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Welt.Wirtschaft

Die Wirtschaftsbilanz des Donald Trump

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US-Handelspolitik entspricht Trumps Wahlversprechen

Auch mit Blick auf Europa wirkt Trumps Politik. Obwohl es bislang keine gravierenden Veränderungen im Handelsregime mit Europa gibt, sind die Exporte der USA in die Euro-Zone 2019 um rund 15 Milliarden auf 247 Milliarden Dollar gestiegen. Heraus sticht ein Exportboom in der Automobilindustrie; die Branche hat fast 30 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr aus den USA nach Europa exportiert, wenn auch von einem niedrigen Niveau aus.

Wie kommt das? Wahrscheinlich ist, dass die Autobauer bereits auf Trumps Androhung höherer Zölle auf europäische Fahrzeuge reagieren – und Produktion in die USA verlagern. Anders gesagt: Der US-Exportboom verdankt sich etwa der Verschiffung von „deutschen“ SUVs aus US-Werken nach Europa. Hinzu kommen einige Teslas, die dank der E-Auto-Förderung in Europa stärker gefragt sind.

Unterm Strich ist das Ergebnis des Handels mit Europa allerdings nicht in Trumps Sinne. Schaut man über alle Branchen, importierten die Amerikaner 2019 Güter im Wert von 14 Mrd. Dollar mehr als noch im Vorjahr, wobei Deutschland diesmal für diesen Zuwachs nicht verantwortlich ist. Dollar. Diese Zahlen zeigen unter anderem die Handelsumlenkung von China nach Europa. Sie machen auch deutlich, warum Trump im Hinblick auf Europa nicht locker lässt. Er möchte Europa am liebsten ähnlich in die Knie zwingen wie China. Aber Handelsexperten in der US-Regierung wissen auch, dass Europa  – wenn es als großer Wirtschaftsraum geschlossen handelt – der US-Wirtschaft mit Gegenmaßnahmen erheblich schaden kann. Das könnte Trump von einer Eskalation des Konflikts vor der Wahl abhalten. Können wir uns also bis dahin in Sicherheit wiegen? Nein. Dafür handelt der Mann im weißen Haus zu erratisch.

Hier zeigt sich ein weiteres Muster der Trump’schen Wirtschaftspolitik. Der Präsident animiert Unternehmen drohend, Entscheidungen in seinem Sinne zu treffen. Gelingt das, braucht er keinen Zollkrieg und bekommt dennoch, was er will: eine Verlagerung von Industrieproduktion in die USA. Und auch wenn sie uns nicht gefällt – Trumps Handelspolitik folgt seinen Wahlversprechen. Er hat für die USA zumindest kurzfristig vorteilhafte Abkommen etwa mit Korea, Japan, Kanada und Mexiko geschlossen. Er hat die Konkurrenz aus China zurückgedrängt. Und er treibt die Europäer vor sich her.

Die Effekte regulatorischer Erleichterungen der US-Regierung für die heimischen Unternehmen sind schwerer zu messen. Sie sind umweltpolitische Rückschritte, können aber ein positiveres Investitionsklima schaffen. Das Wissen, im Zweifel mit einer wirtschaftsfreundlichen Regulierung rechnen zu können, kann Unternehmen animieren, risikofreudiger Investitionsentscheidungen zu treffen.

Dazu mag auch beitragen, wie Trump seine vielleicht wirksamste – für Ökonomen besonders schwierig fassbare – Waffe einsetzt: die Unsicherheit. Für eine große Volkswirtschaft wie die USA, die relativ weniger wirtschaftlich vom Ausland abhängig ist als kleinere Länder und zudem über die Welt-Reservewährung Dollar verfügt, kann das Schüren von Unsicherheit eine gewinnbringende Strategie sein. Wenn global das Wachstum wackelt und die USA als taktgebender Spieler anerkannt sind, gewinnen sie für Investoren an Attraktivität: Sie erscheinen als sicherer Hafen. Der seit zwei Jahren steigende Dollar-Kurs spricht dafür, dass diese Strategie aufgehen könnte.

Strohfeuer oder langfristige Prosperität?

Ein Fazit? Trump kann im Wahlkampf wirtschaftspolitisch punkten. Zwar kommt die Entwicklung der US-Industrie nicht wirklich vom Fleck. Aber anderswo – besonders in Deutschland – entwickelt sich die Industrieproduktion viel schwächer. Chinas Wachstum ist durch Trumps Powerplay ins Schlingern geraten und leidet unter der Coronaepidemie. Die Effekte des Virus werden noch über Monate zu spüren sein, wenn nicht länger. Währenddessen wachsen die USA solide, wenn auch weniger dynamisch als 2018. Zwar weist die Zinsdifferenz zwischen kurz- und langfristigen Anleihen aus Investorensicht auf steigende Abwärtsrisiken hin. Doch wesentliche realwirtschaftliche Indikatoren sprechen nicht für einen Konjunktureinbruch in naher Zukunft.



Hat Trump also alles richtig gemacht? Um das zu beurteilen, muss die kontrafaktische Frage gestellt werden: Was wäre gewesen, hätten die USA in den vergangenen drei Jahren eine kooperativere Wirtschafts- und Handelspolitik gefahren? Bei allen Messschwierigkeiten: Es gibt belastbare Hinweise, dass die von Trump geschürte Unsicherheit das weltweite Wachstum gebremst hat und damit auch das der USA. Sowohl die theoretischen Modelle als auch die empirischen Belege sprechen klar dafür, dass eine weltweit arbeitsteilig organisierte Wirtschaft allen Volkswirtschaften zugutekommt. Dass der Aufschwung in den USA an Dynamik verloren hat, bestätigt die Befürchtung, dass die Trump-Regierung eher wirtschaftspolitische Strohfeuer gezündet hat, statt die Grundlagen für langfristige Prosperität zu stärken.

Machtpolitisch mag das allerdings funktionieren: Trump kann auf niedrige Arbeitslosenquoten und eine wachsende Wirtschaft verweisen – vor allem im internationalen Vergleich. Sehr konsequent stärkt er jene Branchen und Regionen, wo er seine wichtigsten Wähler verortet. Werden sich derart besser gestellte Wähler die Frage stellen, was mit einer anderen Wirtschaftspolitik für die gesamte US-Volkswirtschaft möglich gewesen wäre? Wohl eher nicht.

„Welt.Wirtschaft“: Die neue Kolumne der WirtschaftsWoche
Das Volkswirte-Team der WirtschaftsWoche hat zusammen mit Gabriel Felbermayr eine neue Kolumne konzipiert. Die „Welt.Wirtschaft“ erscheint künftig zu Monatsbeginn exklusiv auf der WiWo-Website. In seinen Beiträgen wird sich Felbermayr, einer der renommiertesten Ökonomen des Landes, vor allem mit Fragen der globalen Wirtschaftspolitik und der ökonomischen Integration Europas beschäftigen. Alle künftigen Folgen finden Sie unter wiwo.de/themen/welt-wirtschaft.

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