1. Startseite
  2. Politik
  3. Konjunktur
  4. Inflation: Verbraucherpreise steigen im Euroraum wegen teurer Energie auf Höchststand

PreissteigerungInflation im Euroraum steigt auf Höchststand

Die Verbraucherpreise im Euro-Raum sind zu Jahresbeginn wegen teurer Energie so stark gestiegen wie noch nie. Die Verbraucherpreise lagen im Januar um 5,1 Prozent über dem Niveau vom Vorjahresmonat. 23.02.2022 - 11:14 Uhr
Foto: dpa

Die Inflationsrate im Euroraum ist zu Jahresbeginn auf einen Höchststand gestiegen. Dienstleistungen und Waren kosteten im Januar durchschnittlich 5,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistikamt Eurostat auf Basis endgültiger Daten mitteilte. Im Dezember lag die Teuerungsrate noch bei 5,0 Prozent, im November bei 4,9 Prozent. Damit ist die Inflation sehr weit über das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) hinausgeschossen, die eine Rate von 2,0 Prozent als optimalen Wert für die Wirtschaft anpeilt.

Haupttreiber der Inflation sind die stark gestiegenen Preise für Energie, die nun im Zuge der eskalierenden Ukraine-Krise weiter Auftrieb erhielten. Aber auch Dienstleistungen, Lebensmittel und diverse Industriegüter verteuerten sich zum Jahresauftakt merklich. Lebens- und Genussmittel waren 3,5 Prozent teurer als vor einem Jahr.

Ohne Energie, Lebens- und Genussmittel stieg das Preisniveau im Januar um 2,3 Prozent. In dieser Abgrenzung war der Preisauftrieb rückläufig, im Dezember hatte die sogenannte Kernrate noch 2,6 Prozent betragen. Die Kerninflation wird von vielen Ökonomen als verlässliches Maß für den Inflationstrend angesehen.

Vermögenserhalt

Schützen Immobilien wirklich vor Inflation?

Die Inflation ist so hoch wie lange nicht mehr. Immobilien gelten als guter Schutz vor Geldentwertung. Doch hilft das Betongold wirklich? Ein Faktencheck.

von Martin Gerth

Das mittelfristige Inflationsziel der EZB von zwei Prozent wird damit aktuell noch deutlicher als bisher überschritten. Die EZB steckt am 10. März wieder den geldpolitischen Kurs ab. Nach dem vom EZB-Stab entworfenen Szenario wird sich die Inflation 2022 stabilisieren und es schrittweise zu einem Rückgang der Teuerungsrate kommen. Laut EZB-Ratsmitglied Francois Villeroy de Galhau wird die Europäische Zentralbank die Auswirkungen der Krise auf Wachstum und Inflation im Blick halten.

Die EZB sieht die Inflation zwar immer noch auch durch Sonderfaktoren getrieben. Sie zeigte sich zuletzt durch die anhaltend hohe Inflationsdynamik überrascht. Die Zentralbank schließt eine Leitzinserhöhung in diesem Jahr mittlerweile nicht mehr aus. An den Finanzmärkten wird fest mit einer Zinswende in diesem Jahr gerechnet. Im März soll dann über das weitere Vorgehen beraten werden. Es wird auch über ein vorzeitiges Ende der konjunkturstützenden Anleihekäufe diskutiert.

Schneller schlau: Inflation
Wenn die Preise für Dienstleistungen und Waren allgemein steigen – und nicht nur einzelne Produktpreise – so bezeichnet man dies als Inflation. Es bedeutet, dass Verbraucher sich heute für zehn Euro weniger kaufen können. Kurz gesagt: Der Wert des Geldes sinkt mit der Zeit.
Die Inflationsrate, auch Teuerungsrate genannt, gibt Auskunft darüber, wie hoch oder niedrig die Inflation derzeit ist. Um die Inflationsrate zu bestimmen, werden sämtliche Waren und Dienstleistungen herangezogen, die von privaten Haushalten konsumiert bzw. genutzt werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) beschreibt das wie folgt: „Zur Berechnung der Inflation wird ein fiktiver Warenkorb zusammengestellt. Dieser Warenkorb enthält alle Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte während eines Jahres konsumieren bzw. in Anspruch nehmen. Jedes Produkt in diesem Warenkorb hat einen Preis. Dieser kann sich mit der Zeit ändern. Die jährliche Inflationsrate ist der Preis des gesamten Warenkorbs in einem bestimmten Monat im Vergleich zum Preis des Warenkorbs im selben Monat des Vorjahrs.“
Eine Inflationsrate von unter zwei Prozent gilt vielen Experten als „schlecht“, da sie ein Zeichen für schwaches Wirtschaftswachstum sein kann. Auch für Sparer sind diese niedrigen Zinsen ein Problem. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an.
Deutlich gestiegene Preise belasten Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie können sich für ihr Geld weniger leisten. Der Privatkonsum ist jedoch eine wichtige Stütze der Konjunktur. Sinken die Konsumausgaben, schwächelt auch die Konjunkturentwicklung.
Von Disinflation spricht man, wenn die Geschwindigkeit der Preissteigerungen abnimmt – gemeint ist also eine Verminderung der Inflation, nicht aber ein sinkendes Preis-Niveau.

Die nach einheitlichen europäischen Regeln berechnete deutsche Inflationsrate lag im Januar ebenfalls bei 5,1 Prozent. Die Preise steigen einem Top-Ökonomen zufolge in der Wahrnehmung deutscher Verbraucher allerdings deutlich stärker als offiziell gemessen. Die gefühlte Inflationsrate liege aktuell bei rund 8,5 Prozent, sagte Gunther Schnabl, Professor für Wirtschaftspolitik und Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Leipzig, der Nachrichtenagentur Reuters. „Mit dem steilen Anstieg der offiziell gemessenen Raten ist die Inflation nun in aller Munde. Sie wird daher von den Verbrauchern viel stärker wahrgenommen“, sagte Schnabl. „Dazu kommt, dass wegen der Corona-Krise anders konsumiert wird. Restaurantbesuche sind weniger geworden, es werden eher mehr Lebensmittel gekauft - und gerade die haben sich zuletzt überdurchschnittlich verteuert.“

Da Obst, Gemüse oder Brot regelmäßig gekauft werden, fallen Preiserhöhungen auch stärker auf als bei selten gekauften Waren wie Möbel, Waschmaschinen oder Computer.

Mehr zum Thema: Nur keine Panik. 2022 ist nicht 1922. Aber wer Inflationssorgen als deutsche Obsession abtut, macht es sich auch zu leicht. Stark steigende Preise zehren nicht nur unser Geld auf, sondern auch unser Weltvertrauen.

dpa, rtr
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick