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Stimmt es, dass... Steuert Goldman Sachs die Finanzwelt?

Der US-Bankenriese hatte bereits viele prominente Politiker in seinen Reihen, darunter Finanzminister und sogar den heutigen EZB-Chef Draghi. Das nährt den Verdacht, Goldman würde die Finanz- und Geldpolitik vorgeben.

Die Goldman-Sachs-Händler Michael Geier, Michael Shearn and Paul Cosentino (L-R) in der New Yorker Börse. Quelle: Reuters

Ein bisschen stimmt das auf jeden Fall. Sehr, sehr viele Wege scheinen von und zu der großen multinationalen Bank mit Sitz in New York zu führen. Mario Draghi etwa, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) - die demnächst die Aufsicht über alle großen europäischen Banken übernehmen soll - hat einen illustren Lebenslauf mit vielen prominenten Stationen. Bevor er Präsident der Bank von Italien und danach der EZB wurde, war eine davon von 2002 bis 2005 Goldman Sachs.

Er sagt, er habe nichts mit den halbseidenen Finanzkonstruktionen der Bank zu tun gehabt, mit denen sie der griechischen Regierung ermöglichte, ihr wahres Staatsdefizit zu verschleiern, das für einen Beitritt zum Euro zu hoch war. Denkbar ist das. Denn der Deal wurde tatsächlich eingefädelt, bevor er zur Bank kam und in London das Europäische Risikomanagement verantwortete.

Bis zum Antritt seines Topjobs bei der EZB war Draghi Vorsitzender des Finanzstabilitätsrats (FSB). Das ist ein internationaler Ausschuss, der den G-20-Ländern Vorschläge zur Regulierung der Finanzmärkte macht, die die nationalen und internationalen Gremien dann tendenziell umsetzen.

Draghis Nachfolger als Chef des Finanzstabilitätsrats ist der Kanadier Mark Carney, Chef der kanadischen Notenbank und ehemaliger Goldman-Sachs-Manager.

Einer von Carneys wichtigsten Ansprechpartnern in Regulierungsfragen ist Bill Dudley, Präsident der für die Regulierung des wichtigsten Finanzplatzes der Welt zuständigen Federal Reserve Bank of New York. Dieser war, bevor er für diese Position ausgewählt wurde - sie erraten es -, bei Goldman Sachs.


Auch Finanzminister Geithner ist nicht weit entfernt von der Bank

Dem Finanzministerium in Washington, das in solchen Fragen auch nicht ganz unwichtig ist, steht seit dem Abgang von Hank Paulson derzeit ausnahmsweise kein ehemaliger Goldman-Sachs-Manager vor. Aber gar zu weit weg ist sein Nachfolger Tim Geithner auch nicht von der Bank. Der Ex-Goldman-Sachs-Chef und damalige Finanzminister Robert Rubin hatte ihn 1999 zu seinem Staatssekretär berufen.

Otmar Issing, ehemals Chefvolkswirt der EZB und prominentestes Mitglied der 2008 von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück ins Leben gerufenen Expertengruppe zur Reform der internationalen Finanzmärkte, fand nach seinem Ausscheiden bei der EZB sehr schnell seinen Weg zu Goldman Sachs. Dabei hat er nicht einmal die übliche „Abkühlungsperiode“ eingehalten.

Natürlich hat Otmar Issing immer scharf zwischen solchen Berateraufgaben für die Regierung und seinen Berateraufgaben für Goldman Sachs getrennt. Und natürlich lassen Draghi, Geithner und Dudley ihre Verbindung zu der Bank in jeder Hinsicht weit hinter sich, wenn sie sich mit Bankenregulierung beschäftigen.

Aber Zweifel kommen einem doch, ob man von einer solchen Mannschaft durchgreifende und für die Branche unattraktive Vorschläge erwarten kann, die das Finanzwesen für die übrige Wirtschaft und die Bürger sicherer machen.

Dafür können wir aber zuversichtlich sein, dass sie alles tun werden, um „das Vertrauen in die Stärke der Finanzinstitute“ zu fördern, wie FSB-Chef Carney sein Ziel beim G-20-Gipfel in Mexiko ausdrückte.

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