Volkswirte März-Arbeitslosigkeit um rund 70.000 gesunken

Mit steigenden Temperaturen wachsen die Chancen für Jobsuchende. Zehntausenden Beschäftigten in Außenberufen winkt wieder eine Anstellung - auch in diesem März.

Die Internet-Riesen suchen Mitarbeiter
Der Pharmahersteller Sanofi-Aventis will einem Bericht zufolge in Frankfurt rund 1000 neue Stellen schaffen. Noch in diesem Jahr wolle der Konzern 500 zusätzliche Mitarbeiter an seinem Standort in Frankfurt-Höchst einstellen, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Samstag) unter Berufung auf „informierte Kreise“. Bis 2017 sei ein weiterer Personalaufbau um 500 Arbeitsplätze geplant. Für die Produktion von Medikamenten für Zuckerkranke werde mehr Personal benötigt, schreibt die Zeitung. Eine Sprecherin des Unternehmens wollte den Bericht am Samstag nicht kommentieren. Das Frankfurter Werk ist laut Sanofi der weltweit größte Produktionsstandort für Insulin. Quelle: dpa
Der Gabelstapler-Hersteller Kion will kräftig in seine Forschung und Entwicklung investieren. In China sollen in den nächsten eineinhalb Jahren bis zu 150 neue Entwickler eingestellt werden, sagte Vorstandschef Gordon Riske in einem dpa-Interview in Wiesbaden. Der weltweit zweitgrößte Gabelstapler-Hersteller hat insgesamt elf Entwicklungszentren mit rund 950 Beschäftigten, davon vier in den Wachstumsmärkten China, Indien und Brasilien. Alleine etwa 300 Entwickler arbeiten in China. Mit den neuen Jobs will Kion vor allem Fahrzeuge für den asiatischen Raum entwickeln, aber auch Produktplattformen für andere Wachstumsmärkte entwerfen. Quelle: dpa
Der Autobauer Daimler übernimmt an seinem größten Produktionsstandort Sindelfingen 200 Leiharbeiter in eine Festanstellung. Dies teilte der Betriebsrat mit. Hundert von ihnen bekommen zunächst allerdings auf ein Jahr befristete Verträge. „Daimler wächst weltweit“, erklärte ein Sprecher. „Deshalb schaffen wir im Konzern neue Stellen.“ Der Autobauer steht derzeit wegen seiner Werkverträge in der Kritik und bemüht sich nun um eine Besserstellung der nicht fest angestellten Arbeitskräfte. Zuletzt hatte der Dax-Konzern bereits zahlreiche Werkverträge in bessergestellte Leiharbeitsverhältnisse geändert. Für diese gelten Tarifrechte wie der Anspruch auf eine feste Stelle nach 24 Monaten. Quelle: REUTERS
Dank guter Auslastung in seinen deutschen Werken übernimmt der Volkswagen-Konzern zum Jahreswechsel rund 1500 Leiharbeiter. 912 Zeitarbeitskräfte im Wolfsburger Stammwerk und 572 Zeitarbeitskollegen aus den anderen deutschen VW-Fabriken werden fest angestellt. Die Regelung gelte für alle VW-Leiharbeiter, die im Dezember, Januar oder Februar seit drei Jahren durchgehend in den deutschen VW-Werken gearbeitet haben werden. Eine neue Befristung wäre für die rund 1500 auf Zeit Angestellten gesetzlich verboten gewesen - VW hätte sie also entlassen oder, wie nun geplant, fest übernehmen müssen. Quelle: AP
Bosch stellt in Deutschland, Italien, Portugal und Spanien zusätzlich 100 Ausbildungsplätze für Jugendliche aus Südeuropa zur Verfügung. Hintergrund der Maßnahme ist die dort hohe Jugendarbeitslosigkeit. Das Projekt soll mit Ausbildungsjahr 2014 starten. Zusätzliche 50 Ausbildungsplätze in Deutschland werden mit Bewerbern aus Spanien besetzt. Für die Initiative werden rund 7,5 Millionen Euro über die nächsten vier Jahre zur Verfügung. Quelle: dpa
Der Sportwagenbauer Porsche hat im vergangenen Jahr seinen Mitarbeiterstamm deutlich ausgebaut. Ende September beschäftigte die VW-Tochter 18.882 Mitarbeiter nach 17.066 im Vorjahr, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Rund 700 Stellen seien im neuen Macan-Werk in Leipzig geschaffen worden, sagte ein Sprecher, der Rest am Porsche-Stammsitz in Zuffenhausen und im Entwicklungszentrum in Weissach nahe Stuttgart. Bis 2018 will Porsche seine Belegschaft auf gut 20.000 ausbauen. Der operative Gewinn der Sportwagenschmiede stagnierte allerdings in den ersten neun Monaten bei 1,89 Milliarden Euro. Grund seien die hohen Investitionen, sagte Porsche-Chef Matthias Müller. Porsche investiert in diesem Jahr rund 1,3 Milliarden Euro - unter anderem in die neue Macan-Produktion in Leipzig und rechnet deshalb 2013 mit einem Gewinn auf Vorjahresniveau. Bei Umsatz und Absatz ist der Sportwagenbauer dagegen auf dem Weg zu neuen Rekordwerten. Die Erlöse steigerte Porsche in den ersten neun Monaten um drei Prozent auf 10,4 Milliarden Euro. Dabei lieferte der Sportwagenbauer von Januar bis September fast 120.000 Fahrzeuge an Kunden aus - ein Plus von 15 Prozent. Quelle: dpa
BNP Paribas wird ihr Geschäft in Deutschland ausbauen und rund 500 Menschen einstellen. Es ist eine der führenden Geschäftsbanken in Frankreich - und eine der größten Banken Europas. Sie wird damit zum Konkurrenten der Deutschen Bank. Mit der Aufstockung der Mitarbeiter hat BNP Paribas dann rund 4000 Mitarbeiter in Deutschland. Quelle: REUTERS

