Post aus Harvard

Reagiert die Fed zu spät, kommt die Inflation

Martin Feldstein Quelle: Bloomberg, Montage
Martin S. Feldstein US-amerikanischer Ökonom, Professor für Wirtschaftswissenschaften und ehemaliger Oberster Wirtschaftsberater für US-Präsident Ronald Reagan Zur Kolumnen-Übersicht: Post aus Harvard

Die Anleihekäufe der US-Notenbank Fed haben den Preisauftrieb bisher nicht erhöht. Das aber könnte sich bald ändern.

Was der deutschen Wirtschaft Mut und Angst macht
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Angstmacher: EurokriseSie hat sich dank dem Einschreiten der Europäischen Zentralbank (EZB) merklich beruhigt. Seit ihr Chef Mario Draghi Ende 2012 den unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder angekündigt hat, hat nach Ansicht der Finanzmärkte die Gefahr einer Staatspleite in Spanien und Italien deutlich abgenommen. Doch die Ruhe könnte sich als trügerisch erweisen. So reagieren die Börsianer zunehmend nervös auf die Umfrageerfolge von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der bei der Parlamentswahl kommende Woche in Italien wieder kandidiert. Berlusconi will viele Reformen seines Nachfolgers Mario Monti wieder zurücknehmen und beispielsweise die Immobiliensteuer wieder abschaffen. Quelle: REUTERS
Angstmacher: Euro-StärkeDie Gemeinschaftswährung steht unter Aufwertungsdruck. Seitdem die japanische Notenbank ihre Geldschleusen geöffnet hat, ist der Euro um 20 Prozent im Verglich zum Yen gestiegen. Dort sitzen einige der größten Konkurrenten der deutschen Exporteure, darunter Autokonzerne wie Toyota und viele Maschinenbauer. Sie können ihre Produkte dank der Yen-Abwertung billiger anbieten. Quelle: dpa
Auch im Vergleich zu anderen Währungen ist der Euro teurer geworden. Experten warnen bereits vor einem Abwertungswettlauf. Noch können die deutschen Exporteure mit dem Wechselkurs gut leben. Die größere Sorge ist, dass weniger konkurrenzfähige Euro-Länder wie Frankreich oder Italien darunter leiden. Das würde am Ende auch Deutschland treffen, das fast 40 Prozent seiner Waren in die Währungsunion verkauft. Quelle: dpa

Warum kommt es in Amerika nicht zu höherer Inflation, obwohl die Notenbank Fed so viel Geld druckt? In den vergangenen fünf Jahren ist der Index der Verbraucherpreise im Schnitt nur um 1,5 Prozent gestiegen. Auch der von der Fed bevorzugte Preisindex für die privaten Konsumausgaben ohne Lebensmittel und Energie legte in dieser Zeit um lediglich 1,5 Prozent zu.

Auf der anderen Seite hat die Fed im selben Zeitraum so viele Anleihen gekauft wie noch nie. Sie erwarb für mehr als zwei Billionen Dollar Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere. Das war pro Jahr annähernd zehn Mal mehr als im Jahrzehnt davor. Allein im vergangenen Jahr stieg der Anleihebestand in der Bilanz der Fed um mehr als 20 Prozent.

Historische Lehren

Die Geschichte zeigt, dass eine rapide wachsende Geldmenge zu hoher Inflation führt. Beispiele dafür sind die deutsche Hyperinflation der Zwanzigerjahre und die Inflation in Lateinamerika in den Achtzigerjahren. In den USA haben relativ geringe Zuwächse der Geldmenge die Inflation in die Höhe getrieben. In den Siebzigerjahren wuchs die Geldmenge um durchschnittlich 9,6 Prozent. Damals lag die Inflation im Schnitt bei 7,4 Prozent, dem höchsten Wert der vergangenen 50 Jahre. In den Neunzigerjahren wuchs die Geldmenge im Schnitt nur um 3,9 Prozent, die Inflationsrate lag bei 2,9 Prozent.

Vor diesem Hintergrund erscheint es rätselhaft, warum die Anleihekäufe der Fed in den vergangenen Jahren keine inflationären Prozesse ausgelöst haben. Um dies zu verstehen, muss man unterscheiden zwischen der Geldmenge, die die Zentralbank in das Bankensystem pumpt, und der Geldmenge, die sich im Besitz der Nichtbanken befindet. Letztere ist die für die Inflation relevante Geldmenge. Sie setzt sich aus dem Bargeld und den Einlagen der Unternehmen und der privaten Haushalte bei den Geschäftsbanken zusammen.

Bisher galt, dass diese Geldmenge schneller stieg, wenn die Notenbank mehr Anleihen kaufte. Die Finanzkrise von 2008 hat diesen Zusammenhang jedoch außer Kraft gesetzt. Die Fed hat in großem Umfang Anleihen gekauft, ohne dass die Geldmenge in Händen der Privaten und die Inflation gestiegen sind. Entscheidend für den Zusammenhang zwischen Anleihekäufen und Geldmenge sind die Überschussreserven der Geschäftsbanken. Dabei handelt es sich um Einlagen, die die Banken bei der Notenbank halten. Wenn die Notenbank Wertpapiere von einer Bank kauft, schreibt sie ihr den Gegenwert auf dem Zentralbankkonto als Überschussreserve gut.

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