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Städteranking 2011 Ausgerechnet Kassel!

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Der Osten holt auf

Kassel siegt im Dynamikranking, München im Niveau-Ranking. Quelle: dpa

Heraus kommt die umfassendste Vergleichsuntersuchung ihrer Art hierzulande. Es ist ein Konvolut von Daten, anhand derer sich Zusammenhänge zwischen Armut und Kriminalität, Verwaltungseffizienz und Unternehmensansiedlungen oder Arbeitsmarkt und Abwanderung nachvollziehen lassen. Den Kern bilden zwei Tabellen, die Antwort geben auf die Kardinalfragen der regionalen Wirtschaftsentwicklung: „Wo im Land geht es den Menschen am besten?“ und „Wo wächst Deutschland am dynamischsten?“

Die kurze Antwort: München und Kassel. Die lange: Die Geografie der deutschen Wirtschaftsentwicklung kennt einige Konstanten und ein paar langsame, aber wohl unaufhaltsame Verschiebungen. Der Osten holt auf; wo es Universitäten und gute Verkehrsanbindung gibt, entsteht Wachstum; im Ruhrgebiet gibt es zu viele Städte, die sich bei ihrer Entwicklung gegenseitig behindern.

Wie in den Vorjahren landet im Niveauranking München ganz vorne. Erstaunlich an diesem Ergebnis ist vor allem der Abstand zum ersten Verfolger Stuttgart. Grund dafür ist vor allem das einzigartige Wohlstandsniveau: Bei der Kombination aus Kaufkraft, pro Kopf gezahlter Einkommensteuer und dem verfügbaren Einkommen liegt der Wert Münchens (19,9) um ganze 17 Prozent über dem des zweitplatzierten Düsseldorf, die relativen Distanzen zwischen den weiteren Städten liegen allesamt unter fünf Prozent. Hinzu kommt ein großer Vorsprung bei der Arbeitslosigkeit, der die Position Münchens für die nächsten Jahre zementieren dürfte.

Die Ökonomen von IW-Consult erklären sich das vor allem mit der abwechselungsreichen und robusten Struktur des Arbeitsmarkts. „Die Entwicklung Münchens hängt kaum von einzelnen Branchen ab“, so IW-Mann Michael Bahrke, „sondern basiert vor allem auf der hohen Qualifikation der hier ansässigen Fachkräfte“.

