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Teuerungsrate Inflation so niedrig wie zuletzt 2010

Die Inflation in Deutschland ist im Mai auf den tiefsten Stand seit rund vier Jahren gefallen. Dazu führten vor allem sinkende Energiepreise und die Verteuerung der Lebensmittel.

Weltwirtschaftskrise von 1914 bis 1948
Weltkrieg und Hyperinflation vernichten die Vermögen von Millionen Deutschen. Im November 1923 steht ein Dollar bei 4,2 Billionen Mark. Quelle: AKG
Fünfzig Milliarden Reichsmark als Reichsbanknote. Dieser Schein war nur wenige Pennies wert. Quelle: AKG
Spielende Kinder im Jahr 1923. Im Jahr der Hyperinflation war die damalige Reichsmark nichts mehr als Altpapier. Quelle: AKG
Heute erziehen Eltern die Kinder zu gesundem Umgang mit Geld - im Jahre 1923 durften Kinder mit reichlich Geld spielen. Quelle: Interfoto
Börsencrash und Weltwirtschaftskrise lassen die Produktion um fast die Hälfte schrumpfen. Sechs Millionen Deutsche sind arbeitslos. Der Gang zur Suppenküche gehört für die Menschen zum Alltag. Quelle: dpa
Der Börsencrash vom 24. Oktober 1929 breitet sich rasant in der Welt aus. Im Jahre 1933 stellt US-Präsident Franklin D. Roosevelt mit einer Durchführungsverordnung den privaten Besitz von Gold unter Strafe. Quelle: AP
Auf der Konferenz von Bretton Woods 1944 wird das internationale Währungssystem reformiert: 40 Staaten vereinbaren feste Wechselkurse, der Wert des Dollar wird in Gold festgelegt. 1974 brach der Gold-Dollar-Standard von Bretton Woods zusammen. Quelle: dpa

Nach dem kleinen Zwischenhoch zu Ostern ist die Inflation in Deutschland wieder auf dem Rückzug: Im Mai fiel die jährliche Teuerungsrate von 1,3 Prozent im Vormonat überraschend deutlich auf 0,9 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert seit fast vier Jahren. Dies teilte das Statistische Bundesamt am Montag nach vorläufigen Zahlen in Wiesbaden mit. Zum April sanken die Verbraucherpreise voraussichtlich um 0,1 Prozent.

Historisch niedrig
Damit entfernt sich die jährliche Inflationsrate wieder deutlicher vom Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB), die Preisstabilität bei einer Rate von knapp unter zwei Prozent gewahrt sieht. Das dürfte die Notenbank in ihrem Vorhaben bestärken, den Leitzins schon an diesem Donnerstag noch weiter unter das bereits historisch niedrige aktuelle Niveau von 0,25 Prozent zu senken - zumal der für die Geldpolitik maßgebliche „Harmonisierte Verbraucherpreisindex“ (HVPI) im Mai nur um 0,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahres lag.

„Nach dieser Zahl ist nicht mehr die Frage, ob die EZB am Donnerstag handelt, sondern wie die Maßnahmen im Einzelnen aussehen werden“, erklärte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP-Bank-Gruppe: „Eine Zinssenkung dürfte gesetzt sein. Die spannende Frage ist, was die EZB sonst noch im Köcher hat.“

EZB-Präsident Mario Draghi betont seit Monaten die Gefahren einer langanhaltenden Mini-Inflation für die Konjunktur im Euroraum. Eine Deflation - also eine Spirale sinkender Preise durch alle Warengruppen - sieht er zwar nicht. Doch die Gefahr steige, je länger die Inflation niedrig sei.

Bei einer Deflation kaufen Verbraucher in Erwartung weiter sinkender Preise nicht mehr ein, Unternehmen stellen Investitionen zurück. Das würgt die Konjunktur ab.

Energiepreise als Bremse
Gebremst wurde der Preisauftrieb im Mai den Angaben zufolge erneut vor allem durch sinkende Energiepreise. Kraftstoffe und Haushaltsenergie waren um 0,8 Prozent günstiger als vor einem Jahr. Zudem verwiesen die Statistiker auf zwei Basiseffekte: So waren zum späten Osterfest im April die Preise für Pauschalreisen besonders stark gestiegen. Dieser Effekt sei im Mai ebenso entfallen wie die statistischen Auswirkungen einer kräftigen Preiserhöhung beim Lotto aus dem Mai 2013.

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Erstmals seit Monaten fielen auch Nahrungsmittel als wichtigster Preistreiber in Deutschland weg: Sie verteuerten sich auf Jahressicht nur noch unterdurchschnittlich um 0,5 Prozent. Hierfür dürfe der milde Winter verantwortlich sein, erklärte die Commerzbank.

Überdurchschnittlich verteuerten sich im Mai damit lediglich Dienstleistungen um 1,4 Prozent, darunter insbesondere die Wohnungsmiete (plus 1,5). Commerzbank-Ökonom Johannes Werner erwartet, dass die Inflationsrate in Deutschland in den kommenden Monaten niedrig bleibt - auch weil der Witterungseffekt die Nahrungsmittelpreise weiterhin dämpfen dürfte: „Erst gegen Ende des Jahres dürfte sie anziehen, wenn sich die Nahrungsmittelpreise normalisieren und sich zudem der Effekt des stärkeren Lohnanstiegs zunehmend bemerkbar machen wird.“

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