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Ökonomie-Nobelpreis Manager-Boni - eine 40 Jahre alte Debatte

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Nach dem Krieg leitete Tinbergen das staatliche Zentrale Planbüro und beriet über Jahre die niederländischen Sozialdemokraten. In den Siebzigerjahren untersuchte er die Einkommensverteilung in den Industriestaaten. In seinem ökonometrischen Modell zur Erklärung von Einkommensunterschieden geht er davon aus, dass Arbeitnehmer unterschiedliche Produktionsfähigkeiten haben und Arbeitsplätze unterschiedliche Anforderungen stellen.

Zu den Produktionsfähigkeiten zählt er Ausbildungen wie etwa ein Jurastudium, Fremdsprachenkenntnisse, aber auch Verantwortungsbewusstsein und Intelligenz. Ein Marktgleichgewicht, bei dem Angebot und Nachfrage zueinander passen, geht nach dem Modell zwingend mit Einkommensdifferenzen einher. Tinbergen fordert gleiche Wohlfahrt für alle – was wohlgemerkt nicht gleiche Einkommen für alle bedeutet. Er geht davon aus, dass auch schlecht bezahlte Arbeiten persönliche Befriedigung geben können und deshalb die Wohlfahrt eines schlecht entlohnten Künstlers nicht unbedingt niedriger sein muss als die eines hoch bezahlten Managers.

Managergehälter begrenzen

Diese These provozierte ebenso Kritik wie seine eigenwillige Vorgabe zu Managergehältern: Der Ökonom sprach sich für ein Limit aus, wonach ein Spitzenmanager nicht mehr als fünf Mal so viel wie der am schlechtesten bezahlte Mitarbeiter des Unternehmens verdienen sollte. Vor allem angelsächsische Ökonomen konnten damit nichts anfangen. David Marsden von der London School of Economics zeigte in einer groß angelegten europäischen Studie, dass Unternehmen mit größeren Einkommensspreizungen besser abschnitten als eher „egalitäre“ Firmen. Doch es gebe einen Punkt, ab dem Einkommensunterschiede die Unternehmen hemmen.

Die Debatte, wo dieser genau liegt, ist längst nicht abgeschlossen. Tinbergen bleibt das Verdienst, sich als erster Top-Ökonom überhaupt Gedanken über Managergehälter gemacht zu haben.

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