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Währungskrieg Mit dem Dollar gegen den Rest der Welt

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Brasilien ist ein prominentes Beispiel, denn dort ist der schwache Dollar derzeit Reizthema Nummer eins. Der Kurs des brasilianischen Real hat sich zum Dollar seit 2003 mehr als verdoppelt – gut ein Drittel des Anstiegs entfiel allein auf das vergangene halbe Jahr.

Die Exportunternehmen ächzen unter der Last – der Flugzeugbauer Embraer und der Stahlkonzern CSN melden in ihren aktuellen Quartalsberichten deutlich schrumpfende Gewinne. Die Industrie macht massiv Druck.

Brasiliens neue Präsidentin Dilma Rousseff hat zwar in ihrer ersten Ansprache beteuert, Brasilien werde sich nicht an einem Abwertungswettlauf beteiligen. Doch ihr Schattenkabinett diskutiert bereits neue Maßnahmen, um den Kapitalzufluss einzudämmen.

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Ex-Präsident Lula hatte die Kapitalimportsteuer seit Anfang Oktober zweimal von zwei auf nunmehr sechs Prozent nach oben geschleust. Weitere Schritte – gestaffelt nach der Verweildauer des Kapitals im Land – werden erwartet. Wie geladen die Situation ist, zeigen zudem neue Spannungen mit Peking.

Lange schreckte Lula davor zurück, China wegen seiner Dumping-Exporte anzuprangern. Immerhin ist China Hauptabnehmer brasilianischer Rohstoffe. Doch nun platzt der Regierung der Kragen, und sie will bei der Welthandelsorganisation gegen China vor Gericht ziehen.

Intervention ist verpufft

Teilansicht eines Quelle: REUTERS

Japan gehört derweil zu den Ländern, die immer noch Überschüsse erwirtschaften. Doch derzeit schmelzen sie dahin wie der Schnee in der Sonne.

Der Yen kletterte zuletzt fast auf sein 15 Jahre altes Allzeithoch zum Dollar. Entsprechend massiv hat sich das Exportwachstum abgeschwächt: Nach 40 Prozent im Januar wuchsen die Ausfuhren im September nur noch um 14,4 Prozent. Für das laufende Quartal erwarten Ökonomen eine schrumpfende Wirtschaftsleistung, viele Unternehmen haben ihre Gewinnprognosen gesenkt.

Eine gute Sache, könnte man meinen, denn das trägt im Sinne der internationalen Gipfelrhetorik dazu bei, die globalen Ungleichgewichte der Handelsströme einzuebnen. Doch Tokio sieht das anders und stemmt sich verzweifelt gegen den Trend: Mitte September intervenierte die Bank von Japan am Devisenmarkt und kaufte massiv Dollar gegen Yen an, um den Kurs der eigenen Währung zu drücken. Anfang Oktober drückte sie den Leitzins auf null Prozent und kündigte neue Wertpapierkäufe an.

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Doch der Yen schwächelte nur kurz, um dann seinen Aufwärtstrend fortzusetzen. „Bei diesem Wechselkurs können wir niemals gewinnen“, klagte Katsuhiko Machida, Chairmen des TV-Herstellers Sharp.

Volkswagen-Partner Suzuki droht derweil seine japanische Produktion auf den Prüfstand zu stellen: „Wir schreiben rote Zahlen, wenn wir bei diesem Yen-Kurs in Japan Autos bauen“, erklärte Firmenchef Osamu Suzuki. Seine nächste Fabrik will er in Thailand bauen. Ökonomen erwarten, dass Tokio erneut intervenieren wird, wenn der Dollar unter die Marke von 80 Yen fällt.

In vielen asiatischen Schwellenländern macht sich derweil die Angst breit, die massiven Kapitalzuflüsse könnten an den Immobilien- und Aktienmärkten der Region zu gefährlichen Preisblasen führen. Denn rund um den Globus fliehen Investoren aus den Niedrigzinsregionen USA und Euro-Land – und nehmen dafür auch höhere Risiken in Kauf.

Die Dollar-Schwemme, die nicht voll vom US-Markt absorbiert werden kann, tut ihr übriges. In Singapur etwa sind die Immobilienpreise zuletzt um 37 Prozent gestiegen und damit noch stärker als in den als extrem überhitzt geltenden Städten Peking und Shanghai.

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