Volkswirte Konjunkturschub bereits auf dem Arbeitsmarkt spürbar

Schon die Januar-Zahlen stimmten zuversichtlich - im Februar dürfte sich die Entspannung auf dem deutschen Arbeitsmarkt fortsetzen. Davon sind jedenfalls Volkswirte deutscher Großbanken überzeugt. Ein bisschen trägt zur guten Entwicklung auch der milde Winter bei.

Wer wettbewerbsfähig ist und wer nicht
Platz 57: BulgarienBulgarien wird zurecht als das Armenhaus Europas bezeichnet. Unter 60 Ländern, die die Schweizer Wirtschaftshochschule IMD (International Institute for Management Development) nach ihren wirtschaftlichen Stärken und Schwächen miteinander verglichen hat, landet Bulgarien auf Platz 57 (Platz 54 im Jahr 2012). Damit ist Bulgarien das wirtschaftlich schwächste Land der Europäischen Union. Noch schlechter stehen nur noch Kroatien (Platz 58), das am 1. Juli der EU beitreten wird, Argentinien (Platz 59) und Venezuela (Platz 60) da. Wirklich gut schneidet Bulgarien nur beim Preisniveau ab, da belegt es im internationalen Vergleich Platz vier. In Disziplinen wie Beschäftigungsrate, Arbeitsmarkt, Bildung, Infrastruktur, gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Gesundheit und Investments schafft es das osteuropäische Land nicht einmal unter die Top 30. Quelle: dpa
Platz 55: RumänienIm gleichen Atemzug mit Bulgarien wird stets Rumänien genannt. Das Land liegt im internationalen Vergleich auf Rang 55, im Vorjahr schaffte es Rumänien noch auf Platz 53 von 60 im World Competitiveness-Ranking. Von 21,35 Millionen Einwohnern haben 10,15 Millionen einen Job, die Arbeitslosenquote beträgt 6,8 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Rumäniens liegt bei 169,4 Milliarden Euro - im internationalen Vergleich macht das Platz 48 von 60. Beim BIP pro Kopf schafft es das Land mit 16.062 Euro auf Rang 46. Wirklich glänzen kann auch Rumänien nur beim Preisniveau, da landet es auf Platz neun von 60. Die zweitbeste Wertung bekommt das osteuropäische Land für seine Beschäftigungsquote: Hier liegt es im internationalen Vergleich auf Rang 33. Fragt man Unternehmen, was sie am meisten am Wirtschaftsstandort Rumänien schätzen, nennen 78,7 Prozent die offene und freundliche Art der Menschen. Eine kompetente Regierung lobten dagegen nur 11,5 Prozent und ein wirksames Rechtssystem attestierte dem Land niemand. Dafür lobten immerhin 52,5 Prozent der Befragten die Dynamik der Wirtschaft. Quelle: dpa
Platz 54: GriechenlandAuch Griechenland gehört weiterhin zu den Sorgenkindern Europas, konnte sich aber binnen eines Jahres von Rang 58 auf 54 verbessern. Griechenland muss auch 2013 weiterhin daran arbeiten, seinen aufgeblasenen Verwaltungsapparat zu verkleinern und den Finanzsektor wieder auf die Beine zu bringen. Auch in puncto Korruptionsbekämpfung und Steuersystem hat das Land noch einiges an Arbeit vor sich. Dementsprechend rangiert Griechenland, gerade was die Gesamtsituation der heimischen Wirtschaft angeht, auf Platz 60 von 60 Staaten. Auch beim BIP-Wachstum und der Kreditwürdigkeit gibt es nur Platz 60. Allerdings hat sich in Griechenland seit dem letzten Ranking auch einiges verbessert: So konnte das Land sein Image, die Anpassungsfähigkeit der Regierungspolitik und die Staatfinanzen verbessern sowie die Bürokratie verringern. Unternehmen schätzen an Griechenland besonders die gut ausgebildeten Arbeitskräfte sowie das allgemein hohe Bildungsniveau. Quelle: dpa
