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Post aus Harvard

Die Amerikaner sparen sich zu Tode

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All das änderte sich aber schlagartig, als die amerikanische Wirtschaft Ende 2007 in eine heftige Rezession rutschte. Die Börse stürzte ab. Die Immobilienpreise fielen um 40 Prozent, sodass ein Drittel aller Hausbesitzer mit Hypotheken ihr Eigenkapital komplett verlor. Das Vermögen der Haushalte ist heute 10 Billionen US-Dollar weniger wert als vor der Rezession.

Dieser Vermögensverfall bedeutet, dass die Haushalte mehr sparen müssen, um sich auf den Ruhestand vorzubereiten. Ruheständler können zudem nicht mehr so viel konsumieren wie zuvor. Banken und Kreditkartenfirmen sind wesentlich vorsichtiger mit dem Verteilen von Krediten. Da die Arbeitslosigkeit hartnäckig hoch bleibt, sparen viele Haushalte schon im Voraus, um Bargeld zu haben, wenn sie ihren Arbeitsplatz verlieren oder in Kurzarbeit gehen müssen.

Vermögensaufbau von vorn

Es ist unmöglich vorherzusagen, in welche Richtung sich die Sparquote als Nächstes bewegt. Doch die Haushalte müssen ihr Vermögen wieder aufbauen, und weil es an verfügbaren Krediten mangelt, könnte die Sparquote wahrscheinlich noch weiter steigen. Im Juni meldete die Statistik eine Quote von 6,4 Prozent, sodass die Quote von neun Prozent aus dem Jahr 1985 wieder in greifbare Nähe rückt. Falls dies tatsächlich so schnell passiert, könnten die Ausgaben insgesamt abnehmen und die Wirtschaft in eine doppelte Rezession abgleiten lassen. Nur wenn die Haushalte das Tempo der Erholung stattdessen optimistisch bewerten, könnten sie unter Umständen trotz schwacher Einnahmen weniger zu sparen, um weiter wie gewohnt zu konsumieren. Das wird erst die Zukunft zeigen.

Die Ersparnisse der Privathaushalte sind allerdings nur ein Teil der gesamtwirtschaftlichen Nettoersparnisse. Da das persönliche Einkommen nach Steuern ungefähr 75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, bedeutet eine Haushaltssparquote von sechs Prozent lediglich einen Anteil von 4,5 Prozent am BIP. Die einbehaltenen Unternehmensgewinne betragen durchschnittlich drei Prozent der gesamtwirtschaftlichen Leistung – nach Abzug der Wertminderung von Anlagen und Maschinen. Die Kombination der Ersparnisse von Privathaushalten und Unternehmen bringt die gesamten privaten Ersparnisse auf 7,5 Prozent des BIP. Bedauerlicherweise wird die staatliche Kreditaufnahme zur Finanzierung des Staatsdefizits in diesem Jahrzehnt voraussichtlich fünf Prozent des BIP verschlingen. So würde eine gesamtwirtschaftliche Sparquote von nur 2,5 Prozent übrigbleiben.

Globale Ungleichgewichte

Diese niedrige gesamtwirtschaftliche Sparquote reicht nicht, um dringend nötige Investitionen in Anlagen, Maschinen und Wohnungsbau zu finanzieren. Daher bleiben die USA trotz der steigenden Sparquote der Privathaushalte von Kapitalzuflüssen aus dem Rest der Welt abhängig – es sei denn, die US-Regierung sorgt dafür, dass Amerikas künftige Haushaltsdefizite schrumpfen. Bleibt das Land auf ausländisches Geld angewiesen, werden die globalen Ungleichgewichte weiterhin das Risiko für die Weltwirtschaft erhöhen.

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