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UBS-Analyse für Finanzmärkte Merkel-Rücktritt wäre schlimmer als Brexit

Sollte die deutsche Bundeskanzlerin ihr Amt aufgeben, so hätte das nach Ansicht der Schweizer Bank UBS verheerende Auswirkungen auf die Märkte und könnte diese sogar noch stärker destabilisieren als ein Brexit-Votum, das den EU-Austritt Großbritanniens zur Folge hätte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Quelle: dpa

Der Ausverkauf an den internationalen Aktienmärkten, ein dramatischer Kursverfall bei den Bank-Titeln, der Absturz des Ölpreises, Sorgen um China und um das Wachstum in den USA: 2016 hat für viele Anleger wahrlich grausam begonnen, die Märkte sind verunsichert und nervös.

Mit dem bevorstehenden EU-Gipfel am 18./19. Februar rücken nun auch verstärkt politische Risiken in den Fokus der Anleger. Einigen sich die 28 EU-Mitglieder dann nämlich auf Zugeständnisse für die Briten und gelingt es ein Reformpaket für das künftige Verhältnis Großbritanniens zur Europäischen Union zu schnüren, wird der britische Premier David Cameron wohl sehr schnell verkünden, dass er die Volksabstimmung über EU-Verbleib oder Abschied seines Heimatlandes noch in diesem Sommer anberaumen will. Als wahrscheinlichster Termin gilt Beobachtern der 23. Juni.

Das sind die mächtigsten Menschen der Welt
Platz zehnAlljährlich kürt das amerikanische Forbes-Magazin die mächtigsten Menschen der Welt. 100 Personen listet das Magazin auf, die dank ihres Vermögens, ihrer unternehmerischen Verantwortung oder ihres politischen Amtes Einfluss auf das Weltgeschehen haben. Den zehnten Platz belegen im Jahr 2015 zwei Menschen: Die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page teilen sich den Platz. Sie sind erst im letzten Jahr neu in die Top Ten der mächtigsten Menschen der Welt aufgestiegen. Quelle: AP
Indian Prime Minister Narendra Modi Quelle: REUTERS
Platz achtZum zweiten Mal unter den Top Ten der mächtigsten Menschen ist der britische Premier David Cameron. Im vergangenen Jahr belegte er noch den zehnten Platz, weil es ihm gelungen war, Schottland doch noch im Vereinten Königreich zu halten. Seiner Wiederwahl im Mai verdanke er den Aufstieg auf Platz acht. Quelle: AP
Platz siebenSie bestimmt nicht nur die Geldpolitik der USA, auch Aktienindizes wie der Dax reagieren auf ihr Wort: Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank Fed, ist die zweitmächtigste Frau der Welt. Quelle: REUTERS
Bill Gates Quelle: dapd
Platz fünfChinas Parteichef Xi Jinping ist nicht nur Chinas starker Mann. Im Ranking schafft er es auf Platz fünf der mächtigsten Menschen der Welt. Im Vorjahr belegte er allerdings noch den dritten Rang. Quelle: dpa
Platz vierWie in den zwei vorangegangenen Jahren landet der amtierende Papst Franziskus auf Platz vier. Im Jahr 2012 belegte das Oberhaupt der Katholischen Kirche, Papst Benedikt XVI., Platz fünf. Quelle: dpa

In weniger als sechs Monaten stünde dann die große Entscheidung über die Zukunft des Vereinigten Königreichs in Europa an, die auch für die restliche EU erhebliche Konsequenzen haben dürfte. Das Risiko eines Austritts rückt also in greifbare Nähe, weswegen sich nun auch die Experten von Banken, Fonds und Versicherungen verstärkt mit der Frage beschäftigen, welche Folgen ein Austritt der Briten haben könnte und wie groß die Wahrscheinlichkeit dafür ist.

Aus den Research-Abteilungen der Investmentbanken und Fonds ergießt sich deshalb ein Strom von Analysen, Einschätzungen und mehr oder weniger gut informierten Kommentaren auf die Anleger. So erwartet etwa der Kreditversicherer Euler Hermes im Falle des Brexit, „bis zu 30 Milliarden Pfund direkte Exportverluste, sinkende Umsätze, fallende Margen aufgrund höherer Finanzierungskosten und einen Abfluss von Investitionsgeldern in Höhe von bis zu 210 Milliarden Pfund“. Großbritannien bräuchte mindestens zehn Jahre, um die durch einen möglichen EU-Austritt entstehende Lücke bei den Exporten zu schließen – selbst wenn ein Teil durch den Handel mit den Commonwealth Staaten kompensiert werden könnte, so Hermes Euler.