Der Frühjahrsaufschwung hat nach Experteneinschätzung für einen stärkeren Rückgang der Arbeitslosigkeit in Deutschland gesorgt. Insgesamt seien zum Frühjahrsbeginn 3,07 Millionen Männer und Frauen arbeitslos gewesen, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken unter Berufung auf eigene Berechnungen. Das wären rund 70 000 weniger als im Februar und rund 30 000 weniger als vor einem Jahr. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen für den März will die Bundesagentur für Arbeit an diesem Dienstag (1. April) bekanntgeben.


Nach Ansicht von Allianz-Ökonom Rolf Schneider haben sich die Hinweise auf eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt im März weiter verstärkt: „Es gibt klare Anzeichen, dass die Konjunktur im ersten Quartal kräftig gewachsen ist. Das hilft auch dem Arbeitsmarkt.“ Mit weiteren Fortschritten am Arbeitsmarkt rechnet auch Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld. Besonders kräftig werde der Aufschwung aber nicht ausfallen, schätzt er - und verweist auf die bislang eher „verhaltenen Investitionen“ deutscher Unternehmen. Diese seien aber erforderlich, um kräftigere Jobzuwächse auszulösen.

Als Bremse auf dem Arbeitsmarkt könnte nach Ansicht der Volkswirte die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Mindestlohnregelung wirken. „Es zeigt sich immer mehr, dass manche Unternehmen erst mal abwarten, wie sich die Regelung auswirkt, bevor sie größere Personalprogramme auflegen“, berichtet etwa Tuchtfeld.

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Vieles hänge auch von der konkreten Ausgestaltung der Mindestlohnregeln ab. Mit gravierenden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt rechnet Tuchtfeld aber nicht. Ähnlich sieht das auch sein Kollege Schneider. Er geht ohnehin davon aus, dass die Folgen erst im kommenden Jahr auf dem Arbeitsmarkt spürbar werden. Grundsätzlich werde der Arbeitsmarkt aber von der erwarteten Konjunkturbelebung profitieren. Damit wüchsen auch wieder die Chancen von Arbeitslosen. Bisher hatten von neu geschaffenen Stellen vor allem zuwandernde EU-Bürger und in den Beruf zurückkehrende Frauen profitiert.

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