WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Post aus Harvard

US-Starökonom erwartet neuen Höhenflug des Euros

Seite 2/2

Das bringt mich zum dritten und grundlegendsten Faktor, der wahrscheinlich dazu führen wird, dass der Euro bald wesentlich zulegt: Die Ölförderländer und China werden weiter wesentlich mehr exportieren als importieren. Ihre Netto-Deviseneinnahmen legen sie in ausländische Aktien und Wertpapiere an. Und sie wollen ihre Investitionen aus diesen neuen Nettoexport-Einnahmen diversifizieren.

Die Euro-Zone bietet neben den USA den einzigen großen Kapitalmarkt für solche Investitionen. Doch kann die Euro-Zone den Zustrom an ausländischem Kapital nur steigern, wenn sie ein beträchtliches Leistungsbilanzdefizit aufweist, das heißt, wenn sie ihre Importe im Verhältnis zu den Exporten erhöht. Und dazu wird ein weniger wettbewerbsfähiger Euro benötigt – höher im Verhältnis zum Dollar und höher zu anderen Währungen. Wenn die Nettoexporteinnahmen von den Ölproduzenten und anderen in den Euro fließen, wird das dessen Wert steigen lassen.

Umschichtung von Dollar in Euro

Zudem dürften Länder mit großen Dollar-Reserven einen Teil davon in Euro umtauschen. Die Zentralbanken in Asien, im Mittleren und Nahen Osten haben ihre Reserven traditionell in Dollar angelegt. Das war sinnvoll, als die Reserven liquide sein mussten, um damit vorübergehende Handelsdefizite zu überbrücken. Doch sind diese Devisendepots weit über den als Notreserve erforderlichen Umfang hinaus angewachsen. Südkorea und Taiwan etwa verfügen jeweils über Devisenbestände von über 250 Milliarden Dollar, Chinas Gesamtbestand beläuft sich auf über zwei Billionen Dollar. Länder mit großen Devisenguthaben beginnen nun damit, Dollar-Bestände in Euro zu wechseln – ein Prozess, der unweigerlich zu einem steigenden Euro führt.

Ich werde mich also auf meinen Europabesuchen weiter über die Preise beschweren können. Der wachsende Druck auf Europa, Kapital zu importieren, und der Druck auf Überschussländer, ihre Devisenbestände zu diversifizieren, werden Reisen nach Europa für Dollar-Besitzer immer teurer werden lassen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%