Angela Merkel ist die „Person des Jahres“
2015: Angela MerkelBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist vom New Yorker „Time“-Magazin als „Person des Jahres“ 2015 ausgezeichnet worden. Die 61-Jährige habe sich im Kampf gegen die Pleite Griechenlands, in der Flüchtlingskrise und nach den Pariser Terrorattacken engagiert, schrieb das Journal zur Begründung am Mittwoch. „Bei Merkel schwang ein anderer Wertekanon - Menschlichkeit, Güte, Toleranz - mit, um zu zeigen, wie die große Stärke Deutschlands zum Retten statt zum Zerstören genutzt werden kann. Es ist selten, einen Anführer bei dem Prozess zuzusehen, eine alte und quälende nationale Identität abzulegen.“ Auf Platz zwei der „Time“-Rangliste folgt der selbst ernannte Kalif der Terrororganisation Islamischer Staat, Abu Bakr al-Bagdadi, dahinter die US-Bürgerrechtskampagne „Black Lives Matter“ (schwarze Leben zählen). Merkel ist seit fast 30 Jahren die erste Frau, die mit dem Titel gekürt wird Quelle: dpa
2014: Die Ebola-BekämpferIm Jahr 2014 wurde nicht eine einzelne Person ausgezeichnet, sondern gleich eine ganze Gruppe: Alle Ärzte, Krankenpfleger und sonstigen Unterstützer, die geholfen haben, das tödliche Ebola-Virus zu bekämpfen, wurden vom "Time"-Magazin gekürt. "Sie sind Risiken eingegangen und haben nicht nachgelassen, sie haben Opfer gebracht und (Leben) gerettet", begründete die "Time"-Jury die Entscheidung. Die medizinischen Helfer sind bei der Behandlung von Ebola-Patienten hohen Risiken ausgesetzt: Viele Ärzte und Krankenschwestern steckten sich in Westafrika an, aber auch bei der Behandlung von Ebola-Patienten in den USA und Europa. Das Virus wird durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Quelle: dpa
2013: Papst FranziskusPapst Franziskus wurde im März 2013 für viele völlig unerwartet zum Papst gewählt – und dann noch vom Time-Magazin zur "Person des Jahres". Kaum ein anderer Akteur auf der Weltbühne habe jemals "so schnell so viel Aufmerksamkeit" von allen Seiten erhalten wie das amtierende Oberhaupt der katholischen Kirche, begründete das US-Magazin seine Wahl. Der Südamerikaner versucht mit seinen ernst gemeinten Reformvorschlägen, die katholische Kirche inhaltlich und strukturell zu erneuern. Papst Franziskus gilt als ehemaliger Pförtner, Türsteher, Techniker und Literaturlehrer als sehr bodenständig und menschennah. Quelle: dpa
2012: Barack ObamaNach 2008, als Obama als erster schwarzer Präsident ins Weiße Haus einzog, wurde Obama auch in diesem Jahr zur „Person of the Year“ gewählt. Die USA seien derzeit von „historischen kulturellen und demografischen Veränderungen“ betroffen, schrieb die Zeitschrift auf ihrer Internetseite. Obama sei dabei „der Architekt dieses neuen Amerikas“. Dem 51-Jährigen sei es gelungen, aus einer Schwäche eine Chance zu machen.Dass ein Präsident zweimal zur „Person des Jahres“ gewählt wird, ist nichts ungewöhnliches. In der Vergangenheit wurden alle Präsidenten, die im Amt bestätigt worden sind, etwa sein Vorgänger George W. Bush oder Ronald Reagan, dieser Titel zugesprochen. Quelle: Reuters
2011: Der ProtestlerKeine einzelne Persönlichkeit ist im vergangenen Jahr gekürt worden, sondern gleich ein paar Millionen. Das Time-Magazin wählte den Protestler zur Person des Jahres 2011, um vor allem den Demonstranten des Arabischen Frühlings Respekt zu zollen. Diese hätten nicht nur ihre Beschwerden geäußert, sondern die Welt verändert, urteilte das US-Magazin. Quelle: dapd
2010: Mark ZuckerbergWenn ein Einzelner Millionen von Menschen miteinander verbindet, dann hat er eine große Auszeichnung verdient. Deshalb gewann Facebook-Gründer Mark Zuckerberg 2010 den Titel „Person of the Year“. Die Erfindung und Umsetzung eines Systems, das den weltweiten Informationsaustausch revolutioniert, war dem Time-Magazin Begründung genug für ihre Entscheidung. Quelle: Reuters
2009: Ben BernankeNatürlich machte im Jahr der globalen Wirtschaftskrise ein Ökonom das Rennen. Überraschend war jedoch, dass die Wahl auf den stille Ben Benanke, Chef der US-Notenbank, fiel. Sein Name war im Zusammenhang mit der Krise nur selten aufgetaucht. Doch eben dies, veranlasste das Time-Magazin zu seiner Entscheidung: Benanke habe eine ökonomische Katastrophe durch sein taktvolles, leises Agieren verhindert. Quelle: dapd

