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Städtetest-Exklusivumfrage 2014 Braunschweig punktet bei Managern

Die Unternehmen bewerten die Wirtschaftsfreundlichkeit ihrer Stadtverwaltungen besser als früher – und küren die Niedersachsen zum Sieger.

Die besten Städte Deutschlands 2014
Altstadt von Ulm Quelle: dpa
Werbeschild "Karlsruhe" Quelle: dpa
Freiburg Quelle: dpa
Frankfurt am Main Quelle: dpa
Regensburg Quelle: dpa
Straßenbahnen in Stuttgart Quelle: dpa
Wolfsburg Quelle: dpa

Die Homepage der Stadt Braunschweig vermittelt nicht sofort den Eindruck, man habe es bei der ehemaligen Residenz Heinrichs des Löwen mit einem ökonomischen Hotspot zu tun. Wer die Seite vergangene Woche anklickte, sah Oberbürgermeister Ulrich Markurth (SPD) mit einem Lebkuchenherz um den Hals, der in einem Video den Besuch des örtlichen Weihnachtsmarktes empfahl. Darunter fanden interessierte Leser die Meldung, die Tiefgarage Eiermarkt habe wieder komplett geöffnet.

Doch der betuliche Web-Auftritt täuscht. Braunschweig zählt derzeit zu den zehn dynamischsten Städten des Landes, ergab der große Städtetest von WirtschaftsWoche, Immobilienscout24 und IW Consult Köln (WirtschaftsWoche 49/2014). Mehr noch: In keiner anderen Stadt sind die Unternehmen so zufrieden mit Politikern und Verwaltung, zeigt jetzt eine Umfrage der Kölner Forscher. IW Consult befragte knapp 3600 Unternehmen in Deutschland, ob sie ihre Kommune als wirtschaftsfreundlich einstufen. Aus den Antworten entstand ein Ranking für alle kreisfreien Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern.

Bernd Meier, Hauptgeschäftsführer der IHK Braunschweig, kann das Ergebnis gut nachvollziehen. Ein großer Vorteil in Braunschweig sei „die hervorragende Organisation der Wirtschaftsförderung“. Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Gerold Leppa, ist zugleich Wirtschaftsdezernent der Stadt und hat so direkten Zugriff auf die Verwaltung.

In der Vergangenheit habe zudem der Oberbürgermeister wichtige Ansiedlungsprojekte zur Chefsache erklärt und der Verwaltung Dampf gemacht, Planungen zügig abzuschließen, berichtet Meier. Zu beobachten war dies etwa beim Shoppingcenter Schlossarkaden und der Verlängerung der Start- und Landebahn des örtlichen Forschungsflughafens. Meier: „Da standen Wirtschaftsförderung und OB an der Spitze der Bewegung.“

PlatzStadtPositivantworten in Prozent
1Braunschweig96,3
2Oldenburg94,5
3Regensburg94,4
4Ingolstadt94,3
5Wolfsburg94,2
5Karlsruhe94,2
7Ulm92,6
8Osnabrück92,2
9Frankfurt am Main91,8
10Erlangen90,2
11Stuttgart88,7
11München88,7
13Hamburg87,0
14Münster86,5
15Wiesbaden85,4
16Dresden84,3
17Hamm83,7
17Mainz83,7
19Augsburg83,0
20Mannheim82,7
...
65Gelsenkirchen55,1
66Wuppertal53,8
67Oberhausen49,0
68Hagen48,1
69Herne44,2
Mittelwert75,0
Quelle: IW-Consult-Unternehmerumfrage 2014

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Auffallend ist, dass sich im Ranking der wirtschaftsfreundlichsten Kommunen nur eine einzige Großstadt mit mehr als 300 000 Einwohnern unter den ersten zehn befindet – Frankfurt auf Rang neun. Dafür schafften es neben Braunschweig auch Oldenburg und Regensburg aufs Treppchen, gefolgt von Ingolstadt.

Für Martin Gornig, Honorarprofessor für Stadt- und Regionalökonomie an der TU Berlin, ist dies keine Überraschung. Kleine und mittlere Städte hätten gegenüber den Metropolen Vorteile in der Wirtschaftsförderung, sagt der Kommunalexperte. „Dort sind die Wege kürzer. Es gibt nicht so viele Entscheidungsträger, die mitreden wollen. Dadurch lassen sich Dinge schnell umsetzen, die anderswo ewig dauern würden.“

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Doch dieses Rezept funktioniert nicht überall, vor allem nicht im Ruhrgebiet, das in puncto Wirtschaftskraft weiter zurückfällt. Mit Oberhausen, Hagen und Herne liegen drei mittelgroße Städte aus der westdeutschen Problemregion am Ende der Tabelle – obwohl sie mehr wirtschaftliche Dynamik besonders nötig hätten.

Im Durchschnitt aller Städte fällt das Urteil der Unternehmer gleichwohl gar nicht so schlecht aus. Insgesamt gaben 75 Prozent der Unternehmen ihrer Stadtverwaltung eine gute Note – bei einer ähnlichen Umfrage vor zwei Jahren waren es nur 62 Prozent.

Wie sich eine wirtschaftsfreundliche Politik auszahlt – auch das zeigt das Beispiel Braunschweig. Die 247 000-Einwohner-Stadt im Südosten Niedersachsens verzeichnet derzeit „eine Vielzahl von Investitionen von Wirtschaft und Wissenschaft“, berichtet Wirtschaftsdezernent Leppa.

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