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Umstrittene Grenzwerte Die Chronologie der Diesel-Debatte um saubere Luft

Der Diesel-Skandal hat Volkswagen bisher 28 Milliarden Euro gekostet. Seit dem VW-Abgasskandal häuft sich die Kritik am Diesel als Stickoxid-Schleuder. Der Grenzwert dafür ist heftig umstritten. Eine Chronologie.

1977Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt erstmals Richtwerte aufgrund von Studien zu gesundheitlichen Schäden von Stickstoffdioxiden (NO2). In Städten seien einmal im Monat für maximal eine Stunde Werte von 190 bis 320 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m3) noch zumutbar. Die WHO geht außerdem davon aus, dass die NO2-Konzentration in Großstädten „wegen der steigenden Verwendung fossiler Energieträger“ weiter zunimmt. Quelle: dpa Picture-Alliance
1987Die WHO veröffentlicht zum ersten Mal „Luftgütelinien für Europa“. Auf 426 Seiten geben die Experten Empfehlungen für 28 Schadstoffe. Der NO2-Mittelwert für einen Tag solle 150 µg/m3 nicht überschreiten. Die WHO verweist aber auch darauf, dass soziale und ökonomische Konsequenzen berücksichtigt werden müssten, bevor aus Richtwerten gesetzlich normierte Grenzwerte würden. Quelle: dpa Picture-Alliance
Erich Wichmann Quelle: imago images
Dicke Luft: Abgastest eines Porsche 911 im konzerneigenen Entwicklungszentrum im Jahr 1996 Quelle: dpa Picture-Alliance
1999Im April schließt sich die EU den Empfehlungen der Wissenschaftler an und verabschiedet einen NO2-Jahresgrenzwert von 40 µg/m3. Er soll allerdings erst ab 2010 gelten. Zuvor hatten sich auch die Umweltminister der Mitgliedstaaten mit den „Luftqualitätszielen“ befasst. Für Deutschland am Tisch: Angela Merkel. Quelle: imago images
Gasherd Quelle: imago images
Gerd Rosenkranz
2008Im Mai beschließt die EU eine überarbeitete Richtlinie für saubere Luft, die den NO2-Grenzwert von 40 µg/m3 bestätigt. Noch sind zwei Jahre Zeit, bis er tatsächlich gilt, aber in Stuttgart sorgt man sich bereits. Der zulässige Jahresgrenzwert könne um das Doppelte überschritten werden, warnt ein Klimaexperte aus dem städtischen Umweltamt in einer Regionalzeitung. Quelle: imago images
2010Im Februar diskutiert der Umweltausschuss des Bundestags die „1:1-Umsetzung“ der EU-Richtlinie in deutsches Recht. Die Unionsfraktion gibt zu Protokoll, dies sei „ein Schritt in die richtige Richtung“. Auch die FDP-Umweltpolitiker empfehlen, dem Bundestag zuzustimmen. SPD und Grüne enthalten sich, die Linke stimmt dagegen. Anfang August tritt die Verordnung in Kraft. Kommunen, die von hohen NO2-Werten besonders betroffen sind, können jedoch eine Fristverlängerung bis Ende 2015 beantragen. Quelle: dpa Picture-Alliance
2013Die EU ruft das Jahr der Luft aus und lässt die Grenzwerte für Luftschadstoffe noch einmal überprüfen. Zwei weitere WHO-Projekte kommen dabei zu dem Ergebnis, dass viele neue Studien die Richtwerte stützten — oder sogar niedrigere Empfehlungen nahelegten. Die Experten schränken jedoch ein, dass sich die Langzeiteffekte von NO2 noch immer nicht vollständig von den Auswirkungen anderer verkehrsbedingter Schadstoffe trennen ließen. Quelle: imago images
2015Die EU-Kommission rügt Deutschland, weil seit Jahren der NO2-Grenzwert überschritten werde. Die Bundesregierung habe es versäumt, ausreichende Maßnahmen zur Reduzierung zu ergreifen, heißt es in einem Mahnschreiben. Am Stuttgarter Neckartor wird ein Jahresmittelwert von 87 µg/m3 gemessen. Im November kündigt die DUH Klagen gegen Kommunen an, in denen der Grenzwert nicht eingehalten wird. Quelle: imago images
2018Zehn Jahre nach Verabschiedung der EU-Richtlinie sind die Klagen der DUH erfolgreich. Das Bundesverwaltungsgericht hält Dieselfahrverbote in Städten für grundsätzlich zulässig. In Hamburg gilt seit Ende Mai das erste Fahrverbot. Weil in vielen Städten der Grenzwert nur leicht überschritten wird, will der Bund Fahrverbote nur dort möglich machen, wo ein NO2-Mittelwert von 50 µg/m3 überschritten wird. Der größte Verband der Lungen‧ärzte erklärt, gesundheitsschädliche Effekte von Luftschadstoffen seien „gut untersucht und belegt“. Quelle: imago images
Andreas Scheuer Quelle: imago images
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