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Professorenstreit Der Glaubenskrieg der Ökonomen

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Deutsche Ökonomen widersprechen

Lars Feld ist als Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung einer der

Die Mehrzahl der deutschen Ökonomen widerspricht den angelsächsischen Rezepten. Mal dezent, so wie Bundesbanker und Wirtschaftswissenschaftler es in Hintergrundgesprächen seit über einem Jahr tun. Mal unmissverständlich und lautstark, so wie in dem Aufruf von Sinn und Krämer.

"Die Bankschulden sind fast dreimal so groß wie die Staatsschulden und liegen in den fünf Krisenländern im Bereich von mehreren Billionen Euro", heißt es dort. "Die Steuerzahler, Rentner und Sparer der bislang noch soliden Länder Europas dürfen für die Absicherung dieser Schulden nicht in Haftung genommen werden, zumal riesige Verluste aus der Finanzierung der inflationären Wirtschaftsblasen der südlichen Länder absehbar sind."

"Nur Strukturreformen können Wachstumskräfte entfesseln"

Expansive Fiskalpolitik wird die Krise nicht beenden, sagt auch Lars P. Feld, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ("Die fünf Wirtschaftsweisen"), im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online. "Nur Strukturreformen können Wachstumskräfte entfesseln." Andreas Freytag, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspolitik an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena  ist der gleichen Ansicht: "Wachstum kann nur langfristig generiert werden. Wer Wachstum will, der muss die Probleme bei den Wurzeln packen."

Die Instrumente zur Euro-Rettung

Wer die Entwicklung der vergangenen Monate verfolgt, der findet durchaus Belege dafür, dass die deutsche Argumentation – mehr Kredite lösen keine Probleme – weniger abwegig ist, als amerikanische Ökonomen behaupten. So bekamen die Spanier Ende Juni 100 Milliarden Euro für ihre maroden Banken zugesagt. Trotzdem stiegen für sie die kurzfristigen Kreditzinsen: Sie mussten Anfang Juli mehr zahlen als vor dem Hilfsantrag und der Unsicherheit in Europa vor der schwierigen Griechenland-Wahl.

Offensichtlich ist auch, dass das Florida-Vorbild nicht viel taugt: Washington stützt Florida – und kann gleichzeitig die Gesetze ändern, damit zwischen Miami und Jacksonville keine neue Immobilienblase wächst. Die reichen Euro-Länder stützen die Griechen, können aber bislang die Fiskal- und Wirtschaftspolitik der Nehmerländer kaum beeinflussen. Zwar hat die Troika aus EZB, EU-Kommission und IWF gemeinsam mit der griechischen Regierung einen Reform-Fahrplan verabredet, das Memorandum. Doch seit dem Ausbruch der Krise hinkt Athen den Abmachungen hinterher. Sanktionen durch die Geberländer wurden bislang nie umgesetzt.

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