Platz 46: PortugalBinnen eines Jahres ging es für Portugal im IMD-Ranking von Platz 41 runter auf 46. Jetzt soll die rezessionsgeplagte Konjunktur mit Steueranreizen aufgepeppelt werden. Bei Firmeninvestitionen von bis zu fünf Millionen Euro seien Steuererleichterungen von 20 Prozent möglich, sagte Finanzminister Vitor Gaspar. Die Investitionen in Portugal sind zwar binnen eines Jahres von 10,20 Milliarden Dollar auf 13,79 Milliarden gestiegen, das Bruttoinlandsprodukt schrumpft dennoch weiter. 2012 betrug der Rückgang noch 1,6 Prozent, 2013 waren es schon -3,2 Prozent. Dafür steht Portugal sowohl bei der technischen als auch der wissenschaftlichen Infrastruktur recht gut da. 71,9 Prozent der ausländischen Unternehmer nennen die portugiesische Infrastruktur den attraktivsten Grund, in das Land zu investieren. Weltspitze ist Portugal bei dem Verhältnis Schüler pro Lehrer und den Einwanderungsgesetzen. Auch bei den Ingenieuren belegt Portugal im Ranking Platz vier. Nur Arbeit gibt es für die Fachkräfte kaum, am wenigsten für junge Menschen (Platz 59 bei Jugendarbeitslosigkeit). Auch die Forschung und Förderung von Wissenschaft und Technik, Fortbildungen, Erwachsenenbildung, Börsengänge und der Export gehören zu Portugals Schwächen. Quelle: dpa
Platz 45: SpanienSpanien ist binnen eines Jahres von Platz 39 auf 45 abgestiegen. Im Jahr 2007 stand das Land noch auf Platz 26 der stärksten Volkswirtschaften. Ein deutsche Hilfsprogramm im Volumen von bis zu einer Milliarde Euro soll die angeschlagene spanische Wirtschaft wieder auf die Beine bringen. Derzeit kämpft Spanien besonders mit seiner hohen Arbeitslosenquote (Platz 60 von 60), den Staatsfinanzen (Platz 59) und seinen Verwaltungsverfahren (Platz 56). Auch bei der Langzeitarbeitslosigkeit, Kapitalkosten, Sprachkenntnissen, dem Bankensektor und der Förderung von jungen Unternehmen steht Spanien mehr als schlecht da. Allerdings ist auch auf der iberischen Halbinsel nicht alles schlecht. So ist beispielsweise der Warenexport Spaniens binnen eines Jahres um 1,7 Prozentpunkte gestiegen. Insgesamt schafft es Spanien in neun Wirtschaftsdisziplinen unter die weltweiten Top Ten: Bei den Zinssätzen belegt Spanien unter 60 Ländern Platz drei, bei der Wechselkursstabilität und den Unternehmenszusammenschlüssen und -übernahmen jeweils Platz sechs, beim Export von Dienstleistungen Platz acht. Sowohl bei den Direktinvestments in die Aktien heimischer Unternehmen als auch der durchschnittlichen Lebenserwartung und grünen Technologien schafft es Spanien auf Platz neun und bei der Bilanzsumme des Bankensektors sowie der Arbeitsproduktivität Platz zehn. Quelle: dapd
Platz 28: FrankreichFrankreich dagegen, das ebenfalls wirtschaftlich zu kämpfen hat, konnte sich um einen Platz verbessern. Von Rang 29 ging es hoch auf 28. Trotzdem muss Frankreich seinen Arbeitsmarkt reformieren, wenn es die Erwerbsquote steigern möchte. Weitere Probleme der Grande Nation sind der stetig zunehmende Brain Drain, also das Abwandern von Fachkräften, das stagnierende Wirtschaftswachstum, die geringe Zahl der Beschäftigten, Arbeitsbedingungen und Wochenarbeitsstunden sowie die Haltung gegenüber der Globalisierung. Zu Frankreichs wirtschaftlichen Stärken gehören dagegen die Vertriebsinfrastruktur (Platz eins von 60), die Energieinfrastruktur und die Gesundheitsausgaben (jeweils Platz zwei) sowie die Direktinvestments in Aktien heimischer Unternehmen, der Export von Dienstleistungen, Investments in ausländische Aktien, die Gesundheitsinfrastruktur und die Zahl der Breitbandnutzer (jeweils Platz vier von 60). Insgesamt schaffte es Frankreich in 40 Kategorien 20 mal unter die Top Ten der Welt. Quelle: dpa
Platz 17: IrlandIrland, dass sonst gerne in einem Atemzug mit Italien und Spanien genannt wird, überholt sogar Frankreich, was die wirtschaftliche stärke angeht. Binnen eines Jahres konnte sich die grüne Insel im IMD World Competitiveness-Ranking um drei Plätze verbessern. Das liegt besonders an den gestiegenen Investments, dem herrschenden Zinssatz, dem Wirtschaftswachstum und der Wechselkursstabilität. Auch bei grünen Technologien hat sich Irland laut der Studie seit 2012 verbessert. Zu den besonderen Stärken des rund 4,6 Millionen Einwohner starken Landes gehören Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Unternehmen sowie deren Haltung gegenüber der Globalisierung, die Telefontarife, Belohnungen und Anreize für Investoren, dementsprechend auch die Anzahl an ausländischen Investoren und die Vergabe öffentlicher Aufträge (jeweils Platz eins von 60.) Schlecht steht es allerdings auch in Irland um die Arbeitslosigkeit, insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit, sowie das BIP pro Kopf bestellt. Quelle: dpa
