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Post aus Harvard

Goldrausch mit Tücken

Martin Feldstein Quelle: Bloomberg, Montage
Martin S. Feldstein US-amerikanischer Ökonom, Professor für Wirtschaftswissenschaften und ehemaliger Oberster Wirtschaftsberater für US-Präsident Ronald Reagan Zur Kolumnen-Übersicht: Post aus Harvard

Gold wird als Vermögensanlage immer beliebter. Doch Goldinvestments sind kein Selbstläufer - und schon gar nicht taugen sie als Schutz gegen Inflation und schwankende Wechselkurse, sagt Martin Feldstein.

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Martin Feldstein ist Professor der Harvard-Universität. Der renommierte US-Ökonom schreibt jeden Monat exkulsiv für WirtschaftsWoche und wiwo.de. Quelle: Laif/Polaris

Als ich unlängst durch den Flughafen von Dubai ging, fiel mir die große Zahl von Reisenden auf, die in den Geschäften dort Goldmünzen kauften. Die Finanzkrise in Dubai dürfte dabei weniger eine Rolle gespielt haben als der Glaube an eine gute Geldanlage: Die steigende Nachfrage hat den Goldpreis von 400 US-Dollar pro Unze im Jahr 2005 auf über 1100 Dollar im Dezember 2009 nach oben getrieben.

Und viele glauben, dass er weiter steigt. Die Menschen kaufen daher nicht nur Münzen und Barren, sondern auch Fondsanteile, die einen Anspruch auf physisches Gold darstellen, Gold-Futures und Aktien von Bergwerksgesellschaften. Auch Zentralbanken und Staatsfonds mischen mit; vor Kurzem etwa kaufte Indien 200 Tonnen Gold vom Internationalen Währungsfonds.

Was ist die Ursache der Jagd nach dem gelben Edelmetall? Gold ist ein liquider Vermögenswert, der in einem Portfolio mit Aktien, Anleihen und Immobilien für die notwendige Diversifizierung sorgt. Viele Goldkäufer aber wollen sich auch gegen Inflation oder einen möglichen Kursrückgang des Dollar oder anderer Währungen absichern. Beides sind in der Tat potenzielle Risiken, die einer vorbeugenden Absicherung bedürfen. Obwohl die Inflation in den Vereinigten Staaten, Europa und Japan derzeit niedrig ist, haben die Haushalte und institutionelle Anleger Grund zu der Sorge, dass die niedrigen Zinssätze und hohe Liquidität am Markt zu Inflation führen, wenn die Konjunktur wieder anzieht. Zudem ist der schwächelnde Dollar, der gegenüber dem Euro in den letzten zwölf Monaten über zehn Prozent verloren hat, für Dollarbesitzer im Ausland ein Alarmsignal.

Gold wirkt nicht gegen Inflation

Nur: Ist Gold wirklich eine gute Absicherung gegen diese beiden Risiken? Wird das Edelmetall seinen Wert behalten, wenn die Inflation die Kaufkraft von Dollar oder Euro aushöhlt? Und wird Gold seinen Wert in Euro oder Yen behalten, wenn der Dollar weiter fällt?

Die Antwort lautet: nein! Der Dollarpreis für Gold steigt nicht mit dem US-Preisniveau. Und der Goldwert steigt auch nicht in Dollar, um den Wertverlust des Dollars im Verhältnis zum Euro oder Yen auszugleichen.

Betrachten wir zunächst das Potenzial von Gold als Absicherung gegen die Inflation. 1980 lag der Preis für eine Unze bei 400 Dollar. Zehn Jahre später war der US-Verbraucherpreisindex (CPI) über 60 Prozent gestiegen, der Goldpreis aber lag immer noch bei 400 Dollar, nachdem er in den Jahren zwischenzeitlich auf 700 Dollar gestiegen war. Im Jahr 2000, als der US-Verbraucherpreisindex mehr als das doppelte Niveau von 1980 erreicht hatte, war der Goldpreis auf rund 300 Dollar pro Unze gefallen. Auch wenn er 2008 sprunghaft auf 800 Dollar pro Unze stieg, hat er unter dem Strich mit dem Anstieg der Verbraucherpreise seit 1980 nicht Schritt halten können.

Gold ist also eine schlechte Absicherung gegen Inflation. Es gibt bessere Möglichkeiten. Die US-Regierung etwa bietet einen guten Schutz vor Inflation in Form von Treasury Inflation Protected Securities (TIPS). Eine 10-jährige inflationsgeschützte Anleihe sorgt nicht nur für Zinsen und Kapital, die mit dem CPI Schritt halten, sondern zahlt derzeit auch einen Realzins, der sich auf etwas mehr als 1 Prozent beläuft. Sollte das Preisniveau fallen, wird der ursprüngliche nominale Kaufpreis über eine neu ausgegebene TIPS-Anleihe zurückerlangt.

Gold ist ebenfalls eine schlechte Absicherung gegen schwankende Wechselkurse. 1980 war ein Dollar 200 Yen wert. 25 Jahre waren es nur noch 110 Yen. Da Gold in beiden Jahren 400 Dollar kostete, trug der Besitz von Gold nicht dazu bei, den Dollar-Wertverlust auszugleichen. Ein japanischer Investor mit Dollaraktien oder Immobilien dagegen hätte den Wechselkursverlust ausgleichen können, indem er Yen-Futures kauft. Dasselbe gilt für Anleger, die auf Eurobasis investieren, und mit dem Besitz von Gold nichts verdient hätten - dagegen aber die Kursabschwächung des Dollar durch den Kauf von Euro-Futures hätten ausgleichen können.

Goldkauf bleibt riskante Investition

Kurz gesagt: Es gibt bessere Möglichkeiten als Gold, um sich vor dem Inflations- und Wechselkursrisiko zu schützen. TIPS oder die entsprechenden Anleihen anderer Staaten schützen vor Inflation, Währungs-Futures können Wechselkursrisiken ausgleichen.

Und machen wir uns nichts vor: Der Goldkauf ist und bleibt eine riskante Investition, eine reine Spekulationsinvestition. Es ist unmöglich vorherzusagen, wohin der Preis tendiert. In den nächsten Jahren könnte er auf 500 Dollar pro Unze fallen - oder auf 2000 Dollar pro Unze steigen. Die Käufer müssen Acht geben.

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