WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Schwaches zweites Quartal Deutsche Wirtschaft knickt ein

Europa stagniert - und auch die deutsche Wirtschaft muss im Frühjahr erstmals seit gut einem Jahr schlechte Nachrichten verkraften. Von einer drohenden Rezession in Deutschland zu sprechen, ist allerdings Panikmache.

Die deutsche Wirtschaft muss einen Rückgang verkraften. Quelle: dpa

Die deutsche Wirtschaft ist im Frühjahr erstmals seit gut einem Jahr geschrumpft. Wegen des schwächelnden Außenhandels und sinkender Investitionen fiel das Bruttoinlandsprodukt zwischen April und Juni um 0,2 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Überraschend kam dieser Einbruch nicht. Im ersten Quartal 2014 war die Wirtschaft noch um 0,7 Prozent gewachsen und hatte vor allem am Bau vom milden Winter profitiert. Die sonst übliche Frühjahrsbelebung im zweiten Quartal fiel damit mehr oder weniger aus. Das Ergebnis: Das zweite Quartal verlor leicht.

Neben den Verzerrungen durch den milden Winter sorgten die zahlreichen Krisenherde rund um den Globus für Verunsicherung, insbesondere der Russland-Ukraine-Konflikt und die Entwicklung im Nahen Osten. Dem konnte sich die Exportnation Deutschland nicht völlig entziehen. Die Exporte stiegen nach Angaben des Bundesamtes im Vorquartalsvergleich weniger stark als die Importe, daher wirkte sich der wichtige Außenbeitrag negativ auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung aus. "Daneben gingen die Investitionen insbesondere in Bauten deutlich zurück", erklärte das Statistische Bundesamt. Die privaten Verbraucher und die öffentlichen Haushalte hätten hingegen ihren Konsum jeweils etwas gesteigert.

Die zehn wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

Europas größte Volkswirtschaft war zuletzt Wachstumsmotor der Währungsunion. Damit ist es vorerst vorbei. Das hat auch Auswirkungen auf die Wirtschaftsdaten der Euro-Zone. Die 18 Volkswirtschaften stagnierten im Frühjahr überraschend. Vor allem eine Flaute in den drei größten Volkswirtschaften sorgte dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt im Währungsraum zwischen April und Juni auf dem Niveau des Vorquartals verharrte, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte. Neben Deutschland schrumpfte auch die Wirtschaft in Italien (-0,2 Prozent). Frankreich stagnierte. Anfang des Jahres hatten die 18 Länder der Währungsunion noch um 0,2 Prozent zugelegt. Danach machte sich allerdings Unsicherheit über die Folgen der Ukraine-Krise breit und der gesamte Aufschwung fiel schwächer aus als erwartet. Für Lichtblicke sorgten nun Spanien und Portugal mit einem Wachstum von jeweils 0,6 Prozent sowie die Niederlande mit plus 0,5 Prozent. In Österreich ging es um 0,2 Prozent bergauf.

Bei allen Sorgen um die deutsche Konjunktur wäre es allerdings falsch nun von einer drohenden Rezession zu sprechen. Die positiven Aspekte des konjunkturellen Geschehens überwiegen deutlich. Erstens wird die Binnenwirtschaft von einem ansehnlichen Konsumzuwachs getragen, zweitens ist der Dienstleistungssektor sehr stabil, und drittens gab der ifo-Indikator im Vergleich zu früheren Vergleichsperioden nur moderat nach. Derzeit gibt es keinerlei Anzeichen, dass auch das dritte Quartal schwach laufen wird. Im Gegenteil: Volkswirte gehen davon aus, dass Deutschland um 0,6 bis 1 Prozent wachsen wird. Auf Jahressicht dürfte Deutschland nicht mehr - wie zu Jahresbeginn erhofft - um rund zwei Prozent wachsen, wohl aber um rund 1,5 bis 1,7 Prozent. "Es gibt keine Ähnlichkeit zum Katastrophenjahr 2008", beruhigt auch ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Jörg Krämer von der Commerzbank sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich sehe keine Rezessionsgefahr. Der Leitzins ist viel zu niedrig für Deutschland, das entfacht das Wachstum. Das ist nur eine Delle. Wir haben unsere Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr bereits zuvor von 2,0 auf 1,7 Prozent heruntergenommen. Um ein solches Wachstum beneiden uns die meisten Länder in der Euro-Zone." Recht hat er. (mit Material von dpa)

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%