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Walther Otremba Die Krise ist beherrschbar

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Dass die Geschwindigkeit der Anpassung nach unten zugleich ein solides Hoffnungszeichen ist, zeigen die verschiedenen finanziellen Zeitreihen. Fast alle finanziellen Werte – Aktien, Häuserpreise in den USA, Rohölnotierungen – haben in den letzten Jahren eine scharfe Abweichung vom langfristigen Trend nach oben vollzogen. Jetzt sind diese Werte fast wieder auf „Normalniveau“, manche auch schon darunter. Und bei vielen Preis- und Konjunkturdaten geht der Knick inzwischen wieder nach oben.

Die letztlich nur scheinbaren Wertsteigerungen der vergangenen Jahre, die Investoren und Konsumenten vom Pfad der finanziellen Solidität abgebracht hatten, haben sich wieder dorthin verflüchtigt, wo sie herkamen – ins Nichts. Allerdings nicht folgenlos: Die Profiteure des Booms sind nicht die gleichen, die heute die Anpassungslast tragen. Da wird man anpacken müssen, wenn man etwas besser machen will: bei der Haftung derjenigen, die finanzielle Entscheidungen und Fehlentscheidungen treffen. Es kann nicht wieder angehen, dass einige mit Millionenboni, fantastischen Gehältern und 25-Prozent-Renditen auf und davon sind – und die Steuerzahler als Vollkaskoversicherung herhalten müssen.

Keine Frage: Die gegenwärtige Anpassungskrise erscheint in ihrer weltweiten Dimension bedrohlicher als frühere Rezessionen. Aber negative Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung sollten uns nicht in Angststarre versetzen. Unsere Fähigkeit, unsere Produktions- und Exportmöglichkeiten sind nicht von heute auf morgen verschwunden. Die Abbestellungspanik nach der Lehman-Pleite – die den Abschwung nach unten hat überschießen lassen – löst sich, und die Läger müssen wieder gefüllt werden. Deshalb wird es auch nicht vier, fünf oder sechs Jahre dauern, bis wir die wirtschaftliche Leistung von 2008 wieder erreicht haben – wie vielfach vermutet wird. Denn wir müssen ja in den kommenden Perioden nicht neue Wachstumsfelder erst roden, sondern nur schon kultivierte Wachstumsfelder erneut in Nutzung nehmen.

Insolvenzverhinderer und Unternehmensretter vernichten Arbeitsplätze

Wir sind auch nicht gezwungen, der Anpassungskrise tatenlos zuzusehen. Wir wissen zum Beispiel, weil die Gesetze des Marktes weiter gelten, dass Staaten solchen Negativ-Spekulationen durch entschlossenes und vor allem gemeinsames Handeln entgegentreten können. Noch nie in der Nachkriegsgeschichte hat die Politik so umfassend einer Krise entgegengewirkt. Auch die Notenbanken haben sich weitaus flexibler gezeigt, als mancher es ihnen zugetraut hätte. So konnte der weltweiten Wachstumskrise ein weltweites Netz unterspannt werden, das berechtigte Hoffnung auf ein Ende des Abschwungs zulässt.

Nötig ist jetzt Vertrauen in die erprobte und erfolgreiche Wirtschaftsordnung – und in die eigenen Handlungen. Die Bundesregierung hat innerhalb weniger Monate rund 600 Milliarden Euro an Bürgschaften, Krediten und Haushaltsmitteln für die Finanzwelt, den produzierenden Sektor und für die Stabilisierung des Arbeitsmarktes aufgebracht. Das ist kein verlorenes Geld. Es kommt wieder dem Wirtschaftskreislauf zugute, schafft Arbeit und Einkommen. Wer angesichts dieser Größenordnungen der Hilfe zusätzlich noch auf das kleine Karo setzt und am empfindlichen Räderwerk der Marktwirtschaft herumschraubt, stellt den Erfolg der bisher guten Strategien infrage:

- Wer die Insolvenz gefährdeter Betriebe generell verhindern will, vernichtet anderswo mindestens genauso viele Arbeitsplätze, wie er zu retten meint.

- Wer Löhne, Preise, Gehälter und Gewinn staatlich regulieren will, erzeugt Knappheit und behindert neues Wachstum.

- Wer bestimmte Finanzgeschäfte bei uns verbietet, schafft Prosperität – in entfernten Regionen der Welt.

Die Krise ist beherrschbar

Diese Irrwege sollten wir uns ersparen: Die Krise ist erklärbar. Die Krise ist beherrschbar. Arbeiten, Sparen, Finanzieren, Investieren und Verkaufen werden sich auch in Zukunft lohnen. Was Deutschland anbietet, bleibt weltweit gefragt – wenn wir uns auf alle Veränderungen einstellen. Den bisherigen Weg als „marktradikal“ zu diffamieren ist ignorant. Der Markt kann gar nicht radikal sein, weil er der humanste, allein auf Freiwilligkeit aller Beteiligten setzende Begegnungsort der Menschen ist. Auf ihm hat ökonomisches Zusammenwirken überhaupt erst begonnen. Und als Wochenmarkt oder Industriemesse prägt er friedlichstes Leben in kleinen Städten wie in großen Metropolen.

Die Marktwirtschaft infrage zu stellen ist Zeitverschwendung. Sie ist krisenerprobt und funktioniert. Machen wir uns an die Arbeit.

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