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Währungskrieg Die gefährliche Flucht in den US-Dollar

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Eine Abwärtsspirale

Wachstum und Beschäftigung wird das nicht fördern. Ein künstliches Absenken der Zinsen und ein Vermehren der Geldmenge machen eine Volkswirtschaft nicht reicher. Sie verursachen vielmehr eine Fehllenkung von Kapital und entwerten den Geldwert. Beides schwächt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Es wird daher nur eine Frage der Zeit sein, bis die QE-Politiken das Vertrauen in den Yen und Euro spürbar schwächen. Was könnte daraus erwachsen? Sparer und Investoren könnten erkennen, dass die Geldmengenvermehrung nicht zum Stillstand kommen wird, dass ihnen der Zinsbezug nicht nur vorrübergehend, sondern dauerhaft entzogen ist.

Wer vom schwachen Euro profitiert - und wer nicht
Verlierer: AutofahrerBeim Tanken könnte der schwächere Euro zu höheren Preisen führen. Denn Rohöl und Benzin werden international in Dollar gehandelt. Je weniger der Euro zum Dollar wert ist, umso mehr kostet im Gegenzug ja der Dollar - und damit jede Ware, die in US-Währung bezahlt werden muss. Zu einem richtig ernsten Problem an den Zapfsäulen würde dies aber erst, wenn parallel das Rohöl auf den internationalen Märkten drastisch teurer wird. Das ist im Moment aber eher nicht zu erwarten: Die Rohölpreise sind aktuell eher rückläufig. Quelle: dpa
Verlierer: TouristenEuropäer konnten sich in den USA lange wie Krösus fühlen, als der Euro richtig viel wert war. Wie sich der aktuelle Trend in ihrer Reisekasse bemerkbar macht, zeigt ein Rechenbeispiel: Für ein Frühstück, das in New York gleichbleibend 4,79 Dollar kostet, mussten Touristen aus der Eurozone zur Euro-Spitzenzeit 2006 umgerechnet nur rund 3 Euro umtauschen, im Mai 2014 dagegen schon 3,45 und mittlerweile sogar etwa 3,75 Euro. Auch für Englandreisende gibt es dieses Problem. Währungseffekte sind allerdings für all die Urlauber kein Thema, die ihre Ferien in der Heimat oder den inzwischen 17 Partnerländern der Eurozone verbringen. Quelle: dpa
Gewinner: ExportFür die Exportwirtschaft kann die Schwächung des Euro wie ein kleines Konjunkturprogramm wirken. Je weniger ein Euro im fremder Währung kostet, umso billiger können ausländische Kunden in der Eurozone einkaufen. Das kurbelt die Nachfrage nach europäischen Produkten an. Quelle: AP
Gewinner: FrankreichDie Nummer zwei der Eurozone steckt in der schweren Wirtschaftskrise - und appelliert seit Jahren an die EZB: Schwächt den Euro. Um das Problem der Franzosen zu verstehen, ist ein Rückblick in die Währungsgeschichte nötig. Als es den Euro noch nicht gab, war die D-Mark die „teuerste“ aller Währungen in Europa. Im Gegenzug verloren fast alle anderen zum Teil kräftig an Wert, zum Beispiel eben auch der französische Franc. Das sorgte über Jahre dafür, dass französische Unternehmen trotz steigender Kosten im Ausland relativ billig anbieten konnten - weil „ihr“ Geld eben immer weniger wert wurde. Dieser Effekt ist mit der gemeinsamen Währung seit 1999 passé. Dauerhaft kann Frankreich das Problem aber nur lösen, wenn die Wirtschaft wettbewerbsfähiger wird - oder wie es manche Ökonomen ausdrücken, ihre „Reformverweigerung“ aufgibt. Quelle: dapd
Firmenlogos Apple, SAp, Siemens, Exxon Quelle: dpa

