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Rohstoffradar Zucker, Mais & Co. im Steigflug

Die Preise für viele Agrarrohstoffe schießen in die Höhe. Warum die Hausse bei Mais, Baumwolle & Co. länger anhalten dürfte – und warum die Schwellenländer dabei eine zentrale Rolle spielen.

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Rohstoffradar April 2010 bis März 2011 Quelle: Commerzbank

Schuld ist El Niño. Das Wetterphänomen bescherte Indien in den vergangen Jahren zwei Dürreperioden, die beim zweitgrößten Zuckerproduzenten der Erde zu Missernten führten. 2011 könnte die Produktion der süßen Ware zwar um 30 Prozent steigen. Doch gleichzeitig gibt es in Brasilien und Australien Ernteprobleme. Der Effekt ist unklar: Wahrscheinlich geht der Zuckerpreis auf Achterbahnfahrt.

Mal wieder. Denn bei keinem anderen Rohstoff verändern sich die Preise so sprunghaft wie bei Zucker. Das zeigt der Rohstoffradar, den die Commerzbank exklusiv für die WirtschaftsWoche ermittelt (siehe Grafik). Der Indikator spiegelt die Volatilität der Preise wieder, gibt also Aufschluss darüber, wie heftig die Notierungen nach oben und unten schwanken und den Einkäufern in den Unternehmen die Kostenplanung verhageln. Neben Zucker haben in den vergangenen zwölf Monaten Baumwolle sowie die Metalle Blei, Zink und Palladium die größten Sprünge hingelegt.

Heiß begehrt

Während der Zuckerpreis 2011 sogar sinken könnte, geht der Trend für die meisten anderen Agrarrohstoffe in die andere Richtung. Seit November haben sich Mais und Weizen um mehr als 30 Prozent verteuert, Baumwolle kostet so viel wie zuletzt vor 150 Jahren. „Der Preistrend bei Agrarrohstoffen geht weiter klar nach oben. Wir müssen uns auf dauerhaft hohe Notierungen und eine wachsende Volatilität einstellen“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Gründe dafür gibt es gleich mehrere. Dazu zählen die Unwägbarkeiten des Wetters und steigende Produktionskosten, etwa für Düngemittel, Löhne und Transport. Entscheidender noch ist die steigende Nachfrage. Am Weltmarkt balgen sich Nahrungsmittelproduzenten mit Futterherstellern und Biospriterzeugern um die Rohstoffe. In den USA wird bereits ein Drittel der Maisernte zu Ethanol verarbeitet. Der steigende Maispreis verlockt viele Landwirte dazu, von Weizen auf Mais umzusteigen – was wiederum das Getreideangebot verknappt und den Preis nach oben drückt.

Preisentwicklung Agrarrohstoffe Quelle: Thomson Reuters

Hinzu kommt eine kräftig steigende Nachfrage aus aufstrebenden Schwellenländern. China etwa war bis vor wenigen Jahren noch Selbstversorger und an den Agrarmärkten kaum präsent. „Jetzt ist das Land ein zentraler Player und ein Nettoimporteur, der immer größere Mengen an Zucker, Mais, Sojabohnen oder Baumwolle im Ausland ankauft“, weiß Experte Weinberg.

Grund: Der wachsende Wohlstand verändert die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten der Chinesen. Die aufstrebende Mittelschicht kleidet sich besser und verzichtet zunehmend auf billige Synthetik – das treibt die Baumwollnachfrage in die Höhe.

Spekulationsgetriebene Preise

Das neue Lebensgefühl spiegelt sich auch in der Küche wider: Auf den Tellern landet immer mehr Fleisch. Deshalb benötigt das Land große Mengen an Getreide, Sojabohnen und Mais allein für Futtermittel. Beispiel Mais: Im vergangenen Jahr importierte China 1,6 Millionen Tonnen. 2011 erwarten Agrarexperten fast acht Millionen Tonnen. Allerdings tragen auch Spekulanten zur Volatilität am Agrarmarkt bei. Als jüngst das US-Agrarministerium die Lagerbestände für Mais nach unten revidierte, schoss der Preis in nur einer Woche um gut 15 Prozent nach oben. „Das hat mit Angebot und Nachfrage nichts zu tun, das ist vor allem spekulationsgetrieben“, glaubt Experte Weinberg.

Auch künftig dürften Rohstoffe als Anlageobjekt attraktiv bleiben: In einer Umfrage von Barclays Capital bei 100 europäischen Investoren kündigten 83 Prozent an, ihre Rohstoff-Investments in den kommenden drei Jahren beizubehalten – oder sogar auszubauen.

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