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US-Notenbank Gegen das iPhone kommt die Fed nicht an

Experten sind sich sicher: Die US-Notenbank wird neues Geld in die lahme Wirtschaft stecken. Doch wie die neue Maßnahme auch ausfällt: Sie ist teuer, aber nur wenig effektiv. Ganz anders als das iPhone.

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Fed-Chef Ben Bernanke. Quelle: AFP

New York Fotos schießen, E-Mails diktieren, Musik hören - mit dem neuen iPhone kann man vieles tun. Auch Notenbankchef Ben Bernanke kann so einiges: Geld drucken oder Aktienkurse hochtreiben zum Beispiel. Nur die Wirtschaft in Schwung zu bringen, das gelingt ihm eher schlecht als recht - ganz im Gegensatz zum iPhone.

Der Computerkonzern Apple stellt heute das iPhone 5 vor. Gleichzeitig trifft sich die Fed zur Offenmarktsitzung. Fast alle Experten sind sich sicher: Das neue Handy wird ein Verkaufsschlager. Ähnlich sicher sind sie, dass die US-Notenbank am Donnerstag ein neues Programm zum Aufkauf von Staatspapieren und Hypotheken verkündet. Damit wollen die Währungshüter die Zinsen senken und die Wirtschaft antreiben.

Die lockere Geldpolitik hat Tradition. Bereits zweimal führte die Fed das sogenannte "Quantitative Easing" (QE) durch. Das erste Mal im November 2008 gab man mehr als 600 Milliarden Dollar aus, um Hypotheken zu kaufen und die Finanzkrise zu bekämpfen. Beim zweiten Mal, im Jahr 2010, erwarb die Notenbank für 600 Milliarden Dollar Staatsanleihen, um der lahmen Wirtschaft Beine zu machen.

Jetzt will Notenbankchef Ben Bernanke die Arbeitslosigkeit bekämpfen - die Quote liegt derzeit bei 8,3 Prozent. Erst vergangene Woche fielen die Arbeitsmarktzahlen für August miserabel aus. Daher ist das dritte Aufkaufprogramm namens "QE 3" beschlossene Sache. Experten diskutieren nur noch die Details: Ist das Programm auf eine Summe beschränkt oder unbefristet? Welche Papiere werden gekauft?

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    Die Effektivität der Maßnahme ist aber in jedem Fall gering. Beschließt die Notenbank wieder ein Aufkaufvolumen von 600 Milliarden Dollar, bringt das nach Aussage von Jan Hatzius, US-Chefvolkswirt von Goldman Sachs, ein zusätzliches reales Bruttoinlandsprodukt von 0,25 Prozentpunkten. Damit würde die Arbeitslosigkeit um 0,12 Prozentpunkte fallen. Fazit: viel Geld, wenig Hilfe.


    Zinsen sehr niedrig

    Ganz anders das iPhone. Apple verkaufte allein in den USA in den vergangenen drei Monaten acht Millionen Stück. Damit könnte nach einer Analyse von JP-Morgan-Ökonom Michael Feroli das neue iPhone die US-Wirtschaft im vierten Quartal auf jährlicher Basis um bis zu 0,5 Prozentpunkte antreiben - doppelt so viel wie die Fed mit ihrem Milliarden-Programm.

    Auch sind die Zinsen in den USA sehr niedrig. Verbraucher und Unternehmen werden sich durch leicht gefallene Zinskosten deshalb kaum zu mehr Konsum und Investitionen bewegen lassen. Entsprechend vergeben Banken nicht mehr Kredite, meint Sheila Bair, die frühere Chefin der US-Behörde für Einlagensicherung: "Ich glaube nicht, dass QE 3 helfen wird".

    Das iPhone verbindet Menschen, schafft Arbeitsplätze und erleichtert die Auswahl eines Weihnachtsgeschenks. Mit einem Wort: Der Nutzen des Handys ist hoch, die Kosten sind es nicht - volkswirtschaftlich betrachtet. Ob der Ladenpreis von 600 Dollar erschwinglich ist, müssen die Kunden selbst entscheiden.

    Bei der Geldspritze der Notenbank könnten hingegen Kosten und Ertrag in einem Missverhältnis stehen. Die Fed erreicht nur wenig bessere Wirtschaftszahlen, riskiert aber Inflation. Bernanke verweist zwar gern auf die bislang stabilen Preise. Experten wie Bair bezweifeln aber die Fähigkeit der Notenbank, "im Falle von Inflation die Zinsen zu kontrollieren". Harm Bandholz, US-Chefökonom von Unicredit in New York, spricht von "unglaublichen Risiken": "Wir hoffen, dass die Fed rechtzeitig reagiert - wissen tun wir es nicht."

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