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Notenbankkredite EZB-Bilanz übersteigt drei Billionen Euro

Mit Riesenkrediten will die EZB das Bankensystem in der Euro-Zone stabilisieren. Davon machten die Geldinstitute gehörig Gebrauch. Erstmals schoss die Bilanzsumme der Zentralbank auf über drei Billionen Euro.

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Die Europäische Zentralbank in Frankfurt. Quelle: dpa

Die gemeinsame Bilanzsumme der Europäischen Zentralbank (EZB) und der 17 angeschlossenen nationalen Zentralbanken des Euro-Raums hat in der vergangenen Woche die Marke von drei Billionen Euro überschritten. Das geht aus dem „Konsolidierten Wochenausweis“ zum Stichtag 1. Juni hervor, den die EZB veröffentlichte.

Vor einem Jahr hatte die Bilanzsumme des „Eurosystems“, wie sich der Notenbankzusammenschluss offiziell nennt, noch bei knapp 1,9 Billionen Euro gelegen. Die massive Aufblähung der Bilanzsumme resultiert vor allem aus dem Angebot der EZB an die Banken, sie unbegrenzt mit Notenbankkrediten mit einer ungewöhnlich langen Laufzeit von drei Jahren zu versorgen. Von diesem Angebot, das die EZB den Banken im Dezember und im Februar unterbreitet hatte, machten die Banken im Umfang von fast einer Billion Euro Gebrauch.

Zuvor hatte die EZB es nur als ihre Aufgabe betrachtet, die Banken mit kurzfristiger Liquidität zu versorgen. Dass sie ihnen nun auch in großem Umfang mittelfristige Finanzierung über die Notenbank bereitstellt, hat vor allem den Hintergrund, dass es vielen Banken wegen ihrer angeschlagenen Verfassung immer schwerer fällt, zu vernünftigen Konditionen Mittel am Markt aufzunehmen. Geldmenge wächst kaum.

Eine Ausweitung der Notenbankbilanz bedeutet, dass mehr Geld in Umlauf kommt. Denn die Notenbankguthaben der Banken bei der EZB sind Zahlungsmittel. Sie können jederzeit gegen Bargeld eingetauscht oder für Überweisungen verwendet werden. Bisher wird die Ausdehnung der Geldmenge durch die EZB allerdings dadurch kompensiert, dass die Banken im Euro-Raum bei der eigenen Kreditvergabe immer zurückhaltender werden.

So lag die Geldmenge M3 im April nur noch 2,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Bereinigt um den Kaufkraftverlust bedeutet das Stagnation. Die Geldmenge M3 misst Bargeld, Giroguthaben und kurzfristige Einlageformen, von denen man annimmt, dass sie für den Zahlungsverkehr zur Verfügung stehen. Im Vergleich zur Vorwoche ist die EZB-Bilanzsumme zum 1. Juni um 22 Milliarden Euro gestiegen. Davon gingen 13 Milliarden Euro auf vermehrte Ausleihungen an die Banken im Rahmen der üblichen geldpolitischen Operationen zurück, vier Milliarden auf „Andere Forderungen an Banken“ und drei Milliarden auf „Andere Assets“.

Das sind zwei Bilanzpositionen, in denen die nationalen Notenbanken ihre Notfallkredite an Banken verstecken, die nicht mehr genug Sicherheiten aufbieten können, um bei den normalen EZB-Finanzierungen zum Zuge zu kommen, die man aber auch nicht pleitegehen lassen will.

Auf der Gegenseite der Bilanz stieg der Bargeldumlauf gegenüber der Vorwoche um 5,1 Milliarden Euro auf 885 Milliarden Euro. Dieser Anstieg ist für den Sommerbeginn nicht ungewöhnlich. Im Vorjahresvergleich nahm der Bargeldumlauf, den man als Indiz für Misstrauen gegen die Banken deuten könnte, allerdings um beträchtliche 43 Milliarden Euro oder fünf Prozent zu.

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