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Politische Prozesse Geld regiert die Welt? Von wegen!

Regiert Geld die Welt? Quelle: imago images

Politische Prozesse können Business Leader, die hocheffiziente Hierarchien und agile Teams gewohnt sind, wahnsinnig machen. Trotzdem sollten Manager lernen, wie Politik funktioniert, schreibt Strategieberater Dominik Meier in seinem Gastbeitrag. Ansonsten laufen sie in die Falle, so wie viele Unternehmen, die von Trumps Handelskrieg kalt erwischt wurden.

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Von einem Business Man hätte man eigentlich anderes erwartet – oder? Dass ausgerechnet Donald J. Trump, Immobilientycoon und Medienunternehmer, einen Handelskrieg mit Europa und China vom Zaun bricht und damit US-Flaggschiffen wie General Motors und Harley Davidson schadet , ist ein Schock für die Wirtschaft. Dabei zeigt Trumps Inkaufnahme von Umsatzeinbußen und Entlassungen bei exportabhängigen Firmen nur eines: Politik und Ökonomie funktionieren nach grundverschiedenen Logiken. Das Oval Office gewichtet ökonomische Interessen geringer als den Nationalstolz und die Globalisierungsängste der Wähler. Obwohl beides – demokratischer Wettstreit einerseits und Business Development andererseits – knallharte Machtspiele sind, folgen sie anderen Regeln.

Noch immer tun sich viele Konzernlenker mit dieser Einsicht ausgesprochen schwer. Dabei sind Unternehmensentscheidungen ohne politische Strategie nicht nur ein gefährlicher Blindflug. Letzten Endes haben Regierungen und Verwaltungen im Konflikt mit Wirtschaftsinteressen stets die Oberhand. Trumps Isolationismus ist nur Beispiel dafür, dass politische Amtsinhaber immer wieder bereit sind, Kapital zu vernichten, wenn es den übergeordneten politischen Zielen dient. Geld regiert die Welt? Von wegen.

Höchste Zeit also, dass Unternehmer die zentralen Unterschiede zwischen den Machtspielen der Politik und Ökonomie anerkennen und beim Business Development berücksichtigen. Diese Unterschiede lassen sich an drei Hauptelementen der Machtspiele festmachen: Spielprinzip, Spielsteine, Spielbrett.

Dominik Meier Quelle: PR

Das Spielprinzip

Wirtschaftsmacht und politische Macht sind nicht naturgegeben. Sie müssen kontinuierlich gerechtfertigt werden, sonst werden sie fragil. Hier enden aber schon die Gemeinsamkeiten. Die Macht eines CEOs oder eines Aufsichtsrats beruht auf Leistungskennzahlen und Profiten. Politischer Einfluss hat dagegen nur eine Legitimationsquelle: das Gemeinwohl. Politische Interessen müssen konsens- oder zumindest mehrheitsfähig sein und im öffentlichen Wettstreit der Ideen bestehen können. Wer sich hingegen den Ruf des Klientelismus einhandelt, hat den politischen Machtkampf bereits verloren, bevor er begonnen hat. Politische Machtkämpfe sind immer auch Deutungskämpfe um das Gemeinwohl.

Die Spielsteine

Im Ringen um Marktbeherrschung können Konzerne zahllose Machtressourcen in die Waagschale werfen. Kapitalstock, Humankapital, Daten, Rohstoffe, Liegenschaften etc. Selbstverständlich sind diese Spielsteine auch für die Politik relevant, aber sie spielen nicht die Hauptrolle. Wer in diesem Machtkampf erfolgreich sein will, braucht vor allem eine einzigartige Kombination aus intuitivem Gespür für drängende Policy Issues und Stimmungen und strategischer Planungskompetenz, die über das politische Alltagsgeschäft hinausgeht. Entscheidend ist, dass sich politische Akteure ständig gegenüber Wählern und Medien erklären und dabei die Balance zwischen den aktuellen Sorgen und Wünschen der Bürger und der eigenen Linie wahren müssen. Dies ist das eigentliche Fundament ihrer Macht.

Das Spielbrett

Der Markt ist das Spielfeld im Kampf um wirtschaftliche Dominanz. Durch seinen 24/7-Rhythmus und globale Vernetzung diktiert er allen Mitspielern ein atemloses Tempo. Im Vergleich dazu hat das politische System nach wie vor, trotz Social Media und Dauer-Tweeting, eine viel niedrigere Geschwindigkeit. Einerseits durchlaufen legislative Prozesse in allen Demokratien dutzende Etappen der Autorisierung, Abstimmung und Konsensbildung in Gremien und Ausschüssen. Vom ersten Referentenentwurf aus einem Bundesministerium bis zur Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt ist es ein weiter und mühsamer Weg. Andererseits sind politische Verwaltungen bei der Implementierung von Policies dank Linienorganisation und Berufsbeamtentum zwar sorgfältig und gründlich, aber auch sehr langsam.

Solche Prozesse können Business Leader, die hocheffiziente Hierarchien oder agile Teams gewohnt sind, wahnsinnig machen. Missverständnisse, falsche Erwartungen, Schuldzuweisungen sind programmiert. Umso wichtiger ist es, sich auf das politische Machtspiel und dessen Regeln zu einzulassen und erfolgreich mitzuspielen. Was sonst geschehen kann, das zeigt eindrucksvoll die Causa Trump.

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