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Ökonomie "Auch Clevere können Mist bauen"

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Stolze: Niemand ist unfehlbar – auch Nobelpreisträger, Spitzenbanker und Top-Wissenschaftler nicht.

Stephen Roach, Asienchef der Investmentbank Morgan Stanley, hat gerade gesagt: „Even smart people can do stupid things“ – auch Clevere können Mist bauen.

Stolze: Ja, es gehört einiges dazu, das zuzugeben. Ich weiß nicht, wer vor der Krise den Mut gehabt hätte, das zu sagen.

Bleiweiss: Wir müssen uns immer wieder trauen, scheinbar gesicherte Erkenntnisse in Frage zu stellen. Lehrmeinungen müssen sich ändern können, in den Natur- genauso wie in den Wirtschaftswissenschaften. Die Diskussion muss lebendig bleiben.

Das Plenum hat sich vorhin aber sehr einhellig auf die Zentralbanken als Sündenböcke für die Krise eingeschossen.

Bleiweiss: Leider. Ich finde diese Erklärung zu einseitig. Es ist noch an vielen anderen Stellen einiges schief gelaufen, zum Beispiel bei den Managern in der Finanzwirtschaft.

Rettung durch Innovation

Der amerikanische Forscher Ronald Gilson hat eben allerdings gesagt, Moral Hazard sein kein Grund für die Krise gewesen.

Stolze: Mit dieser Behauptung ist er aber deutlich angeeckt. Ganz anders als bei den meisten übrigen Fragen war die Ökonomenrunde hier stark zerstritten. Hans-Werner Sinn hat ja heftig widersprochen. Wenn der Verkauf vergifteter Papiere kein Moral Hazard gewesen sei, dann wüsste er nicht, was man sonst darunter verstehen sollte.

Die Frage ist wichtig, aber größtenteils Vergangenheitsbewältigung. Wie kommen wir wieder aus der Krise?

Bleiweiss: Nur mit neuen Ideen.

Woher kommen die?

Stolze: Ideen kommen, wenn wir uns für etwas beigeistern (zieht sein Smartphone aus der Tasche). Es ist doch faszinierend, was da alles drin steckt. Ich lese meine Mails, die neuesten Nachrichten, surfe im Netz – und muss dafür nicht mal an den Schreibtisch. Leute, die sich fürs Tüfteln begeistern, bauen so ein Ding. Leute, die sich für Technik begeistern, kaufen es.

Begeisterung kann man nicht lernen

Tun die Universitäten genug, um jungen Leuten Euphorie beizubringen?

Bleiweiss: Professoren können Begeisterung nicht lehren wie Formeln oder Fachbegriffe. Sie können höchstens versuchen, sie zu wecken.

Stolze: Begeisterung für eine Aufgabe muss jeder selbst entwickeln. Das kommt von Innen.

Welche Tipps habt ihr für Kommilitonen, die in dieser schwierigen Zeit mit dem Studium anfangen?

Stolze: Lasst euch nicht entmutigen und nutzt eure Freiheit. An der Universität stehen euch unendlich viele Wege offen, ihr könnte alles ausprobieren, es gibt so gut wie kein Risiko. Hütet euch vor Perfektionismus, Spitzennoten können nicht das einzige Ziel sein.

Bleiweiss: Das kann ich nur bestätigen. Schottet euch auf keinem Fall in euren eigenen vier Wänden ab, schaut euch um, was in fremden Fächern passiert und für eueren Studiengang wichtig ist.

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