Schuldenkrise Notenbanken im Goldrausch

Europas Schuldenkrise sorgt für einen deutlichen Anstieg der Goldnachfrage. Notenbanken stocken ihre Bestände auf - und kaufen so viel Gold wie zuletzt vor 40 Jahren. Aber welche Staaten stecken dahinter?

Goldbarren Quelle: REUTERS

Der World Gold Council (WGC), die Lobby-Vereinigung der Goldindustrie, hat seinen vierteljährlichen Report mit vielen Daten zur Entwicklung der weltweiten Goldnachfrage vorgelegt. Die größte Überraschung: Die Zentralbanken der Staaten haben ihre Goldankäufe nochmals ausgedehnt.

Im dritten Quartal 2011 erreichte die Käufe ein Volumen von 148,4 Tonnen Gold. Nach Informationen der "Financial Times" ist dies weit mehr, als von den Staaten zuvor angekündigt worden war und die höchste Nachfrage nach Gold von staatlicher Seite seit den 70er Jahren – und ganz sicher die höchste seit der Erhebung von vierteljährlichen Daten durch den WGC seit 2002.

Goldschätze der Staaten
Alle Länder gemeinsam halten Goldreserven im Volumen von 881,1 Millionen Unzen, oder umgerechnet 27.405,1 Tonnen. Auf der Basis eines Goldpreises von 1600 Dollar je Feinunze entspricht das einem Gegenwert von knapp 1410 Milliarden Dollar. Damit haben die Goldreserven an den weltweiten Währungsreserven von 11714 Milliarden Dollar einen Anteil von durchschnittlich 12 Prozent. Aber die Goldbestände in den Staatstresoren sind ungleich in der Welt verteilt. Auch internationale Institutionen halten Gold, der Internationale Währungsfonds IWF allein im Wert von knapp 145 Milliarden Dollar, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) im Wert von 6,1 Milliarden Dollar. Welche Staaten darüber hinaus die größten Währungsreserven halten und wie viel davon durch Gold gedeckt ist. Berechnungen auf Basis eines Goldpreises von 1600 Dollar je Feinunze Quellen: Bloomberg, World Gold Council, eigene Berechnungen Stand: 6. Oktober 2011 Quelle: dpa
AlgerienDer nordafrikanische Staat hütet einen Goldschatz von 5,6 Millionen Unzen, das sind 173,6 Tonnen Gold zu einem Marktwert von 8,9 Milliarden Dollar. An den gesamten Währungsreserven Algerien hat der Goldbestand einen Anteil von 4,9 Prozent. Im Bild: die republikanische Garde in Algerien. Quelle: AP
ThailandThailand verfügt über Goldbestände von 4,1 Millionen Feinunzen, bzw. 127,5 Tonnen, die einen Wert von 6,6 Milliarden Dollar haben. Hinzu kommen Währungsreserven im Volumen von 178,1 Milliarden Dollar. Damit hat Gold einen Anteil an den Reserven Thailands von 3,6 Prozent. Im Bild: Ein Mönch steht gegenüber von goldenen Buddhas im Dhammakaya Tempel bei der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Quelle: REUTERS
LibyenDas Land in Nordafrika verfügt über eine Goldreserve von 4,6 Millionen Feinunzen, bzw. 143,8 Tonnen. Der Gesamtwert der Reserven liegt bei 7,6 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Anteil an den Währungsreserven von 6,9 Prozent. Im Bild: Demonstranten auf dem Platz der Freiheit in Misrata. Quelle: dpa
Saudi-ArabienDas größte Erdölförderland der Welt hält Goldreserven in Höhe von 10,4 Millionen Feinunzen. Das entspricht einem Gewicht von 322,9 Tonnen und einem Wert von 16,6 Milliarden Dollar. Der Anteil an den Währungsreserven des Goldes liegt bei 3,2 Prozent. Im Bild: Die Pilgerstadt Mekka empfängt im Hadj-Pilgermonat Pilgerer aus der ganzen Welt. Quelle: dpa/dpaweb
Taiwan Der chinesische Inselstaat verfügt über Goldreserven in Höhe von 13,6 Millionen Feinunzen, was einem Goldgewicht von 423,6 Tonnen entspricht. Taiwan hält damit Reserven im Wert von 21,8 Milliarden Dollar – etwa 5,3 Prozent der gesamten Währungsreserven. Im Bild: Das Hochhaus Taipei 101 in der Hauptstadt von Taiwan. Quelle: AP
IndienDer Subkontinent verfügt über 17,9 Millionen Unzen. Das sind 557,7 Tonnen. Der Wert dieser Reserven, die etwa 9,4 Prozent der gesamten Währungsreserven entsprechen, liegt bei 305,1 Milliarden Dollar. Im Bild: der Goldene Tempel der Sikhs in Amritsar, Indien. Quelle: dpa

Welche Staaten beziehungsweise Notenbanken hinter den massiven Käufen stecken, verriet der WGC natürlich nicht – und beruft sich auf Vertraulichkeitsklauseln. Gegenüber der Financial Times sagte Marcus Grubb, Investmentchef des WGC, lediglich, dass „eine Menge neuer Teilnehmer am Markt auftauchten“.

Sorgen um Ersparnisse

Da Notenbanken in der Regel langfristig investieren und dabei weniger die Rendite im Auge haben, als vielmehr die Absicherung ihrer Währungsreserven, gehen Marktbeobachter davon aus, dass vor allem Staaten wie Brasilien, Russland und vor allem China darum bemüht sind, den Goldanteil an ihren Währungsreserven aufzustocken.

Chinas Dollarreserven bewegen sich in der Größenordnung von drei Billionen US-Dollar. Offenbar machen sich auch die chinesischen Privathaushalte zunehmend Sorgen um ihre Ersparnisse. Die Nachfrage der Chinesen nach Goldschmuck hat sich im dritten Quartal nochmals um 13 Prozent erhöht – und lag damit erstmals über dem Goldkonsum der Inder.

In Indien hingegen ging die Nachfrage nach Goldschmuck um mehr als ein Viertel zurück.

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