Umsatz Deutscher Einzelhandel überrascht mit Umsatzplus im Juli

Die hohe Inflation und die Preissteigerungen dämpfen die Kauflaune vieler Kundinnen und Kunden. Trotzdem erholt sich der Einzelhandel im Juli – und besonders eine Branche trägt dazu bei.

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In den ersten sieben Monaten des Jahres wuchs der Umsatz im Einzelhandel um 6,4 Prozent. Quelle: dpa

Die deutschen Einzelhändler sind besser als erwartet in die zweite Jahreshälfte gestartet. Ihr Umsatz wuchs im Juli um 2,4 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Auch inflationsbereinigt (real) gab es ein Plus, und zwar von 1,9 Prozent.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten hier lediglich eine Stagnation erwartet. Zum unerwartet guten Abschneiden trug der Einzelhandel mit Lebensmitteln bei, der real um 2,1 Prozent zulegen. Damit erholte er sich von den Umsatzeinbrüchen der drei Vormonate wieder etwas.

Angetrieben wurde die Erholung im Einzelhandel auch vom Internet- und Versandhandel. Dort stiegen die Umsätze im Juli preisbereinigt um 9,2 Prozent zum Vormonat und lagen damit gut 5 Prozent über dem Vorjahreszeitraum Juli 2021. Noch im Juni dieses Jahres hatte der Online- und Versandhandel einen heftigen Einbruch erlitten.

„Die Freude über das überraschend gute Ergebnis dürfte nicht lange anhalten“, sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger. „Das ändert nichts daran, dass der Konsum auf dem absteigenden Ast ist. Mit dem starken Inflationsanstieg und der Gasumlage wird es Konsumenten weiter an den Kragen gehen.“ Den Verbrauchern drohten auch 2023 real Einkommensverluste.

In den ersten sieben Monaten des Jahres wuchs der Umsatz im Einzelhandel um 6,4 Prozent. Inflationsbereinigt sank er dagegen um 0,1 Prozent. „Die Differenz zwischen den nominalen und realen Ergebnissen spiegelt die hohen Preissteigerungen im Einzelhandel wider“, erklärten die Statistiker die auseinanderlaufende Entwicklung.

Die Aussichten für die Branche sind ungeachtet des guten Auftakts in die zweite Jahreshälfte schlecht. Energiekrise und Inflation in Deutschland drücken die Konsumstimmung derzeit auf ein Rekordtief.

Das Barometer der Nürnberger GfK-Marktforscher signalisiert für September einen überraschend starken Rückgang um 5,6 Zähler auf minus 36,5 Punkte: Seit Beginn der Erhebung für Gesamtdeutschland 1991 wurde kein schlechterer Wert gemessen. „Die Furcht vor deutlich höheren Energiekosten in den kommenden Monaten zwingt viele Haushalte zur Vorsorge und dazu, Geld für zukünftige Energierechnungen auf die Seite zu legen“, sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl.

Mehr: Deutsche sparen in Energiekrise an Bio-Lebensmitteln – erste Märkte insolvent

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