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Post aus Harvard

Inflation ist eine reale Gefahr

Martin Feldstein Quelle: Bloomberg, Montage
Martin S. Feldstein US-amerikanischer Ökonom, Professor für Wirtschaftswissenschaften und ehemaliger Oberster Wirtschaftsberater für US-Präsident Ronald Reagan Zur Kolumnen-Übersicht: Post aus Harvard

Der inflationäre Druck ist derzeit gering, doch das kann sich schnell ändern. Ob dann die Exit-Strategien der Notenbanken in den USA und Euro-Land funktionieren, ist mehr als unsicher.

Die höchsten Inflationen aller Zeiten
Turkmenistan, Januar 1992 - November 1993Währung: Manat Tägliche Inflationsrate: 5,71 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 12,7 Tage Quelle: Institute for Applied Economics, John Hopkins University Baltimore Quelle: AP
Armenien, Oktober 1993 - Dezember 1994Währung: Rubel Tägliche Inflationsrate: 5,77 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 12,5 Tage Quelle: REUTERS
China, Oktober 1947 - Mitte Mai 1949Währung: Yuan Tägliche Inflationsrate: 14,1 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 5,34 Tage
Griechenland, Mai 1941 - Dezember 1945Währung: Drachme Tägliche Inflationsrate: 17,9 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 4,27 Tage
Deutschland, August 1922 - Dezember 1923Währung: Papiermark Tägliche Inflationsrate: 20,9 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 3,70 Tage
Republika Srpska, April 1992 - Januar 1994Währung: Dinar Tägliche Inflationsrate: 64,3 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 1,41 Tage
Jugoslawien, April 1992 - Januar 1994Währung: Dinar Tägliche Inflationsrate: 64,6 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 1,41 Tage Quelle: dpa

Die Lage scheint entspannt: Momentan ist in allen Industrieländern die Inflation niedrig – und angesichts hoher Arbeitslosigkeit und stagnierendem Wachstum entfallen auch die üblichen Gründe für einen Aufwärtsdruck auf die Preise. Dennoch sorgen sich Finanzinvestoren und Ökonomen, dass die Inflation wegen der von der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) veranlassten enormen Ausweitung der Reserven der Geschäftsbanken bald ansteigen könnte. Sie erinnern sich daran, dass Inflation typischerweise die Folge einer monetären Expansion ist – und befürchten, dass es auch diesmal nicht anders sein wird.

Die Anleger reagieren auf das Inflationsrisiko unter anderem mit dem Kauf von Gold und Agrarflächen. Der Goldpreis stieg jüngst auf ein Vier-Monats-Hoch; auch bei Silber, Platin und anderen Metallen gab es Preissprünge. Die Preise für Ackerland in Iowa und Illinois sind 2011 um über zehn Prozent gestiegen.

Aber im Gegensatz zu privaten Anlegern glaubt die Fed nicht an wachsende Inflation. Sie verweist darauf, dass die enorme Expansion der Reserven der Geschäftsbanken nicht zu einem vergleichbaren Anstieg bei Geldmenge und Krediten geführt habe. Obwohl die Reserven in den vergangenen drei Jahren jährlich um 22 Prozent anstiegen, ist das Geldmengenaggregat M2, welches das nominale BIP-Wachstum und die Inflation über lange Zeit am besten reflektiert, in diesem Zeitraum um weniger als sechs Prozent gestiegen.

Das sind die drei Leitzinssätze der EZB

Dramatische Zunahme des Kreditvolumens

In den vergangenen Jahrzehnten führten starke Ausweitungen der Bankreserven zu einer drastischen Zunahme des Kreditvolumens. Dies ließ die Geldmenge steigen und schürte das inflationäre Ausgabenwachstum. Nun aber sind die Banken bereit, überschüssige Reserven bei der Fed zu halten, weil sie dafür Zinsen bekommen. Auch die EZB zahlt Zinsen für Einlagen; auch sie kann im Prinzip verhindern, dass höhere Reserven zu einer ungewollten Kreditexpansion führen.

Die Zinszahlungen der Fed sind der Schlüssel zu der „Exitstrategie“ aus der quantitativen Lockerung. Gewinnt der Aufschwung an Fahrt, werden die Geschäftsbanken die von der Fed geschaffenen riesigen Reserven nutzen wollen, um Kredite an Firmen und Verbraucher zu vergeben. Steigen die Kredite zu rasch an, kann die Fed die Einlagenzinsen erhöhen. Bei ausreichend hohen Zinssätzen könnten die Banken dann der von der Fed gebotenen Kombination aus Liquidität, Sicherheit und Ertrag gegenüber einer Ausweitung der Privatkredite den Vorzug geben.

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