Philipp Rösler "Den Euro gezielt abzuwerten wäre hoch gefährlich"

Der Bundeswirtschaftsminister warnt vor einem weltweiten Währungskrieg und hält den Euro für stabil.

Philipp Rösler, Bundesvorsitzender der FDP und Bundesminister für Wirtschaft und Technologie im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: dapd

WirtschaftsWoche: Herr Minister, Japan öffnet die Geldschleusen, die USA sparen nicht, die Schweiz hat ihren Wechselkurs eingefroren – laufen wir in einen Währungskrieg?

Phillipp Rösler: Nein, diese Wortwahl ist fehl am Platz. Das sind keine gezielten Aktionen, um die eigene Währung zu schwächen und damit Wettbewerbsvorteile zu erlangen. Vor solch einem Ansatz könnte ich im Übrigen auch nur warnen. Eine gezielte Beeinflussung der Wechselkurse kann in einen Abwertungswettlauf münden und schafft somit allenfalls größere Unsicherheiten an den Finanzmärkten, die unseren Volkswirtschaften schaden. Unsere Position ist klar: Es ist immer besser, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken anstatt die eigene Währung zu schwächen. Ein Weg des billigen Geldes ist weder für Deutschland noch für Europa oder die USA Erfolg versprechend. Das zeigen schon die Erfahrungen der Siebzigerjahre.

Lässt Sie die Kursentwicklung völlig kalt?

Nein, denn natürlich verschlechtern sich dadurch tendenziell die Chancen für die deutschen Exporte. Aber für die Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft spielen viele andere Faktoren eine wichtige Rolle. Zum Beispiel die Energiepreise – diese sind für im weltweiten Wettbewerb stehendende Unternehmen ein Riesenthema. Deshalb setzt sich die FDP auch mit Nachdruck dafür ein, die Kostenspirale bei den Erneuerbaren in Deutschland dauerhaft in den Griff zu bekommen. Bei den Wechselkursen gilt es auch zu bedenken: Ein stabiler Euro macht die Einfuhren günstiger. Im Übrigen weiß gerade unser international ausgerichteter Mittelstand schon jetzt gut mit Wechselkursschwankungen umzugehen.

Was der deutschen Wirtschaft Mut und Angst macht
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Angstmacher: EurokriseSie hat sich dank dem Einschreiten der Europäischen Zentralbank (EZB) merklich beruhigt. Seit ihr Chef Mario Draghi Ende 2012 den unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder angekündigt hat, hat nach Ansicht der Finanzmärkte die Gefahr einer Staatspleite in Spanien und Italien deutlich abgenommen. Doch die Ruhe könnte sich als trügerisch erweisen. So reagieren die Börsianer zunehmend nervös auf die Umfrageerfolge von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der bei der Parlamentswahl kommende Woche in Italien wieder kandidiert. Berlusconi will viele Reformen seines Nachfolgers Mario Monti wieder zurücknehmen und beispielsweise die Immobiliensteuer wieder abschaffen. Quelle: REUTERS
Angstmacher: Euro-StärkeDie Gemeinschaftswährung steht unter Aufwertungsdruck. Seitdem die japanische Notenbank ihre Geldschleusen geöffnet hat, ist der Euro um 20 Prozent im Verglich zum Yen gestiegen. Dort sitzen einige der größten Konkurrenten der deutschen Exporteure, darunter Autokonzerne wie Toyota und viele Maschinenbauer. Sie können ihre Produkte dank der Yen-Abwertung billiger anbieten. Quelle: dpa
Auch im Vergleich zu anderen Währungen ist der Euro teurer geworden. Experten warnen bereits vor einem Abwertungswettlauf. Noch können die deutschen Exporteure mit dem Wechselkurs gut leben. Die größere Sorge ist, dass weniger konkurrenzfähige Euro-Länder wie Frankreich oder Italien darunter leiden. Das würde am Ende auch Deutschland treffen, das fast 40 Prozent seiner Waren in die Währungsunion verkauft. Quelle: dpa

Der Vorstoß des französischen Präsidenten Françoise Hollande plädiert für das Gegenteil: Wir gehen den einfachen Weg.

Den Euro gezielt abzuwerten wäre völlig verfehlt und hoch gefährlich. Der Euro hat sich gerade in der Wirtschafts- und Finanzkrise als außergewöhnlich stabil erwiesen. Dies ist Ausdruck des Vertrauens internationaler Investoren, das wir durch eine solche Politik leichtfertig aufs Spiel setzen würden. Ich habe bei meinem Besuch in Paris Anfang Februar klar gesagt: Wir sind Partner, mehr noch, Freunde und müssen zu Kompromissen bereit sein. Aber in einem Punkt gibt es eine glasklare Haltung meiner Partei und auch der Bundesregierung: Wir rütteln nicht an der Geldwertstabilität. Das heißt, die Unabhängigkeit der EZB hat für uns oberste Priorität.

Daran gibt es inzwischen berechtigten Zweifel.

Als die D-Mark verabschiedet und der Euro eingeführt wurde, hat man den Menschen drei Dinge versprochen: Erstens, jeder Staat haftet für seine Schulden; zweitens, der Euro wird so stabil sein wie die Mark; und drittens, die EZB wird immer so unabhängig sein wie die Bundesbank. Das ist für Deutschland nicht verhandelbar. Das sind nicht nur formalistische Positionen. Denn die Folgen einer Politik des billigen Geldes würden die Menschen konkret spüren.

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