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Stimmt es, dass ... Führt Biosprit-Beimischung in armen Ländern zu Hunger?

In den USA gibt es bereits die Forderung, den Anbau von Mais für die Bioprit-Produktion zurückzufahren. Doch was ist dran an der behaupteten Verbindung von Biosprit, Finanzanlagen in Nahrungsmitteln und Hunger?

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Norbert Häring

Entwicklungshilfe-Minister Dirk Niebel hat gefordert, den Verkauf der Benzinsorte E10, die zehn Prozent pflanzliches Ethanol enthält, auszusetzen. Damit will er dem Anstieg der Nahrungsmittelpreise begegnen, den die schwere Dürre in den USA ausgelöst hat. Auch dort gibt es Forderungen, den Massenanbau von Mais für die Biosprit-Produktion zurückzufahren.

Mitschuld an den hohen Nahrungsmittelpreisen - und damit am Hunger in der Dritten Welt - sollen auch Banken haben, die Finanzprodukte auflegen, mit denen Investoren auf die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise spekulieren können.

Was ist dran an der behaupteten Verbindung von Biosprit, Finanzanlagen in Nahrungsmitteln und Hunger?

Zunächst einmal folgt aus steigenden Nahrungsmittelpreisen nicht unbedingt, dass es armen Ländern schlechter geht. Denn diese Länder sind auch wichtige Nahrungsmittelproduzenten - oder könnten welche sein, wenn die Preise hoch genug wären. Manche Länder, und deren arme Landbevölkerung, profitieren durchaus. Andere haben vor allem den Schaden.

Das größere Problem ist nicht die Höhe der Preise, sondern deren fehlende Verlässlichkeit. Solange arme Länder als Abladeplatz für die temporäre Überproduktion der Industrieländer missbraucht werden, kann sich dort keine Landwirtschaft entwickeln, die die eigene Bevölkerung verlässlich ernährt und darüber hinaus noch Überschüsse für den Export erwirtschaftet - auch dann nicht, wenn die Preise zeitweise mal hoch sind. Denn wenn sie im nächsten Jahr wieder in den Keller rutschen, gehen die Betriebe wieder ein, die es gewagt haben, im Vertrauen auf die hohen Preise zu investieren. Ihre Konkurrenten in den Industrieländern werden dagegen durch Exportsubventionen und direkte Hilfen gestützt.

Bei den meisten Pflanzenarten und Standorten, die für die Produktion von Bio-Ethanol genutzt werden, ist sehr zweifelhaft, ob sich mit ihnen wirklich mehr Energie gewinnen lässt, als beim Anbau hineingesteckt wird. Insofern erscheint die Produktion von Biosprit allenfalls sinnvoll, um zeitweilige Überschüsse zu verarbeiten und damit die Preise zu stabilisieren. In Dürrezeiten müsste sie dann aber dementsprechend ausgesetzt werden. Niebels Vorschlag geht daher in die richtige Richtung.

Geldanlage in Nahrungsmittel verschärft das Problem der Preisschwankungen. Mal fließt viel Geld in diese Anlageform und treibt die Preise nach oben. Dann fließt es wieder ab und die Preise gehen in den Keller. Dem steht kein erkennbarer Vorteil gegenüber, lässt man einmal die Anbieter der Finanzprodukte und das Interesse der Anleger an der Risikostreuung außer Acht.

Der Druck der Straße auf die Finanzinstitute, keine solchen Produkte mehr anzubieten, ist also durchaus gerechtfertigt.

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