Schwacher Ausblick OECD senkt Wachstumsprognosen für Deutschland und die Euro-Zone

Die flaue Konjunktur in den Euro-Krisenländern geht auch an Deutschland nicht spurlos vorbei. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa (OECD) hat ihre Wachstumsprognose für Deutschland und die gesamte Eurozone deutlich nach unten gesenkt.

Containerterminal im Hamburger Hafen (2007) Quelle: dpa

Die deutsche Wirtschaftsleistung werde im kommenden Jahr nur noch um 1,1 Prozent wachsen, heißt es in dem Konjunkturausblick für 2015 von der Industriestaaten-Organisation OECD. Noch im Mai war die Industriestaaten-Organisation für Deutschland von einem Plus von 2,1 Prozent im Jahr 2015 ausgegangen. Noch schlechter sind die Aussichten für das zweite große Kernland der Eurozone. Die Wirtschaft in Frankreich werde in diesem Jahr nur um 0,4 Prozent zulegen. Auch 2015 wird die Null vor dem Komma stehen. Die OECD rechnet für Frankreich nur mit einem Wachstum von 0,8 Prozent für 2015.

Auch für das laufende Jahr senkte die OECD ihre Konjunkturprognose für Deutschland von 1,9 auf 1,5 Prozent. Die flaue Konjunktur und die Kreditengpässe in den Krisenländern des Euroraumes wirkten sich negativ auf die Nachfrage nach deutschen Industriegütern aus. Außerdem habe die Importnachfrage aus China nachgelassen, und die Exporte nach Russland seien sogar „drastisch“ gesunken.

Für den Euroraum rechnet die OECD nur noch mit einem Wachstum von 0,8 Prozent in 2014. Für 2015 senkte sie die Aussichten für die wirtschaftliche Entwicklung in den Euroländern von 1,7 auf nur noch 1,1 Prozent.

Deutschland verliert an Attraktivität
Deutschland gehört nach Einschätzung der Weltbank weiterhin zu den besten Standorten für Privatunternehmer, hat es aber auch dieses Jahr nicht unter die ersten zehn Länder der Welt geschafft. Im neuen Geschäftsklima-Bericht „Doing Business 2015“, der im Oktober veröffentlicht wurde, fiel die Bundesrepublik (im Bild: die Hamburger Landungsbrücken) einen Platz von Rang 13 auf 14 zurück. Quelle: dpa
Singapur konnte seine Spitzenposition als bester Standort für Privatunternehmer halten. In dem Stadt-Staat brauchen Unternehmer laut Index beispielsweise nur zweieinhalb Tage für eine Firmengründung. Quelle: dpa
Ganz am Ende der Tabelle der attraktivsten Standorte für Privatunternehmer rangieren Eritrea, Libyen und die Zentralafrikanische Republik. In Eritrea (Foto) brauchen Unternehmer laut Index durchschnittlich 84 Tage für eine Firmengründung. Quelle: REUTERS
Neben Singapur kürte die Weltbank erneut Neuseeland (im Bild die Skyline von Auckland) und Hongkong zu jenen Standorten, an denen Firmen am meisten Unterstützung bekommen und am wenigsten vom Staat behindert werden. Quelle: Reuters
Nach heftiger Kritik vor allem aus China (im Bild die Proteste in Hongkong) hatte die Weltbank ihre Ranking-Methoden zwar modifiziert, die Ergebnisse dürften aber auch diesmal wieder für Unmut bei einigen Regierungen führen. Quelle: dpa
Die Top Ten der besten Standorte für Privatunternehmer wird komplettiert von Dänemark, Südkorea, Norwegen, den USA, Großbritannien, Finnland und Australien mit seiner Metropole Sydney (Foto). Quelle: dpa
China als landete in der Länderwertung als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nur auf Platz 90 von 189 Ländern und Regionen. Damit verbesserte sich das Land um drei Positionen. Quelle: AP
Die aufstrebenden Schwellenländer Brasilien (von 123 auf 120, im Bild: Rio de Janeiro) und Indien (von 140 auf 142) blieben noch weit hinten. Quelle: AP
Selbst Krisenstaaten mit schwierigen Investitionsbedingungen wie Griechenland und Russland schnitten besser ab. Quelle: dpa
Bewertet wurden für das Ranking unter anderem die Bedingungen für Unternehmensgründer und Kreditvergaben, wie problemlos Firmen Export- und Importgenehmigungen erhalten oder wie schnell sie Strom bekommen. Quelle: dpa

Erfreulicher Lichtblick im Konjunkturbericht der OECD sind die USA. Die US-Wirtschaft wachse in diesem Jahr um 2,2 Prozent und in 2015 sogar um 3,1 Prozent, so die Prognose der Organisation. Für die Weltwirtschaft prognostiziert die OECD ein Wachstum in 2014 von 3,3 Prozent und im nächsten Jahr von 3,7 Prozent aus.

Als Schwachpunkt der Weltwirtschaft bezeichnete OECD-Experte Christian Kastrop die Eurozone. Die Euroländer seien weiterhin von einer „sehr, sehr schwachen Entwicklung geprägt.“

Bundesregierung soll investieren

Deutschland müsse mehr investieren, mahnt die OECD an. Regulierungen im Dienstleistungssektor müssten in Deutschland abgebaut werden, außerdem forderten die Experten die Bundesregierung auf, mehr in die Bildung und in die Verkehrsinfrastruktur zu investieren. „In den Kernländern der Eurozone gebe es bei den Strukturreformen deutlich mehr zu tun“, sagte OECD-Mann Kastrop in Paris. Höhere Ausgaben in diesen Bereichen würden das  Wachstum auf kurze Sicht ankurbeln und - über eine Zunahme der Importe – auch für positive Effekte auf den Euro-Raum sorgen."

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EU-Kommission will ein 300-Milliarden-Euro-Programm

Mehr Investitionen und Strukturreformen in bestimmten Bereichen forderte zuvor bereits der Internationale Währungsfonds (IWF). Die Bundesregierung steht in der Kritik zu stark auf den Etatausgleich zu setzen und zu wenig zu investieren, um die Wirtschaft anzukurbeln. Nach dem Entwurf für den Bundeshaushalt von 2015 und dem Finanzplan von 2018 soll der Bund im kommenden Jahr erstmals seit 1969 auf neue Schulden verzichten. Auch in den Folgenjahren soll keine neuen Schulden aufgenommen werden. Allerdings hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble Anfang November ein Investitionsprogramm in Höhe von zehn Milliarden Euro angekündigt. Neue Schulden müssten dafür nicht gemacht werden.

Auch die EU-Kommission will mit Hilfe eines 300-Milliarden-Euro-Investitonsprogramm die Konjunktur im Euroraum ankurbeln. Die Kommission will das von EU-Präsident Jean-Claude Juncker angekündigte Investitionsprogramm heute beschließen. Geplant ist ein Fonds, der von der Europäischen Investitionsbank (EIB) verwaltet werden soll. Gefördert werden sollen Projekte von privaten Investoren in den Bereichen Infrastruktur, Forschung und Entwicklung.

Bekämpfen will die Kommission vor allem die hohe Arbeitslosigkeit in den südlichen Euroländern. In Spanien liegt die Arbeitslosenquote bei 24 Prozent, in Griechenland bei 26 Prozent. Deutschland hat mit fünf Prozent die niedrigste Erwerbslosenrate in Europa.

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