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Preisentwicklung Inflation auf niedrigstem Stand seit 2010

Die Inflation fällt auf den niedrigsten Wert seit knapp zweieinhalb Jahren. Die Preisentwicklung für Energie und das Wegfallen der Praxisgebühr haben dazu beigetragen. Allerdings verteuerten sich die Lebensmittel.

Gegen den Trend verteuerten sich Lebensmittel um 4,1 Prozent. Quelle: dpa

Der langsame und stille Verlust des Ersparten durch die schleichende Entwertung des Geldes - wenige Wörter verursachen beim deutschen Sparer mehr Kopfschmerzen als "Inflation". Die Sorge ist historisch begründet, sind doch die Erfahrungen durch die Weimarer Republik in Erzählungen der Großeltern und Geschichtsunterricht stets präsent. Besonders die Entwicklungen der Schuldenkrise und die Geldpolitik der EZB haben die Ängste der Deutschen wegen der Inflation wieder hervorgerufen.

Doch vorerst scheint es keinen Grund für die Sorgen zu geben - denn die Inflation in Deutschland ist weiter auf dem Rückzug. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden teilte am Montag mit, dass die Jahresteuerung von 1,4 Prozent im März auf 1,2 Prozent im April zurückging. Die Statistiker berufen sich dabei auf vorläufige Schätzungen. Damit wäre es der niedrigste Inflationsstand seit September 2010.

Vor allem Pauschalreisen wurden billiger (minus 3,3 Prozent). Weniger mussten die Verbraucher auch für Heizöl und Sprit zahlen. Teurer wurden hingegen Nahrungsmittel (plus 4,1 Prozent), insbesondere Fleisch, Obst und Gemüse, wie die Statistiker auf Anfrage erklärten.

So stark verteuert sich das Leben in den Städten
Platz 16: SaarbrückenStatista und ImmobilienScout24 haben die Preisanstiege bei Mieten und Energiekosten in verschiedenen Städten ermittelt. Wer in Saarbrücken lebt, kann sich zurücklehnen. Hier liegt die Teuerung mit 1,3 Prozent sogar 24 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt (1,7 Prozent). Für die Analyse der regionalen Inflationsraten haben Statista und ImmobilienScout24 den Anteil der Kaltmieten im Warenkorb des Statistischen Bundesamtes durch aktuelle regionale Mietpreise (Angebots- und Bestandsmieten) ersetzt. Zudem wurde der Anteil der Energiekosten regional neu berechnet. Andere Warenkorbbestandteile wie z.B. Tabak & Alkohol, Instandhaltungskosten, Pauschalreisen, Bildungswesen, andere Waren und Dienstleistungen blieben dabei unberührt. Quelle: Creative Commons-Lizenz
Platz 15: PotsdamAuch hier ist die städtische Inflationsrate im Vergleich zum Vorjahresmonat relativ niedrig (1,3 Prozent). Quelle: dpa
Platz 14: StuttgartDie Mieten und Energiekosten sind in der Schwaben-Metropole auch nur moderat angestiegen (1,4 Prozent). Quelle: Creative Commons-Lizenz
Platz 13: MainzDie pfälzische Studentenstadt liegt bei der städtischen Inflationsrate (1,5 Prozent) ebenfalls unter dem Bundesdurchschnitt (1,7 Prozent). Quelle: Creative Commons-Lizenz
Platz 12: RostockHier ist die städtische Teuerungsrate identisch mit dem Bundesdurchschnitt (1,7 Prozent). Quelle: Creative Commons-Lizenz
Platz 11: HalleAuch an der Saale liegt die städtische Inflationsrate bei 1,7 Prozent. Quelle: Creative Commons-Lizenz
Platz 10: KölnDie Mieten und Energiekosten in der Medienstadt haben sich im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent verteuert. Quelle: dpa

Die Inflation in Deutschland ist seit Jahresbeginn auf dem Rückzug. Dazu trug auch die Abschaffung der Praxisgebühr von 10 Euro Anfang 2013 bei. Die Europäische Zentralbank peilt eine jährliche Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent als stabiles Preisniveau an. Für den Euroraum gehen die Währungshüter davon aus, dass die Teuerung 2013 trotz der nach wie vor weit geöffneten Geldschleusen der EZB unter die Zielmarke von 2,0 Prozent sinken wird. Kritiker befürchten, dass die lockere Geldpolitik der Notenbank mittelfristig die Inflation anheizen könnte.

Pauschalreisen 20,5 Prozent billiger, Heizöl kostet weniger

Christian Schulz, Volkswirt bei der Berenberg Bank, sieht derzeit allerdings keine Gefahren für die Preisstabilität in Deutschland. Im April habe unter anderem der deutliche Rückgang des Ölpreises den Anstieg der Lebenshaltungskosten gedämpft. Der Experte sieht insgesamt Spielraum für eine weitere Senkung der Leitzinsen im Euroraum. Von Reuters befragte Analysten hatten zuvor damit gerechnet, dass die Inflationsrate auf dem März-Wert von 1,4 Prozent verharrt.

Die höchsten Inflationen aller Zeiten
Turkmenistan, Januar 1992 - November 1993Währung: Manat Tägliche Inflationsrate: 5,71 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 12,7 Tage Quelle: Institute for Applied Economics, John Hopkins University Baltimore Quelle: AP
Armenien, Oktober 1993 - Dezember 1994Währung: Rubel Tägliche Inflationsrate: 5,77 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 12,5 Tage Quelle: REUTERS
China, Oktober 1947 - Mitte Mai 1949Währung: Yuan Tägliche Inflationsrate: 14,1 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 5,34 Tage
Griechenland, Mai 1941 - Dezember 1945Währung: Drachme Tägliche Inflationsrate: 17,9 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 4,27 Tage
Deutschland, August 1922 - Dezember 1923Währung: Papiermark Tägliche Inflationsrate: 20,9 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 3,70 Tage
Republika Srpska, April 1992 - Januar 1994Währung: Dinar Tägliche Inflationsrate: 64,3 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 1,41 Tage
Jugoslawien, April 1992 - Januar 1994Währung: Dinar Tägliche Inflationsrate: 64,6 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 1,41 Tage Quelle: dpa

Binnen Monatsfrist sanken die Verbraucherpreise um 0,5 Prozent. Pauschalreisen wurden um 20,5 Prozent billiger, im Ostermonat März waren sie um 9,5 Prozent gestiegen. Auch Heizöl kostete gegenüber März 2013 weniger. Auto- und Motorradfahrer mussten hingegen tiefer in die Tasche greifen als im Vormonat. Die Nachfrage nach Kraftstoffen steige mit Beginn des schönen Wetters und damit kletterten in der Regel auch die Benzin- und Dieselpreise, sagte ein Experte des Statistischen Bundesamtes.

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