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OECD-Beschäftigungsausblick 2014 Deutschland hat ein Problem mit der Langzeitarbeitslosigkeit

Die OECD bewertet jedes Jahr die jüngsten Entwicklungen für die Arbeitsmärkte der führenden Industrieländer. Der deutsche Arbeitsmarkt könnte Vorbildcharakter haben – wenn die Langzeitarbeitslosen nicht wären.

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Ein Mann spiegelt sich im verglasten Eingangsbereich der Agentur für Arbeit. Nahezu die Hälfte aller Arbeitslosen in Deutschland sind langzeitarbeitslos. Quelle: dpa

Von der Krise 2007 haben sich die Arbeitsmärkte im OECD-Raum bis heute nicht vollständig erholt. Eine Ausnahme: Deutschland. Laut dem aktuellen OECD-Beschäftigungsausblick 2014 der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der am Mittwoch in Paris vorgestellt worden ist, trotzt der deutsche Arbeitsmarkt sämtlichen Krisen. Ein Problem hat auch er trotz allem.

Doch zuerst die guten Nachrichten: Im Vergleich zum Euro-Raum kann sich der deutsche Arbeitsmarkt durchaus sehen lassen. In der Währungsunion ist die Arbeitslosenquote im Durchschnitt fast doppelt so hoch wie in Deutschland. Vor allem Griechenland und Spanien leiden immer noch unter den Auswirkungen der Krise. Zwar zeigen die Reformen in den Pleitestaaten erste Erfolge, wie das Weltwirtschaftsforum am Dienstag darlegte; trotz des leichten Rückgangs ist aber immer noch ein Viertel der Erwerbsbevölkerung arbeitslos.

Die Arbeitslosigkeit in einigen OECD-Ländern

Die Bemühungen der Krisenländer erkennt OECD-Generalsekretär Angel Gurría an, warnt aber vor weiteren Kürzungen. Er sagte in Paris: „Zwar haben Lohnkürzungen in den Krisenländern dazu beigetragen, die Arbeitslosigkeit einzudämmen und die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen, weitere Kürzungen wären aber kontraproduktiv und würden weder neue Jobs noch mehr Nachfrage schaffen.“

Grund zur Sorge bereitet den Autoren die Langzeitarbeitslosigkeit. Jeder Dritte Arbeitslose sucht schon seit mehr als einem Jahr nach einer neuen Beschäftigung. In Ländern wie Italien oder Portugal, die von der Krise stark betroffen sind, ist strukturelle Arbeitslosigkeit entstanden. Diese gehe selbst dann nicht automatisch zurück, wenn die Wirtschaft wieder anziehe, so die Autoren. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich seit Beginn der Krise 2007 verdoppelt.

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    Ein besonders großes Problem ist die Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland: Obwohl sie so stark zurückging, wie in keinem anderen OECD-Land, sind in hierzulande immer noch fast die Hälfte aller Arbeitslosen langzeitarbeitslos – im OECD-Schnitt ist es jeder Dritte.

    „Wir können uns nicht dauerhaft mit einem harten Kern von Arbeitslosigkeit abfinden“, sagte bereits im Februar der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt. „Wir müssen auch den Menschen, die schwierige Erwerbsbiografien haben (…), eine reale Chance auf Teilhabe in unserer Gesellschaft geben.“ Zu diesem Zweck wolle die Bundesregierung laut Koalitionsvertrag 1,4 Milliarden Euro mehr zur Verfügung stellen.

    Der Mindestlohn als Stütze

    Die Bundesregierung wird von der OECD – ebenso wie die USA – dazu aufgerufen, dafür Sorge zu tragen, dass die Löhne für Niedrigverdiener nicht noch weiter sinken. Denn obwohl die Arbeitslosigkeit in Deutschland und den USA stark zurückging, liegt der Anteil der Niedrigverdiener mit 20 bzw. 25 Prozent noch weit über dem OECD-Schnitt.

    Ein probates Mittel hierfür sei laut OECD der gerade in Deutschland eingeführte Mindestlohn. „Die Einführung des Mindestlohns in Deutschland wird dazu beitragen, die Einkommen der Geringverdiener zu erhöhen und die Zahl der Arbeitnehmer in Armut zu senken“, heißt es in dem Bericht. Ab dem 1. Januar 2015 steigt für fast vier Millionen Deutsche der Lohn auf 8,50 Euro pro Stunde. Damit beträgt der Mindestlohn etwa die Hälfte des Medianeinkommens von Vollbeschäftigten in Deutschland. Das entspricht dem Niveau von Belgien und Großbritannien, liegt aber noch unter dem Niveau Frankreichs.

    In Deutschland wurden zuletzt immer wieder kritische Stimmen in Bezug auf den Mindestlohn laut. So äußerte sich der Bundesbank-Vorsitzende Jens Weidmann im Juli: „Auch wenn die Erfahrungen in anderen Ländern nicht dafür sprechen, dass ein Mindestlohn die Arbeitslosigkeit erhöht, droht er die Beschäftigungsdynamik zu belasten.“ In 26 OECD-Ländern gibt es bereits einen Mindestlohn oder er wird gerade eingeführt.

    Neben den rein quantitativen Aspekten betrachtet die OECD in diesem Jahr erstmals die Beschäftigungsqualität, die sie über die folgenden Dimensionen bewertet:

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      Die Stärken und Schwächen des deutschen Arbeitsmarkts

      Die Qualität des Arbeitsumfelds ist vielen Deutschen zufolge nicht besonders hoch. Länder wie die Niederlande oder Dänemark schneiden hier deutlich besser ab. Bezüglich des Arbeitseinkommen und der Arbeitsmarktsicherheit liegt Deutschland über dem OECD-Durchschnitt.

      Allerdings bemängelt die OECD das in Deutschland der Unterschied in der Arbeitsplatzsicherheit von befristeten Jobs und unbefristeten zu groß sei. Während Krisenländer wie Spanien, Italien oder Griechenland mit Reformen dagegen angingen, die zwar noch Zeit benötigten, aber erste Erfolge zeigten, böten befristete Stellen in Deutschland allzu oft keine Chance auf eine Festanstellung.

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