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Post aus Harvard

Ist das goldene Zeitalter der USA vorbei?

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Der Wohlstand steigt schneller als die Statistik anzeigt

Anders ausgedrückt: Der Wohlstand steigt schneller als offizielle Statistiken glauben machen – vielleicht sogar viel schneller. Dies trifft auf die Daten der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zu und gilt heute immer noch. Für die Ansicht, die oft in Umfragen und auch in Gordons Buch vertreten wird, dass der Lebensstandard der Kinder der heutigen Generation niedriger sein wird als derjenige ihrer Eltern, gibt es keine Grundlage. Für manche Menschen, insbesondere solche mit relativ hohem Einkommen, mag dies gelten. Aber für die meisten trifft es definitiv nicht zu.

Nehmen wir ein junges, dreißigjähriges Elternteil mit einem Gehalt in der Mitte der Einkommensverteilung. In 30 Jahren wird das Kind so alt sein wie sein Elternteil heute. Selbst wenn das Wachstum der Realeinkommen jährlich nur 1,5 Prozent beträgt, wird das mittlere Medianeinkommen in 30 Jahren fast 60 Prozent höher sein als heute. Sogar wenn das Kind dann 30 Prozent weniger verdient als der Median zu dieser Zeit, ist sein Einkommen noch höher als das heutige Medianeinkommen. Wenn die Realeinkommen pro Kopf durch Produktinnovationen und -verbesserungen jährlich um drei Prozent wachsen, wird das Medianeinkommen in 30 Jahren mehr als doppelt so groß sein wie heute.

Konjunktur



Dies ist gleichwohl kein Anlass zur politischen Nachlässigkeit. Die USA können ihre zukünftige Wachstumsrate weiter steigern, indem sie das Bildungssystem verbessern, die Sparquote und Investitionen wieder auf ihr vergangenes Niveau erhöhen und diejenigen Faktoren des Steuer- und Transfersystems eliminieren, die sich negativ auf Beschäftigung und Einkommen auswirken.

Gordon legt den Schwerpunkt auf den Effekt der technologischen Innovationen auf die Realeinkommen. Aber ein entscheidende Schwäche seiner Argumentation ist, dass sie sich kaum mit politischen Innovationen befasst. Würden die Politiker entsprechende Reformen durchführen, könnte die nordamerikanische Volkswirtschaft – und diejenige vieler anderer Länder – künftig viel stärker wachsen als erwartet.

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