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US-Notenbank Fed hält trotz günstiger Konjunkturperspektiven an Niedrigzins fest

Die Fed rechnet für 2021 mit einem kräftigen Aufschwung, wenn das Hilfsprogramm von US-Präsident Joe Biden den Konsum ankurbelt Quelle: AP

Die US-Notenbank Fed belässt den Leitzins auf dem niedrigen Niveau – trotz aktuell guter Konjunkturaussichten. Das soll sich bis Ende 2023 auch nicht ändern. Der Dow Jones stieg im Anschluss an die Nachricht kräftig.

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Trotz rosiger Konjunkturaussichten kommt für die US-Notenbank (Fed) eine Zinswende noch lange nicht infrage. Die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell beließen den Leitzins am Mittwoch in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. Zugleich gehen sie im Mittel davon aus, dass er auch bis Ende 2023 nicht angehoben wird. Sie rechnen für 2021 mit dem kräftigsten Aufschwung seit den 1970er Jahren, wenn das Hilfsprogramm von US-Präsident Joe Biden den Konsum ankurbelt und sich die Wirtschaft im Zuge der Impfkampagne aus dem Klammergriff der Pandemie löst.

Die Fed-Währungshüter erwarten im Mittel, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dieses Jahr um 6,5 Prozent zulegen wird. Dies ist mehr als sich die Führung in Peking für das Wachstum in China auf die Fahnen geschrieben hat. Den Umfang ihrer monatlichen Wertpapierkäufe in Höhe von 120 Milliarden Dollar wollen die US-Währungshüter trotz des erwarteten Booms aber noch solange beibehalten, bis „substanzielle weitere Fortschritte“ auf dem Weg zu Vollbeschäftigung und Preisstabilität erreicht sind.

Die Inflation war zuletzt moderat, doch erwarten Experten für die kommenden Monate einen spürbaren Anstieg. Für konjunkturellen Rückenwind dürften zudem die kräftig ins Rollen gekommene Impfkampagne, sinkende Infektionszahlen und das 1,9 Billionen Dollar schwere Konjunkturpaket von US-Präsident Biden sorgen. Es enthält unter anderem Barschecks für Millionen Amerikaner.

Die Rendite zehnjähriger Anleihen hat sich dieses Jahr kräftig erhöht. Auslöser war die Erwartung einer höheren Inflation im Zuge des Aufschwungs. Fed-Chef Powell zeigte sich jüngst mit Blick auf den Renditeanstieg aber betont gelassen. Die Rendite der zehnjährigen Anleihe fiel nach dem Zinsentscheid leicht auf 1,659 von 1,663 Prozent.

„Anders als in Europa sorgen der Erfolg der US-Impfkampagne und das eher überdimensionierte Konjunkturpaket dafür, dass die Geldpolitik sich jetzt zurücknehmen kann“, kommentierte Ökonom Friedrich Heinemann vom Mannheimer ZEW. Für die US-Ökonomie zeichne sich für den Herbst sogar bereits eine Überhitzungsgefahr ab. Ein langsames Herunterfahren der massiven Anleihenkäufe werde aber wohl frühestens 2022 beginnen, prognostizierte Volkswirt Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe.

Fed-Entscheid hievt Dow Jones auf Rekordhoch

Die Aussicht auf eine weiter extrem lockere Geldpolitik in den USA hat die Anleger an der Wall Street am Mittwoch beruhigt. Die wichtigsten Aktienindizes schlossen moderat im Plus, und der Leitindex Dow Jones Industrial sowie der marktbreite S&P 500 erreichten sogar jeweils Rekordhochs.

Der Dow ging 0,58 Prozent höher bei 33.015,37 Punkten aus dem Handel. Seine Bestmarke liegt nun bei knapp 33.048 Punkten. Der S&P 500 legte um 0,29 Prozent auf 3974,12 Punkte zu. Für den Technologie-Auswahlindex Nasdaq 100 ging es nach anfänglichen Verlusten von 1,5 Prozent am Ende um 0,38 Prozent auf 13.202,38 Punkte nach oben.

Die Aussicht auf eine anhaltende Flut billigen Notenbankgeldes in den USA treibt Anleger in alternative Anlagen wie Bitcoin. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise machte am Mittwoch ihre anfänglichen Verluste wett und stieg um knapp drei Prozent auf 57.968 Dollar.

Der Euro profitierte stark von der Aussicht auf weiterhin sehr niedrige Zinsen in den USA und notierte nach dem New Yorker Börsenschluss bei 1,1984 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1907 (Dienstag: 1,1926) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8398 (0,8385) Euro. Der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) legte zuletzt um 0,03 Prozent auf 131,95 Punkte zu. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen betrug 1,65 Prozent.

Das Festhalten der Fed an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik versetzt die asiatischen Anleger am Donnerstag in Kauflaune. „Wenn die Fed keine Zinsanhebung vornimmt, ist das sehr preistreibend für riskante Anlagen“, sagte Teresa Kong, Portfoliomanagerin bei Matthews Asia. „Wir sollten eine leichte Rallye bei asiatischen Vermögenswerten und Währungen sehen.“ Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 1,6 Prozent höher bei 30.402 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 1 Prozent und lag bei 2003 Punkten. Die Börse in Shanghai lag 0,6 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gewann 0,7 Prozent.

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Im asiatischen Devisenhandel blieb der Dollar fast unverändert bei 108,84 Yen und gab 0,1 Prozent auf 6,4946 Yuan nach. Zur Schweizer Währung notierte er 0,1 Prozent höher bei 0,9233 Franken. Parallel dazu fiel der Euro um 0,1 Prozent auf 1,1961 Dollar und notierte kaum verändert bei 1,1047 Franken. Das Pfund Sterling verlor 0,1 Prozent auf 1,3945 Dollar.

Nach Bestmarken an der Wall Street erreichte auch der Dax am Donnerstag im frühen Handel mit 14.701 Punkten ein Rekordhoch. Zuletzt gewann der deutsche Leitindex noch 0,60 Prozent auf 14.684,82 Punkte. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen legte um 0,83 Prozent auf 32.132,84 Punkte zu. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,4 Prozent hoch.

Mehr zum Thema: Amerikas Arbeitsmarkt ist noch immer schwer von der Coronakrise gezeichnet. Die US-Notenbank will die Konjunktur daher heiß laufen lassen, um neue Jobs zu schaffen. Das ist eine gefährliche Strategie.

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