mutieren. Quelle: dapd

Es kommt so, wie es kommen muss. Ergeben sich die Notenbanken erst einmal den politischen Zwängen, landen sie irgendwann auf dem Müllhaufen der Geschichte. Doch das Tempo, in dem das derzeit passiert, ist schon erstaunlich. In Großbritannien und Japan ist die Gleichschaltung der Notenbanken bereits  recht weit fortgeschritten. Die Bank of England bekommt im Juni 2013 mit Mark Carney den Terminator der Geldpolitik, derzeit noch tätig in Kanada. Seine Toronto-Rede von Anfang Dezember wird als Dammbruch der Geldpolitik in die Geschichtsbücher eingehen. Carney hat als erster Notenbanker überhaupt den nominalen Wert des Bruttoinlandsprodukts zur monetären Zielgröße erhoben, was übersetzt eine unbefristete und unbegrenzte Geldmengenausweitung bedeutet.

Für einen Bundesbanker grenzt das an Blasphemie. In Japan steht nach dem Wahlsieg des Notenbankbändigers Shinzo Abe möglicherweise eine noch aggressivere geldpolitische Gangart bevor. Abe ist aber nur das Feigenblatt für das allmächtige japanische Finanzministerium, das den halsstarrigen Notenbankenpräsidenten Masaaki Shirakawa schon lange in die Wüste schicken will. Wer dann folgt, ist eigentlich egal. Im japanischen Finanzministerium herrscht seit jeher ein alter Korpsgeist. Für Kontinuität wäre nach der geldpolitischen Machtübernahme gesorgt. Das gleiche gilt für Großbritannien. Die Warnungen des noch amtierenden britischen Notenbankgouverneurs Mervyn King vor einem desaströsen Abwertungswettlauf kommen zu spät. Carney und der hinter ihm stehende britische Schatzkanzler George Osborne werden die Insel mit Geld fluten. Die USA und der Rest Europas drohen dabei abgehängt zu werden.

Vielleicht bewegte auch das die US-Notenbank Fed, die eigene Bilanz durch den unbefristeten Ankauf Staatsanleihen und Hypothekenpapieren im Volumen von monatlich 85 Milliarden Dollar bis 2015  auf geschätzt sechs Billionen Dollar zu verdoppeln. Es macht sich offenbar Panik breit bei den sonst so beherrscht auftretenden Herren des Geldes. Die Schuldenkrise scheint in ihrem Endstadium angekommen zu sein, wenn jetzt die Wunderwaffen ran müssen.  Zu ihnen gehören auch der direkte Ankauf von Unternehmensanleihen und Aktien.  Die Warnung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vor einer neuen Kreditblase wird,  trotz aller Vergeblichkeit,  dankbar registriert. Hatte die als Zentralbank der Zentralbanken bekannte Institution ja bereits im Vorfeld der aktuellen Schuldenkrise vor einer solchen gewarnt.

Die EZB ist eigentlich ein Fall für die Bankenaufsicht

Die wertvollsten Bank-Marken der Welt
Platz 15: Die staatsgeführte Bank of China ist nicht nur das zweitgrößte, sondern auch das älteste Geldinstitut der Volksrepublik. Im Vergleich zum Vorjahr konnte sich die Bank of China in Sachen Markenwert um zwei Plätze steigern. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 12,86 Milliarden US-Dollar. Die Ergebnisse stammen vom Brand Finance Banking 500 - einer Erhebung, die das amerikanische Beratungsunternehmen Brandfinance mit dem Fachblatt "Te Banker" erarbeitet hat. Quelle: REUTERS
Platz 14: Das größte Kreditinstitut der Bundesrepublik, die Deutsche Bank, konnte 2011 trotz der europäischen Banken-Krise respektable Ergebnisse vorlegen. Die Universalbank konnte ihre Vorjahres-Platzierung erneut verteidigen. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 12,9 Milliarden US-Dollar. Quelle: dapd
Platz 13: Die Banco Itaú ist die größte Bank in Brasilien und ganz Lateinamerika. Hervorgegangen ist das Unternehmen aus der Fusion der beiden Banken Banco Itaú und der Unibanco. Im Vergleich zum Vorjahr hat das Geldhaus zwei Plätze eingebüßt. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 13,2 Milliarden US-Dollar. Quelle: dpa
Platz 12: Die drittgrößte Bank Großbritanniens ist im Vergleich zum Vorjahr um ganze fünf Plätze nach unten gerutscht. Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten sind 2011 auch an Barclays nicht spurlos vorübergegangen. Dennoch übertrifft das international agierende Finanzunternehmen in Sachen Markenwert alle anderen britischen Bankhäuser, abgesehen von HBSC. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 13,6 Milliarden US-Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 11: Gemessen an der Bilanzsumme ist die Industrial & Commercial Bank of China ( ICBC) die größte Bank Chinas. Dennoch musste das Haus in Sachen Markenwert einen kleinen Verlust hinnehmen - im Vergleich zum Vorjahr fiel das Unternehmen drei Plätze nach unten. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 15,2 Milliarden US-Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 10: Die China Construction Bank (CCB) gehört zu den vier größten Banken der Volksrepublik. In Sachen Markenwert hat es das Geldhaus nicht nur geschafft, den Konkurrenten ICBC zu überrunden, sondern auch die Spitzenposition unter den chinesischen Banken einzunehmen. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 15,5 Milliarden US-Dollar. Quelle: dpa
Platz 9: Die Banco Bradesco gehört zu den vier größten Banken Brasiliens. Im Vergleich zum Vorjahr büßte das Geldinstitut drei Plätze in Sachen Markenwert ein, ist unter den brasilianischen Konkurrenten aber immer noch Spitzenreiter. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 15,7 Milliarden US-Dollar. Quelle: Presse

Wie die Europäische Zentralbank (EZB) reagieren wird, ist wegen der deutschen Bedenkenträger noch ungewiss. Die Bilanzsumme der EZB übersteigt mit aktuell 3025 Milliarden Euro bereits die jährliche Wirtschaftsleistung Deutschlands. Bei einem Eigenkapital 85,6 Milliarden Euro ist die EZB mit dem Faktor 35 gehebelt und wäre eigentlich ein Fall für die Bankenaufsicht. Ein Viertel der EZB-Bilanzsumme setzt sich überdies zusammen aus Schulden der EU-Krisenländer.  Mögliche Verluste aus diesen Beständen werden im Ernstfall selbstredend an die nationalen Notenbanken weitergereicht. In Deutschland wird man sich noch wehmütig erinnern an Bundesbank-Zeiten mit Präsidenten wie Schlesinger, Tietmeyer und Pöhl - die Guten.

Doch das ist Geschichte. Heute grassiert der monetäre Wahn. Die Finanzminister schreien nach Geld und wer zahlt, der schafft an. Eine Exit-Strategie gibt es nicht. Aber Vorsicht. Die Schuldenkrise könnte durch die rotierenden Notenpressen schnell zur Währungskrise mutieren. „Willst du eine Gesellschaft zerstören, so zerstöre ihre Währung”, soll Lenin einst gesagt haben. Der Mann wusste nur zu gut, wie der gesellschaftliche Umsturz funktioniert. Die Notenbanken in Europa, Japan und in den USA setzen Lenins Idee jetzt um. Für den Bürger bleibt nur der Selbstschutz. Staatsanleihen und Lebensversicherungen sind out,  Sachwert ist Trumpf. Gerupft wird man da am Ende auch, aber es bleibt vielleicht noch etwas übrig.

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