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Stressindex Kurz vor der Rückkehr in den Krisenmodus

Der Stresspegel steigt: Die holpernde Börse in China und die niedrigen Rohstoffpreise erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Krisen im Finanzsystem auf die Realwirtschaft überspringen.

Internationale Börsencharts Quelle: dpa

Die in den vergangenen Wochen angehäuften Krisenereignisse überfordern die Weltwirtschaft und die internationalen Finanzmärkte. „Die Geschwindigkeit, mit der sich realwirtschaftliche und finanzielle Zyklen einzeln oder gegenseitig umkehren oder verstärken, ist atemberaubend“, sagt Markus Zschaber, Gründer des Vermögensverwalters V.M.Z. und Geschäftsführer des Instituts für Kapitalmarktanalyse (IFK) in Köln.

Das IFK berechnet einen globalen Krisenindikator und stellt die Ergebnisse regelmäßig exklusiv der WirtschaftsWoche zur Verfügung. Der Index misst die Ansteckungsgefahr, die von Krisen im Finanzsystem auf die Realwirtschaft ausgeht.

Ein mieses Jahr für Bankaktien

Angesichts der holpernden Börsen in China und der abgestürzten Rohstoffpreise auf den Weltmärkten stieg der IFK-Stressindex im Januar steil auf minus sechs Punkte an, ausgehend von minus 48 Punkten im Dezember 2015. Das ist das höchste Stressniveau seit April 2012.

In den Vormonaten hatten selbst Terror und Kriegsgefahr den Stressindex kaum beeindruckt. Einzeln betrachtet hatten die Krisenereignisse laut IFK keine Relevanz für das Finanzsystem, doch ihre wechselseitige Verstärkung führe nun zu einem „perfekten Sturm“.

Wie ist der Indikator aufgebaut?

Der Systemstressindex des IFK stellt eine Fieberkurve der Weltfinanzmärkte dar und ist in eine dreistufige Skala unterteilt: Im unteren Bereich mit den Werten minus 100 bis minus 20 sind die Finanzmärkte entspannt, krisenhafte Entwicklungen auf den Finanz- und Gütermärkten nicht in Sicht. Die Zone zwischen minus 20 und plus 20 steht für mittleren Stress.

Hier besteht zwar noch keine akute Gefahr, aber die Finanzmärkte befinden sich schon in einem Zustand nervöser Anspannung, in dem weitere schlechte Nachrichten schnell die nächste Krise ausbrechen lassen können. Der Indikator steigt dann in den Hochdruckbereich auf Werte zwischen plus 20 und plus 100.

In seine Berechnung fließen 6500 weltweite finanzielle und konjunkturelle Indikatoren ein, darunter Aktien- Währungs- und Rohstoffkurse sowie Zinsen auf Staats- und Unternehmensanleihen oder die Kosten für Versicherungen gegen Kreditausfälle. Je volatiler die Daten sich entwickeln, also je stärker sie schwanken, desto größer ist die Ansteckungsgefahr für die Weltkonjunktur.

Privater Konsum könnte sinken

Im Januar hat sich die Fieberkurve nun der Nulllinie angenähert, bei deren Überschreiten in den positiven Bereich die Grundstimmung kippt. Das war zuletzt 2011 der Fall, kurz vor der Eskalation der Euro-Krise. „Die Gefahr dabei ist, dass wegen dem stark angeschlagenen Sentiment realwirtschaftliche Folgewirkungen eintreten“, sagt Zschaber. Im Klartext: Unternehmen fahren Investitionen zurück, erteilen weniger Aufträge, stoppen Einstellungen oder bauen sogar Personal ab. Gleichzeitig sinkt der Konsum der privaten Haushalte.

Chinas Wachstum wird unterschätzt

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Die Verwerfungen in der zweitgrößten Volkswirtschaft China sollten dabei laut IFK nicht überbewertet werden. Solche Verwerfungen bringe die Liberalisierung der dortigen Finanzmärkte zwangsweise mit sich. Ein planwirtschaftliches System arbeite hier mit marktwirtschaftlichen Instrumenten.

Kursturbulenzen in China hätten zudem eine geringere Wirkung auf die Realwirtschaft als Börsenabstürze in Europa und in den USA. Grund sei, dass die chinesische Wirtschaft weniger vermögens- und stärker einkommensgetrieben sei.

Prozentual betrachtet sehe das aktuell prognostizierte Wachstum von 6,5 Prozent im Jahr deutlich schwächer aus als die teils zweistelligen Zuwachsraten der zurückliegenden Jahre. Doch gemessen in absoluter Wirtschaftsleistung sei das aktuelle Wachstum sogar höher als in der Vergangenheit, weil es von einer deutlich größeren Basis ausgehe.

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