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US-Ökonom Alan Blinder "Der Preis der Krise"

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Die Zinsen befinden sich bereits auf Rekordtiefs. Bringen noch niedrigere Zinsen überhaupt etwas für die Konjunktur?

Selbst wenn es der Fed gelänge, durch die Anleihekäufe die Zinsen um 25 Basispunkte zu senke, hätte das kaum Wirkungen auf den privaten Konsum. Denn viele Bürger haben noch mit ihren alten Schulden zu kämpfen. Was die Investitionen betrifft, so muss damit gerechnet werden, dass sich der Renditerückgang bei Staatsanleihen nur teilweise in niedrigere Finanzierungskosten für Unternehmen übersetzt. Zudem scheitern die meisten Investitionen derzeit an den schlechten Absatzaussichten, nicht an zu hohen Zinsen.

Also sollte die Fed die Finger von den Anleihekäufen lassen?

Ich würde ihr empfehlen, die Anleihekäufe um weitere Maßnahmen zu ergänzen. So sollte die Fed die Zinsen für Überschussreserven der Banken bei der Zentralbank auf Null oder unter Null Prozent senken. Letzteres würde wie eine Strafsteuer wirken und die Banken veranlassen, ihre Überschussreserven für die Vergabe von Krediten zu verwenden...

...oder für den Kauf von Finanzaktiva, was neue Spekulationsblasen zur Folge hätte.

Ich habe keine große Angst vor Spekulationsblasen, mit Ausnahme des Bondmarktes. Dort sind wir in der Tat dabei, eine neue Blase aufzupumpen. Auf Sicht der nächsten drei bis fünf Jahre werden die Zinsen wieder steigen, das heißt, die Blase platzt. Das weiß die Fed. Aber es ist der Preise dafür, dass wir wieder aus der Krise kommen.

Präsident Barack Obama und die Republikaner streiten über neue kreditfinanzierte Konjunkturprogramme. Wer hat Recht?

Ich halte kreditfinanzierte Stimulierungsmaßnahmen für den richtigen Weg. Anders als die Geldpolitik, die ihr Pulver zum größten Teil verschossen hat, verfügt die Fiskalpolitik noch über Handlungsspielraum. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem weiteren Paket kommt, ist angesichts der politischen Gefechtslage aber gering.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Bürger wegen der steigenden Staatsschulden ihren Konsum zurück fahren?

Das ist nicht völlig auszuschließen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass das eher die Ausnahme ist. In der Regel wirkt eine expansive Finanzpolitik auch tatsächlich stimulierend auf die Konjunktur. Um das Risiko konträrer Effekte möglichst gering zu halten, sollte die Regierung das kreditfinanzierte Konjunkturprogramm mit der Verpflichtung verknüpfen, den Staatshaushalt in zwei oder drei Jahren zu sanieren. Mit diesem Rezept hatte die Regierung von Bill Clinton Erfolg gehabt.

Die Bürger werden das Konsolidierungsversprechen nur abnehmen, wenn es glaubwürdig ist...

...weshalb die Regierung gut beraten ist, den künftigen Konsolidierungskurs schon heute durch ein entsprechendes Gesetz verbindlich abzusichern.

Manche Ökonomen sehen in mehr Inflation ein probates Mittel zum Schuldenabbau.

Eine ganz schlechte Idee. Die Zentralbanken würden ihre Glaubwürdigkeit verlieren, die Inflationserwartungen kräftig steigen und die Kapitalmärkte höhere Inflationsprämien verlangen. Spätestens wenn die Regierung ihre Altschulden durch neue Kredite ablösen muss, bekäme sie die Zeche in Form höherer Zinsen präsentiert.

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