Die besten Städte für Unternehmen
Rang 10, Düsseldorf: Die Arbeitskosten sind in der Rheinmetropole überdurchschnittlich hoch (40.149 Euro, Rang 42), doch gleichzeitig punktet Düsseldorf mit der höchsten Produktivität Deutschlands. Jeder erwerbstätige Düsseldorfer erwirtschaftet ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Höhe von 89.412 Euro. Die Arbeitgeber vor Ort bescheinigen zudem auch der Stadt ein gutes Wirtschaften. 52,5 Prozent der Unternehmen finden, dass die Stadtverwaltung sparsam und wirtschaftlich arbeitet (Rang 4). Daraus folgt: Düsseldorf ist die zehntbeste Stadt für Unternehmen. Quelle: dpa
Rang 9, Oldenburg: Die „Stadt der Wissenschaft 2009“ belegt in keiner Kategorie einen Spitzenplatz, liegt aber in den meisten Punkten über dem Durchschnitt. So ist die Mehrheit der Unternehmen mit der Kostenbelastung in Oldenburg zufrieden (52,0 Prozent, Rang 13); die Sparsamkeit der Stadtverwaltung wird von 44,3 Prozent der Arbeitgeber gelobt (Rang 8). Quelle: PR Stadt Oldenburg (Oldb)
Rang 8, Freiburg: Der Gewerbesteuerhebesatz liegt in Freiburg bei 400 Prozent. Das ist der zweitniedrigste Wert im Bundesvergleich. 61,3 Prozent der Unternehmen sind zudem mit dem wirtschaftlichen Handeln und der Sparsamkeit der Stadtverwaltung zufrieden, ebenfalls Rang 2 im Städteranking 2011. Da die Produktivität aber unterdurchschnittlich ist, landet Freiburg im Unternehmens-Ranking nur auf Rang 8. Quelle: APN
Rang 7, Magdeburg: Die Hauptstadt Sachsen-Anhalts punktet mit den niedrigsten Arbeitskosten unter den deutschen Großstädten. Für Lohn- und Gehaltskosten, Lohnnebenkosten und Sozialleistungen zahlen die Unternehmen in Magdeburg durchschnittlich 29.021 Euro je Beschäftigtem. Zudem wird der Stadtverwaltung ein positives Zeugnis ausgestellt: 41,8 Prozent der Arbeitgeber sind mit deren Wirtschaftskompetenz zufrieden (Rang 13). Insgesamt landet Magdeburg damit auf Rang 7. Quelle: dpa
Rang 6, Hamm: Die Ruhrgebietsstadt galt einst als Hochburg des Bergbaus. Heute ist Hamm vor allem als Logistikstandort populär. Die Autobahnen 1 und 2 sowie drei internationale Flughäfen liegen schließlich in unmittelbarer Umgebung. Die Kostenbelastung für Unternehmen in Hamm ist überdurchschnittlich gering. 54,1 Prozent der Arbeitgeber halten die Kosten für Ver- und Entsorgung sowie die Grund- und Gewerbesteuer für zufriedenstellend, Rang 6. Auch die durchschnittlichen Arbeitskosten sind mit 33.346 Euro je Arbeitnehmer vergleichsweise gering (Rang 9). Quelle: dapd
Rang 5, Chemnitz: Die drittgrößte Stadt Sachsens ist die in Mitteldeutschland am stärksten industrialisierte Region. Neben den Kernbranchen Automobilindustrie und Maschinenbau sorgen zahlreiche Zulieferungsbetriebe in der Umgebung für Jobs. Die Arbeitskosten für Unternehmen sind sehr gering (29.458 Euro je Arbeitnehmer, Rang 2). Die Mehrheit der Arbeitgeber lobt zudem die Kostendisziplin der Stadtverwaltung (50,6 Prozent, Rang 6). Quelle: dpa
Rang 4, Osnabrück: Die Arbeitgeber in Osnabrück loben die Kostenbelastung für Unternehmen vor Ort. 61,5 Prozent der Arbeitgeber halten die Kosten für Ver- und Entsorgung sowie die Grund- und Gewerbesteuer für zufriedenstellend, Rang 2. Die Arbeitskosten liegen im oberen Mittelfeld (34.053 Euro je Beschäftigter, Rang 14), ebenso die Zustimmung der Unternehmen zu der Arbeitsweise der Stadtverwaltung (Anteil der Positivantworten: 41,6 Prozent, Rang 14). Quelle: PR Stadt Osnabrück

Großstadt als letzter Ausweg
Vor allem aber ist die Stadt das Zentrum des wirtschaftlich erfolgreichsten Bundeslandes. In Bayern naht die Vollbeschäftigung, einige Mittelstädte wie Eichstätt oder Erding haben sie bereits erreicht. Dadurch fehlt München der Druck durch das, was Ökonomen die „letzte Wanderungsoption“ nennen. Denn Großstädte müssen oft schlucken, was auf dem Land schief geht. Sind dort die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erschöpft, ist der Gang in die Großstadt das letzte Mittel. Dort stranden dann all jene, deren Qualifikationen nicht für den Arbeitsmarkt genügen. „Im Gegensatz zu anderen Städten haben die Verantwortlichen hier früh begriffen, dass sie durch Zusammenarbeit mehr erreichen können“, sagt IW-Experte Bahrke. Ob das Zentrum der Biotechnologie in Martinsried oder der Business Park am Flughafengelände bei Freising – rund um München gibt es eine Reihe von kleineren Orten, die dafür sorgen, dass sich die finanziellen Profite des Münchener Humankapitals nicht auf das Stadtgebiet selbst beschränken.

Dabei profitiert München von dem, was in Bayern in den Jahrzehnten unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg passierte. Während die Industriezentren im Westen sich darauf beschränkten, auf die billige Verfügbarkeit von Kohle zu vertrauen und die Schwerindustrie zu stützen, sah sich Bayern mit einem doppelten Problem konfrontiert. Zum einen traf die Flüchtlingswelle der Vertriebenen fast ausschließlich Bayern, zum anderen war das Land so gering industrialisiert wie kein anderes.

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