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Weltwirtschaft Am Sparen führt kein Weg vorbei

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Auto-Export Quelle: AP

Ähnlich moderat fällt die Sparpolitik in Italien aus, wo die Defizitquote von 5,0 auf 3,9 Prozent sinken soll. Der reine Spareffekt beträgt dabei nur 0,7 Prozent vom BIP. Etwas größer fällt die Sparaktion in Frankreich aus. Dort plant die Regierung unter Premierminister François Fillon – trotz des Widerstands von Staatspräsident Sarkozy – eine Defizit-Reduktion um rund zwei Prozentpunkte von 8,2 auf 6,0 Prozent vom BIP. Der reine Spareffekt liegt bei 1,9 Prozent.

Deutlich härter geht es in Griechenland zur Sache. Das Sparpaket von Ministerpräsident Papandreou beläuft sich in diesem Jahr auf 8,4 Prozent des BIPs, im nächsten Jahr kommen noch mal 2,8 Prozent vom BIP dazu. Ökonomen rechnen daher damit, dass die hellenische Wirtschaft in diesem und im nächsten Jahr kräftig schrumpfen wird.

Neues Komjunkturprogramm für die USA

Doch für Euro-Land insgesamt ergibt sich nach Berechnungen der Commerzbank für 2011 ein Sparimpuls von etwa einem Prozent des BIPs – zu wenig, um die Konjunktur in der gesamten Währungsunion crashen zu lassen. „Die Sparpakete der Euro-Länder sind bei Weitem nicht so drastisch wie sie zuweilen dargestellt werden“, resümiert Marco Annunziata, Chefvolkswirt der italienischen Bank UniCredit.

Das gilt auch für die USA. In den nächsten Quartalen werden zwar viele Maßnahmen aus dem knapp 800 Milliarden Dollar schweren Konjunkturprogramm von Präsident Barack Obama auslaufen. Von der Finanzpolitik geht daher im nächsten Jahr ein Spareffekt von rund 1,4 Prozent vom BIP aus. Doch schon plant Obama, ein neues Konjunkturprogramm aufzulegen.

Leitzinsen bleiben unten

Zudem hat die Erfahrung vieler Länder mit harten Sparprogrammen gezeigt, dass diese die Konjunktur weniger stark bremsen als gemeinhin befürchtet. Vor allem wenn der Staat einen hohen Teil der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung für sich beansprucht, führen radikale Rotstiftaktionen mittelfristig sogar zu höheren Wachstumsraten. Studien des Harvard-Ökonomen Alberto Alesina zeigen, dass besonders die Konsolidierungsstrategien erfolgreich sind, deren Schwerpunkt auf Ausgabenkürzungen liegt. Der Grund: Sinken die Staatsausgaben, verringert sich das Defizit im Staatshaushalt nachhaltig. „Das senkt die Wahrscheinlichkeit von Steuererhöhungen in späteren Jahren und verringert die Finanzierungskosten für Staat und Unternehmen“, erklärt Annunziata. Die Folge: Konsum und Investitionen ziehen an und federn die Bremswirkungen der staatlichen Sparaktionen ab. Nach Berechnungen der Ökonomen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) und des Analyseinstituts Kiel Economics verschwinden die dämpfenden Wirkungen der staatlichen Sparmaßnahmen schon nach wenigen Jahren.

Bringen die Regierungen die Staatshaushalte wieder ins Lot, hat das auch Einfluss auf die Notenbanken. „Die Währungshüter werden die Leitzinsen für längere Zeit niedrig lassen, um die dämpfenden Impulse der Sparpakete abzufedern“, erwartet Global-Insight-Ökonom Archer. So werde die EZB die Leitzinsen erst Ende 2011 anheben.

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