Platz neun: DeutschlandIm internationalen Vergleich hat sich Deutschland auf Platz neun behauptet, unter den europäischen Staaten ist Deutschland die viertstärkste Volkswirtschaft in puncto Wettbewerbsfähigkeit. Die schlechteste Wertung erhält Deutschland bei der Höhe der Sozialversicherungsbeiträge für Arbeitnehmer. Hier gab es Platz 57 von 60. Zweitgrößtes Manko ist der Ausbau von Breitbandinternet (Platz 55 von 60). Deutschland konnte sich allerdings auch in einigen Punkten verbessern: So sank die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die Investitionen sind gestiegen, der Zinssatz ist gestiegen und die Lebenshaltungskosten sind um 4,72 Prozentpunkte gesunken. In den Kategorien Ausbildung/Lehre, kleine und mittelständische Unternehmen, Weiterbildung von Mitarbeitern und Produktivität der Arbeitskräfte belegte Deutschland den ersten Platz unter 60 Ländern. Besondere Herausforderungen im Jahr 2013 für Deutschland seien die ausufernden Energiekosten und der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien, die Stabilisierung der Eurozone und ihres Bankensektors, das Staatsdefizit zu verringern, der Fachkräftemangel und das Wachstumspotential zu erhöhen. Quelle: dpa/dpaweb
Platz vier: SchwedenSchweden ist weltweit die viertstärkste Volkswirtschaft. Im Jahr 2007 belegte das skandinavische Land noch Rang 19, im Jahr 2012 war es Platz fünf. Unter den europäischen Staaten belegt Schweden Platz zwei. Besonders verbessert hat sich das Land bei der Inflationsrate (von 3,0 auf 0,9 Prozent), den Steuern auf Unternehmensgewinne, der Anzahl hochqualifizierter Ingenieure, dem Altersdurchschnitt der Gesellschaft, dem Transfer von Wissen, der Unterstützung von Wissenschaft und Forschung sowie der Energieinfrastruktur und den Kapitalkosten. Unternehmen, die in Schweden tätig sind, schwören auf die politische Stabilität und Vorhersagbarkeit (68,5 Prozent), das Rechtssystem (55,6 Prozent), sowie die dortigen Fachkräfte (50 Prozent). Besondere Stärken Schwedens sind die Einkommensverteilung, die Schutzzollpolitik, die Zollbehörden, Entlassungskosten, die Anpassungsfähigkeit und Produktivität von Unternehmen, Unternehmensanleihen, Großunternehmen und deren Finanz-Now-How, sowie der Umweltschutz, Verfahrensvorschriften und die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit (jeweils Platz eins von 60). Den schlechtesten Platz belegt das Land beim gesamten Steueraufkommen. In dieser Kategorie gibt es Platz 59 von 60. Quelle: dpa
Platz zwei: SchweizDie Schweiz ist nach den USA die stärkste Volkswirtschaft der Welt und die stärkste Europas. Die rund acht Millionen Einwohner des Alpenstaates erwirtschafteten im vergangenen Jahr ein Bruttoinlandsprodukt von 632,4 Milliarden Dollar, pro Kopf betrug das BIP 51.220 Dollar. Die Schweiz hat die weltweit niedrigste Inflationsrate, die sich von 2012 bis 2013 sogar noch verringert hat. Trotzdem erhält die teure Schweiz was die Lebenshaltungskosten angeht, im internationalen Vergleich Platz 56 von 60. Besonders punkten kann das Land sowohl im IMD-Ranking als auch bei Unternehmen mit sehr gut ausgebildeten Fachkräften, hohen wissenschaftlichen Standards und geringen Kapitalkosten. Unternehmen aus aller Welt schätzen die politische Stabilität in der Schweiz genauso wie gutausgebildeten Fach- und Führungskräfte, die die herrschenden Steuersätze und die verlässliche Infrastruktur. Von 40 Kategorien, in denen Regierung, Unternehmen, Infrastruktur und Wirtschaftsleistung vor den Wissenschaftlern des IMD bestehen mussten, belegt die Schweiz elf mal Platz eins und 16 mal Platz zwei. Quelle: dpa

