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Währungsunion Die Lebenslügen des Euro

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Lebenslüge 2: Mehr Konvergenz

ARCHIV - ILLUSTRATION - Kunden Quelle: dpa

Schon in den Siebzigerjahren träumten die Politiker von den Vereinigten Staaten von Europa. Um diesen Traum zu verwirklichen, plädierten sie dafür, die wirtschaftliche Integration durch eine gemeinsame Währung zu beschleunigen. Mit dieser sogenannten Grundsteintheorie setzten sie sich gegen die Vertreter der Krönungstheorie durch. Letztere warnten, eine gemeinsame Währung dürfe erst eingeführt werden, wenn die beteiligten Länder sich wirtschaftlich stark angeglichen haben. In der Euro-Krise entpuppt sich die Grundsteintheorie nun als historischer Irrtum. Statt zusammenzuwachsen, haben sich die Mitgliedsländer wirtschaftlich auseinandergelebt. Handelsungleichgewichte verstärken die zentrifugalen Kräfte.

Dabei schien zunächst alles glattzulaufen. Im Vorfeld der Euro-Einführung gingen die Zinsen in den Peripherieländern auf Talfahrt und näherten sich dem Niveau in Deutschland an. Mit der Mitgliedschaft in der Euro-Zone verband sich die Aussicht auf Preisstabilität und eine bessere Bonität. So sanken die kurzfristigen Zinsen in Spanien von 7,5 Prozent im Jahr 1996 auf 3,0 Prozent 1999. In Irland gaben sie von 5,4 auf 3,0 Prozent, in Italien von 8,8 auf 3,0 Prozent nach. Die niedrigen Geldbeschaffungskosten entfachten einen kreditfinanzierten Investitions-, Bau- und Konsumboom, der die Importe der Südländer in die Höhe trieb.

Schuldenländer müssen Löhne senken

Davon profitierte auch Deutschland. Die Leistungsbilanzen rutschten ins Defizit. In Spanien erreichte der Negativsaldo 2007 rund zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), in Griechenland 2008 rund 15 Prozent. Dagegen häufte Deutschland große Überschüsse in der Leistungsbilanz an. Die Krise zwingt die Südländer nun zur Korrektur. Sie müssen Löhne und Preise senken, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Doch das würgt die Konjunktur ab und erschwert die Konsolidierung der Staatshaushalte. Dagegen wächst die deutsche Wirtschaft kräftig. Die divergierende Euro-Zone lässt sich kaum mehr durch einen Einheitszins steuern.

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