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Säkulare Stagnation Eine fatal falsche Theorie

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Nachfrage- und Angebotsseite leiden

Eine wichtige Erklärung ist aber auch das Platzen der globalen Schuldenblase im Jahr 2007.

Erstens dämpft die notwendige Bereinigung der Schuldenexzesse die Nachfrage. So hatten sich in den USA viele Hausbauer zu hoch verschuldet. Um ihre Schulden zu senken, haben sie sich in den ersten Jahren der Krise beim Konsum zurückgehalten, was das US-Wirtschaftswachstum drückte. Im Euro-Raum kommen diese Bilanzbereinigungen viel langsamer voran, weshalb sich die Wirtschaft noch schleppender erholt als in den USA.

Zweitens leidet auch die Angebotsseite unter den Nachwirkungen einer geplatzten Schuldenblase. Die Ökonomen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich haben gezeigt, dass die Produktivität als ein wichtiger Treiber des Wirtschaftswachstums nach dem Platzen von Schuldenblasen nur langsam zunimmt. Das liegt auch an dem hohen Bestand fauler Kredite in den Bankbilanzen.

Um Abschreibungen zu vermeiden, erneuern Banken häufig Kredite an hoch verschuldete Unternehmen, besonders wenn die Zinsen wegen der expansiven Geldpolitik niedrig sind. Damit halten sie unproduktive Unternehmen am Leben, während sich produktive Unternehmen wegen eines Mangels an Kredit häufig nicht gut entwickeln können. In der Summe senkt dies das Produktivitätswachstum. Davon ist vor allem der Euro-Raum betroffen. Schließlich sind in Italien 18 Prozent aller Bankkredite faul.

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    Kontraproduktive Rezepte

    Was heißt das für die Wirtschaftspolitik? Politiker und Notenbanker sollten alles tun, um die Bilanzbereinigungen bei Verbrauchern, Unternehmen und Banken voranzutreiben. Sind die Exzesse der Blasenjahre erst einmal bereinigt, erholt sich die Wirtschaft schneller. Dieser Bereinigungsprozess wird befördert, wenn die Notenbank die Politik des billigen Geldes auf die Akutphase der Krise beschränkt und der Staat mit niedrigen Haushaltsdefiziten für Vertrauen sorgt. Kontraproduktiv sind dagegen die Rezepte der Theorie der Säkularen Stagnation – das Anwerfen der Notenpresse sowie auf Pump finanzierte Konjunkturprogramme. Außerdem leisten sie dem Entstehen neuer Finanz- oder Staatsschuldenkrisen Vorschub.

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