Der leichte Konjunkturaufschwung wird nach Experteneinschätzung inzwischen auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt immer deutlicher spürbar. Nach überraschend guten Arbeitsmarktzahlen im Januar hätten sich im Februar die Hinweise auf einen Jobaufschwung verdichtet, sagten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Nach ihren Berechnungen waren im zu Ende gehenden Monat rund 3,145 Millionen Männer und Frauen in Deutschland arbeitslos. Dies wären zwar knapp 10.000 mehr als im Januar, aber rund 10 000 weniger als vor einem Jahr. In den beiden Vorjahren war der jahreszeitlich bedingte Anstieg deutlich höher aufgefallen. Ohne die Saisoneffekte wäre die Zahl der Erwerbslosen - so die Einschätzung der Fachleute - aktuell sogar um 15.000 gesunken. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen für Februar will die Bundesagentur für Arbeit (BA) am kommenden Donnerstag (27. Februar) bekanntgeben.

Die gute Entwicklung geht nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Volkswirt Heiko Peters teils auch auf das Konto des vergleichsweise milden Winterwetters. Da es zumindest im Flachland kaum Schnee gab, hätten die Arbeiten auf vielen Baustellen, aber auch im Landschafts- und Gartenbau ungehindert fortgesetzt werden können. Weniger Bauarbeitern und Gärtnern als sonst habe dadurch die vorübergehende Arbeitslosigkeit gedroht.

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Der Hauptschub für die allmähliche Entspannung auf dem Arbeitsmarkt kommt nach Beobachtungen der Volkswirte aber von der sich bessernden wirtschaftlichen Lage. „Die gute konjunkturelle Grundtendenz hat Tritt gefasst, das verstärkt jetzt auch die positive Tendenz auf dem Arbeitsmarkt“, urteilt etwa Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld. Ähnlich sieht das Allianz-Volkswirt Rolf Schneider: „Ich gehe davon aus, dass sich die positiven Tendenzen der letzten beiden Monate fortsetzen“, sagte er.

Nach Beobachtungen von Deutsche-Bank-Volkswirt Peters entstehen derzeit vor allem im Dienstleistungsbereich neue Stellen. Das verarbeitende Gewerbe hinke derzeit noch etwas hinterher, sei aber dabei aufzuholen. Dafür dürften nach seiner Einschätzung die gute Inlandsnachfrage und die anziehenden Exporte beitragen. Beides veranlasse Unternehmen derzeit verstärkt zu neuen Investitionen, was wiederum viele Firmen zu Neueinstellungen zwinge, erwartet Peters.

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