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Standorte Wo es Unternehmen gut und billig haben

Um auf den Pfad der Prosperität zurückfinden, ist die Attraktivität als Produktionsstandort entscheidend, wie Ludwigshafen es vormacht.

Nachtaufnahme Ludwigshafen BASF Gelände Quelle: AP

Gelsenkirchen, Ludwigshafen, Osnabrück, Chemnitz: Die Städte, denen IW-Consult die größte Attraktivität als Unternehmensstandort attestiert, sind nicht gerade die üblichen Kandidaten für Lobhudeleien. Dennoch machen sie eine entscheidende Sache richtig: „Hier finden Unternehmen optimale Bedingungen zur Ansiedlung von Produktionsstätten, das ist gerade für Städte mit Problemen extrem wichtig“, sagt IW-Experte Michael Bahrke. Wo die Wirtschaft selbst nicht stark genug ist und es keine eigenständige unternehmerische Dynamik gibt, besteht darin fast die einzige Hoffnung, den Arbeitsmarkt in Schwung zu bringen. „Wenn eine Stadt erst mal einen Ruf wie München hat, spielt die Gewerbesteuer kaum noch eine Rolle“, so Bahrke, „für Gelsenkirchen hingegen kann sie die entscheidende Stellschraube sein.“

Das Ranking, das in den Worten der Forscher „Kostenattraktivität“ heißt, umfasst Standortfaktoren, die sich direkt in der Bilanz eines Unternehmens niederschlagen. Dazu zählen neben Kosten für behördliche Leistungen Gewerbemieten, die Produktivität der Arbeitskräfte am Standort und die Höhe der Gewerbesteuer.

Die besten Städte für Unternehmen
Rang 10, Düsseldorf: Die Arbeitskosten sind in der Rheinmetropole überdurchschnittlich hoch (40.149 Euro, Rang 42), doch gleichzeitig punktet Düsseldorf mit der höchsten Produktivität Deutschlands. Jeder erwerbstätige Düsseldorfer erwirtschaftet ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Höhe von 89.412 Euro. Die Arbeitgeber vor Ort bescheinigen zudem auch der Stadt ein gutes Wirtschaften. 52,5 Prozent der Unternehmen finden, dass die Stadtverwaltung sparsam und wirtschaftlich arbeitet (Rang 4). Daraus folgt: Düsseldorf ist die zehntbeste Stadt für Unternehmen. Quelle: dpa
Rang 9, Oldenburg: Die „Stadt der Wissenschaft 2009“ belegt in keiner Kategorie einen Spitzenplatz, liegt aber in den meisten Punkten über dem Durchschnitt. So ist die Mehrheit der Unternehmen mit der Kostenbelastung in Oldenburg zufrieden (52,0 Prozent, Rang 13); die Sparsamkeit der Stadtverwaltung wird von 44,3 Prozent der Arbeitgeber gelobt (Rang 8). Quelle: PR Stadt Oldenburg (Oldb)
Rang 8, Freiburg: Der Gewerbesteuerhebesatz liegt in Freiburg bei 400 Prozent. Das ist der zweitniedrigste Wert im Bundesvergleich. 61,3 Prozent der Unternehmen sind zudem mit dem wirtschaftlichen Handeln und der Sparsamkeit der Stadtverwaltung zufrieden, ebenfalls Rang 2 im Städteranking 2011. Da die Produktivität aber unterdurchschnittlich ist, landet Freiburg im Unternehmens-Ranking nur auf Rang 8. Quelle: APN
Rang 7, Magdeburg: Die Hauptstadt Sachsen-Anhalts punktet mit den niedrigsten Arbeitskosten unter den deutschen Großstädten. Für Lohn- und Gehaltskosten, Lohnnebenkosten und Sozialleistungen zahlen die Unternehmen in Magdeburg durchschnittlich 29.021 Euro je Beschäftigtem. Zudem wird der Stadtverwaltung ein positives Zeugnis ausgestellt: 41,8 Prozent der Arbeitgeber sind mit deren Wirtschaftskompetenz zufrieden (Rang 13). Insgesamt landet Magdeburg damit auf Rang 7. Quelle: dpa
Rang 6, Hamm: Die Ruhrgebietsstadt galt einst als Hochburg des Bergbaus. Heute ist Hamm vor allem als Logistikstandort populär. Die Autobahnen 1 und 2 sowie drei internationale Flughäfen liegen schließlich in unmittelbarer Umgebung. Die Kostenbelastung für Unternehmen in Hamm ist überdurchschnittlich gering. 54,1 Prozent der Arbeitgeber halten die Kosten für Ver- und Entsorgung sowie die Grund- und Gewerbesteuer für zufriedenstellend, Rang 6. Auch die durchschnittlichen Arbeitskosten sind mit 33.346 Euro je Arbeitnehmer vergleichsweise gering (Rang 9). Quelle: dapd
Rang 5, Chemnitz: Die drittgrößte Stadt Sachsens ist die in Mitteldeutschland am stärksten industrialisierte Region. Neben den Kernbranchen Automobilindustrie und Maschinenbau sorgen zahlreiche Zulieferungsbetriebe in der Umgebung für Jobs. Die Arbeitskosten für Unternehmen sind sehr gering (29.458 Euro je Arbeitnehmer, Rang 2). Die Mehrheit der Arbeitgeber lobt zudem die Kostendisziplin der Stadtverwaltung (50,6 Prozent, Rang 6). Quelle: dpa
Rang 4, Osnabrück: Die Arbeitgeber in Osnabrück loben die Kostenbelastung für Unternehmen vor Ort. 61,5 Prozent der Arbeitgeber halten die Kosten für Ver- und Entsorgung sowie die Grund- und Gewerbesteuer für zufriedenstellend, Rang 2. Die Arbeitskosten liegen im oberen Mittelfeld (34.053 Euro je Beschäftigter, Rang 14), ebenso die Zustimmung der Unternehmen zu der Arbeitsweise der Stadtverwaltung (Anteil der Positivantworten: 41,6 Prozent, Rang 14). Quelle: PR Stadt Osnabrück