Um es vorwegzunehmen: bisher herrscht bei den Geldhäusern Konsens, dass der Brexit zwar eine Gefahr, aber letztlich dennoch unwahrscheinlich ist – eine Einschätzung, die sich einerseits zwar wegen des hohen Anteils der unentschlossenen Wähler gut begründen lässt aber dennoch einige potentielle Schwachstellen aufweist: denn die Meinungsumfragen erwiesen sich schließlich im Vorfeld der letzten Wahlen als völlig falsch, der Sieg der Konservativen kam für alle als große Überraschung.

Außerdem ist die Sicht der City-Experten sehr stark von ihrem eigenen Umfeld geprägt: die globale, weltoffene Metropole London aber ist nicht repräsentativ für das restliche Großbritannien, in dem die Mehrheit der Wähler lebt. Die britische Professorin Noreena Hertz vom University College London, die am 11. Februar als Gastrednerin bei einem großen Kundenevent der UBS auftrat, warnt denn auch, sie sehe die Wahrscheinlichkeit für ein Brexit-Votum bei knapp 50 Prozent.

Im Gegensatz dazu geht Bill O`Neill, der das Investment Office der Bank in Großbritannien leitet, von einem deutlich geringeren Brexit-Risiko aus: er schätzt es maximal auf 30 Prozent. Bei der UBS ist man der Ansicht, dass die Auswirkung eines möglichen Rücktritts von Angela Merkel auf die Finanzmärkte gravierender wäre als ein Votum für den Brexit. Denn Merkel gilt den UBS-Strategen gemeinsam mit EZB-Chef Mario Draghi als Garant für die Stabilität der Eurozone und Europas, weswegen ihr Verbleib im Amt besonders wichtiger ist, argumentiert O`Neill. Das größte Risiko für die internationalen Finanzmärkte stellt nach Ansicht des Experten jedoch die US-Konjunktur dar.

An den Devisenmärkten allerding hat die wachsende Ungewissheit über die Brexit-Frage schon tiefe Spuren hinterlassen: das Pfund schwächelt – es hat vor allem gegenüber dem Dollar, aber auch gegenüber dem Euro deutlich an Wert verloren. Seit Dezember hat das Pfund gegenüber dem Euro rund 6,5 Prozent eingebüßt. Ein Brexit-Votum könnte den Verfall beschleunigen: die britische Großbank HSBC erwartet in diesem Fall eine weitere Abwertung gegenüber dem Dollar von 15 bis 20 Prozent, ebenso argumentiert Goldman Sachs; die UBS prognostiziert gegenüber Dollar und Euro jeweils minus 10 Prozent.

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Im Gegensatz dazu glauben die Experten der Barclays Bank, ein Brexit-Votum könnte eine Erholung der britischen Währung einleiten. Denn ein Austritt wäre weniger schädlich für Großbritannien selbst als für die politischen Gremien und Organisationen im restlichen Europa: „…es hätte signifikante Risiken für die EU und für die Stabilität der Eurozone“, so Marvin Barth, ein Barclays-Währungsexperte.

Fest steht dennoch, angesichts der aktuellen Volatilität an den Märkten ist das EU-Referendum alles als hilfreich.

Fazit der US-Bank Goldman Sachs: „Das britische EU-Referendum zählt kurzfristig zu den größten politischen Ungewissheiten der Welt“.

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