WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Weltwirtschaft Gefahr für Deutschlands Konjunktur

Seite 4/6

A worker makes final Quelle: REUTERS

Besonders fatal dabei: Der Kursrutsch an den Aktienmärkten erhöht das Rezessionsrisiko noch. Denn mit dem Einbruch der Kurse schrumpft das Vermögen der Bürger, das durch die sinkenden Häuserpreise ohnehin abgeschmolzen ist. In den USA, wo mehr Menschen Aktien besitzen als in Deutschland, drückt das die Konsumlaune. So zeigen Studien, dass jeder Dollar, den die US-Haushalte an Vermögen verlieren, ihren Konsum um bis zu sieben Cent verringert. Auch die Unternehmen geraten in die Bredouille. Für sie wird es wegen des Kurscrashs schwieriger und teurer, sich über die Emission von Aktien zu finanzieren. Das bremst ihre Investitionsbereitschaft.

Doch nicht nur der Kursrückgang, auch die hohen Schwankungen an den Finanzmärkten wirbeln die Realwirtschaft durcheinander. Die unbequeme Wahrheit lautet: Das Zeitalter der langen Konjunkturzyklen ist vorbei. Angesichts der zunehmenden Vernetzung der Volkswirtschaften und Finanzmärkte nimmt die gegenseitige Abhängigkeit und damit auch die Volatilität der Weltwirtschaft zu, beschleunigt sich das Auf und Ab von Wachstumsraten, Rohstoffpreisen, Zinssätzen und Börsenkursen.

Wirtschaft reagiert auf Unsicherheiten allergisch

Untersuchungen des Stanford-Ökonomen Nicholas Bloom zeigen, wie allergisch die Wirtschaft auf Unsicherheit reagiert. Bloom hat Ereignisse wie die Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy, die Kuba-Krise und die Terroranschläge vom September 2001 analysiert. Sein Ergebnis: Nach jedem dieser Schocks stürzte die Wirtschaft in eine kurze, aber heftige Rezession. "Wenn die Unsicherheit über die Zukunft groß wird, fallen die Menschen in eine Schockstarre", erklärt Bloom. Konsumenten schieben Käufe auf, Unternehmen stellen nicht mehr ein, Investitionspläne verschwinden in der Schublade. Blooms Berechnungen zufolge ist die Volatilität an den Aktienmärkten derzeit so hoch wie nach den Terrorattacken vom September 2001. Für den Stanford-Professor steht daher fest: "Die Wirtschaft wird Ende 2011 um rund ein Prozent schrumpfen, bevor sie sich im Frühjahr 2012 wieder erholt."

Der nächste Schock lauert schon

Doch dann lauert schon der nächste Schock auf sie. Anfang 2012 greifen die ersten Sparmaßnahmen, die der Kongress beschlossen hat, um das Haushaltsdefizit zu verringern. "Das wird der ohnehin kränkelnden US-Wirtschaft Kaufkraft entziehen", fürchten die Ökonomen der Commerzbank. Sie gehen davon aus, dass das Sparpaket die US-Wirtschaft 2012 rund 0,3 Prozentpunkte Wachstum kostet. Dazu kommt, dass die Steuersenkungen aus den Jahren der Bush-Administration sowie die Absenkung der Sozialversicherungsbeiträge auslaufen. Insgesamt, so die Commerzbanker, werde die Finanzpolitik das Wachstum im nächsten Jahr um einen Prozentpunkt verringern.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%