Besonders interessant ist der Vergleich von Kommunen in ähnlichen Ausgangslagen. Beispiel Gelsenkirchen: Die Stadt im nördlichen Ruhrgebiet, wo der unbewältigte Strukturwandel die größten Verwerfungen hinterlassen hat, belegt in der Niveauwertung den letzten Platz. Im Gegensatz zu den unmittelbar davor platzierten Nachbarorten Herne und Duisburg attestieren die Wissenschaftler der Stadt jedoch Erfolg versprechende Bemühungen auf dem Weg aus dem Tal.

Halber Lohn

Die ansässigen Unternehmen beurteilen die Kosten für behördliche Leistungen mehrheitlich (56,3 Prozent) als angemessen, das ist der viertbeste Wert aller Kommunen. Duisburg und Herne landen mit Werten von unter 40 Prozent auch hier auf den hinteren Rängen. Ähnlich das Bild bei der Produktivität, die von den Forschern als BIP pro Erwerbstätigen gemessen wird. Hier liegt Gelsenkirchen zwar weit hinter den Spitzenreitern Düsseldorf und Frankfurt, landet mit gut 63 000 Euro pro Kopf aber immerhin auf Rang 19, die zweitbeste Platzierung aller Ruhrgebietsstädte. Andere Problemkandidaten wie Herne oder Oberhausen bringen es nur auf einen Wert von 55 000 Euro, unterboten nur von ostdeutschen Städten. Diese können aber nach wie vor Sondereffekte geltend machen, schließlich ist das Lohnniveau, unabhängig von der Qualifikation, im Osten nach wie vor deutlich unterdurchschnittlich.

Wie deutlich, das zeigt der Vergleich der Arbeitskosten. Hier belegen die sieben ostdeutschen Städte im Ranking auch die ersten sieben Plätze. Das macht sie für Unternehmen attraktiv, heißt aber auch: Ein Arbeitnehmer in Magdeburg verdiente 2010 mit 29 021 Euro im Schnitt 60 Prozent weniger als sein Kollege in Frankfurt oder Stuttgart. Die höchsten Arbeitskosten weist übrigens Rankingsieger Ludwigshafen auf. Produktivität, Mietniveau und behördliche Kosten sind hier jedoch so vorteilhaft, dass sie sogar das durch den Chemiegiganten BASF in die Höhe getriebene Lohnniveau kompensieren können.

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