Daraufhin fällt die Nachfrage nach Yen und Euro. Yen- und Euro-Schuldpapiere werden auf den Markt geworfen. Im Bestreben, einen dadurch drohenden Zinsauftrieb zu verhindern, kaufen die Zentralbanken die Wertpapiere und bezahlen die Käufe mit neu geschaffenem Geld. Die Geldmengen schwellen noch weiter an und lassen das Vertrauen in die Währungen schwinden. Eine „Abwärtsspirale“ kommt in Gang: Immer mehr Yen- und Euro-Wertpapiere werden auf den Markt geschmissen, die von den Zentralbanken mit neu geschaffenem Geld bezahlt werden. Yen- und Euro-Anleger wenden sich von Schuldtiteln ab und fragen andere Anlage nach – wie zum Beispiel heimische Aktien, Grundstücke und Immobilien. Ihre Preisinflation ist damit quasi vorprogrammiert.

Ökonomen zu den Staatsanleihenkäufen der EZB

Fluchtpunkt US-Dollar

Doch das Yen- und Euro-Anlagekapital wird auch zusehends in die Auslandsmärkte drängen. Da der Großteil der Papiergeldersparnisse von der systemtreuen Banken- und Finanzindustrie verwaltet wird, ist das Ziel einer solchen Kapitalflucht absehbar: der US-Dollar. Für viele professionelle Anleger ist der Greenback die vergleichsweise vorteilhafteste, die sicherste Option: Der US-Dollar bietet die liquidesten Finanzmärkte, er ist aus Investorensicht unter den ungedeckten Papierwährungen immer noch das vergleichsweise geringstes Übel. Eine Fluchtbewegung in den US-Dollar würde Yen und Euro stark abwerten lassen gegenüber der Weltleitwährung.

Der Grund ist, dass die Zinsen als „Anpassungsparameter“ ausfallen, so dass die Anpassungslast der Kapitalflucht allein von den Wechselkursen zu tragen ist. Normalerweise steigen die Zinsen in dem Währungsraum, aus dem das Kapital flieht, und das dämpft die Abwertung der heimischen Währung gegenüber der Währung, in die das Kapital drängt. Steigende heimische Zinsen wirken der Kapitalflucht entgegen und mildern den Abwertungsdruck auf den Außenwert der heimischen Währung. Wenn jedoch ein Zinsanstieg durch die Geldpolitik verhindert wird, entlädt sich die Kapitalflucht durch den Verfall des Wechselkurses. Mit Blick auf die Tiefzinspolitik in Japan und dem Euroraum steht die Aufwertung des US-Dollar, die bereits gegen Ende 2012 eingesetzt hat, vermutlich erst noch am Anfang.

Konjunktur



Nur eine Durchgangsstation

Der US-Dollar mag unter den ungedeckten Papierwährungen die erste Wahl sein, und er mag Yen- und Euro-Anlegern noch weitere Aufwertungsgewinne bescheren, wenn das Anlagekapital zusehends aus der „Peripherie“ des weltweiten Dollar-Devisen-Standards abwandert und hin zum vergleichsweise „härteren Kern“ drängt. Doch auch der US-Dollar wird Sparern und Investoren nicht das ersehnte Heil bringen. Er ist bestenfalls eine Durchgangsstation auf einem Fluchtweg, um der Zerrüttung des weltweiten ungedeckten Papiergeldsystems zu entkommen, die letztlich auch der amerikanischen Weltleitwährung bevorsteht.

Zu dieser Einschätzung passt ein Zitat des ehemalige Vorsitzenden der amerikanischen Zentralbank, Alan Greenspan, der Ende Oktober 2014 sagte: “Gold is a currency. It is still, by all evidence, a premier currency. No fiat currency, including the dollar, can match it.“ So gesehen wäre es nicht verwunderlich, wenn die “große Dollar-Aufwertung” nur der erste Schritt ist, auf den ein zweiter Schritt folgt: die wachsende Nachfrage nach Gold, dem ultimativen Zahlungsmittel.

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