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Währungskrieg Mit dem Dollar gegen den Rest der Welt

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Leistungsbilanz

In Indonesiens Hauptstadt Jakarta hat der Aktienindex seit Januar bereits um 40 Prozent zugelegt. Die Analysten der UniCredit sehen „alle Voraussetzungen für eine große, neue Blase“ gegeben. Die Nachfrage der Finanzmärkte nach Ramschanleihen ist in den vergangenen Monaten sprunghaft angestiegen.

Nun halten die Tigerstaaten dagegen: In Thailand verhängte die Regierung Mitte Oktober eine 15-prozentige Steuer auf alle festverzinslichen Kapitalzuflüsse. In Südkorea und Indonesien denken die Regierungen laut über Kapitalverkehrskontrollen nach. Seoul etwa erwägt eine Sondersteuer für Devisengeschäfte sowie eine 14-prozentige Abgabe auf Gewinne ausländischer Investitionen in Anleihen.

Währungsreseven

Indonesien hat bereits die Haltefristen für ausländische Anleiheinvestoren verlängert. Weitere Restriktionen, so der indonesische Vize-Zentralbankchef Budi Mulya, könnten das schädliche Potenzial von Kapitalzuflüssen umkehren. Thailands Regierung bestätigte am Donnerstag, es gebe Gespräche mit Nachbar-Notenbanken, wie man gemeinsam gegen spekulative Kapitalzuflüsse agieren könne.

Im Euro-Raum ist man von solchen Überlegungen derzeit noch weit entfernt. Doch gerade die deutschen Exporteure beobachten den Wechselkurs mit Argusaugen. Da Deutschlands Wirtschaftsleistung zu mehr als 50 Prozent auf Exporten basiert, ist seine Volkswirtschaft so verletzlich wie keine andere in der Euro-Zone und wäre besonders hart von einer massiven Aufwertung getroffen.

Dicke Bretter

Die Europäische Zentralbank (EZB) wartet derzeit noch ab. EZB-Chef Jean-Claude Trichet wollte vergangenen Donnerstag die Entscheidung der Fed nicht kommentieren. Er habe Vertrauen in Bernanke, dass er an einem starken Dollar interessiert sei, sagte er. Sollte der Dollar jedoch weiter nachgeben, müsste auch Trichet seine Zurückhaltung aufgeben, denn ein starker Euro drückt die EZB-Wachstumsprognosen für den Euro-Raum in den Keller. Die Ökonomen der UBS sehen die Schmerzgrenze bei 1,60 Dollar je Euro erreicht. Die Gefahr, dass die EZB sich aktiv einschaltet, ist noch gering, aber sie steigt mit dem Verfall des Dollar.

All dies müsste den Handlungsdruck auf die Staatengemeinschaft erhöhen. Doch die Kosten von Reformen, die an der Korrektur der globalen Ungewichte ansetzen, sind offenbar immer noch zu hoch. „Seit Jahren reden die Staaten darüber, dass sie die Ungleichgewichte reduzieren wollen, doch passiert ist bislang so gut wie nichts“, moniert Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert.

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