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Verbraucherpreise Bundesbank: Inflation könnte auf knapp 6 Prozent steigen

Die Verbraucherpreise steigen – ein Ende ist erstmal nicht in Sicht. Quelle: dpa

Materialengpässe und gestiegene Corona-Infektionszahlen belasten die deutsche Wirtschaft. Die Konjunkturerholung dürfte eine Pause einlegen. Verbraucher müssen sich auf zunächst weiter steigende Preise einstellen.

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Inflationsraten von knapp sechs Prozent und ein vorläufiges Ende der Konjunkturerholung in Deutschland: Die Aussichten zum Jahresende haben sich inmitten steigender Corona-Zahlen eingetrübt. Die Bundesbank hält einen Sprung des harmonisierten Verbraucherpreisindexes HVPI, den die EZB für ihre Geldpolitik heranzieht, auf knapp sechs Prozent im November für möglich, wie aus dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht der deutschen Notenbank hervorgeht. Zugleich dürfte die wirtschaftliche Erholung im vierten Quartal eine Verschnaufpause einlegen.

Teuerungsraten um die sechs Prozent hatte das Statistische Bundesamt zuletzt 1992 nach dem nur für deutsche Zwecke gemessenen Verbraucherpreisindex ermittelt. Den HVPI gab es damals noch nicht. Im Oktober dieses Jahres hatten vor allem gestiegene Energiepreise die Inflation nach dem HVPI auf 4,6 Prozent getrieben.

Einen Teil des Anstiegs der Verbraucherpreise führt die Bundesbank auf Sondereffekte wie die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer in Deutschland ab Sommer 2020 in der Coronakrise zurück. Seit Beginn dieses Jahres gelten wieder die alten Steuersätze.

Der Sondereffekt aus der Mehrwertsteuer entfällt ab Januar 2022. „Dann sollte die Inflationsrate spürbar zurückgehen, obwohl die kräftig gestiegenen Marktnotierungen für Erdgas vermutlich zum Großteil erst nach dem Jahreswechsel an die Verbraucher weitergegeben werden“, schrieb die Notenbank. Die Experten rechnen damit, dass die Teuerungsrate in den folgenden Monaten des kommenden Jahres nach und nach abnimmt. „Sie könnte aber noch für längere Zeit deutlich über 3 Prozent bleiben.“

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    In diesem Zusammenhang beurteilt die Notenbank die Pläne der möglichen neuen Bundesregierung kritisch, den Mindestlohn gegen Ende des Jahres 2022 auf 12 Euro je Stunde zu erhöhen. Dies hätte „nicht zu vernachlässigende Ausstrahlungseffekte“ auf die darüber liegenden Lohngruppen, erläuterte die Bundesbank. „Auch hierdurch dürfte sich der Lohndruck künftig verstärken.“ Dahinter steht die Sorge vor einer Spirale aus steigenden Preisen und steigenden Löhnen, für die Ökonomen bislang noch keine Anzeichen sehen.

    Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für den Währungsraum der 19 Länder eine jährliche Teuerungsrate von 2 Prozent an und ist zumindest zeitweise bereit, ein moderates Über- oder Unterschreiten dieser Marke zu akzeptieren. Aus Sicht der Notenbank ist der jetzige Anstieg der Inflation vorübergehend. Europas Währungshüter lassen sich daher nicht zu einem rascheren Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes drängen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde bekräftigte jüngst, dass die Notenbank die Wirtschaft auch dann weiter unterstützen werde, wenn die akute Pandemie-Notlage beendet sei.

    Lieferengpässe und die Corona-Infektionszahlen bremsen nach Einschätzung der Bundesbank die Wirtschaft in Deutschland zum Jahresende. „Die wirtschaftliche Erholung wird voraussichtlich zunächst eine Verschnaufpause einlegen“, schrieb die Notenbank. Das Bruttoinlandsprodukt könnte im vierten Quartal auf der Stelle treten.

    Im Sommer war Europas größte Volkswirtschaft nach vorläufigen Daten noch um 1,8 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal gewachsen. Dazu hatte vor allem die Konsumlust der Verbraucher beigetragen.

    Nach Einschätzung der Bundesbank ist der Wachstumsschub, der nach dem Ende vieler Corona-Beschränkungen vom Dienstleistungssektor ausging, zunächst wohl weitgehend ausgelaufen. Einige Eindämmungsmaßnahmen wurden angesichts steigender Infektionszahlen zudem wieder verschärft. Zugleich dürfte die Industrie auch im vierten Quartal unter Lieferengpässen leiden und damit das gesamtwirtschaftliche Wachstum dämpfen. Ein positiver Wachstumsimpuls geht nach Einschätzung der Notenbank vom Baugewerbe aus.

    Im Corona-Jahr 2020 waren die monatlichen Konsumausgaben der privaten Haushalte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 3 Prozent auf durchschnittlich 2507 Euro gegenüber dem Vorjahr gesunken. Lockdowns und Begrenzungen der Personenzahl zum Beispiel in Freizeit- und Dienstleistungseinrichtungen führten demnach zu einem Rückgang.

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    Insgesamt sieht die Bundesbank im gesamten Winterhalbjahr Risiken durch ein verstärktes Pandemiegeschehen. „Nach derzeitigem Stand dürften die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen aber weniger gravierend ausfallen als in früheren Pandemiewellen.“

    Mehr zum Thema: Trotz rasanten Preisschubs hält die EZB an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Das sei nur vorübergehend, sagt die Notenbank. Damit könnte sie falsch liegen, auch weil viele Unternehmen ihre Preise erst 2022 erhöhen können.

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