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Weltwirtschaft Gefahr für Deutschlands Konjunktur

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Für Europa sind das keine guten Nachrichten. Die weltweite Konjunkturschwäche trifft auf einen durch Schulden- und Euro-Krise politisch und wirtschaftlich angeschlagenen Kontinent. In exportorientierten Ländern wie Deutschland und den Niederlanden konnten sich die Unternehmen bisher dem Elend der Peripherieländer durch boomende Geschäfte in den Schwellenländern entziehen. So hat sich der Anteil der asiatischen Schwellenländer an den Exporten der Euro-Zone in den vergangenen zehn Jahren auf rund zehn Prozent verdoppelt. Für Deutschland ist der Anteil von 5 auf 13 Prozent gestiegen. China und Hongkong nehmen bereits 6,4 Prozent der Ausfuhren made in Germany auf – fast so viel wie die USA (6,9 Prozent). Rund 2,7 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet Deutschland mit den Schwellenländern Asiens.

Abhängigkeit der großen Wirtschaftsblöcke

Verstärkt wird die Abhängigkeit der großen Wirtschaftsblöcke durch die Geschäfte global agierender Unternehmen. Allein die US-Töchter von Großunternehmen mit Sitz in Europa erwirtschaften in Amerika Umsätze in der Größenordnung von neun Prozent des Euro-Land-BIPs. Gehen die Geschäfte in den USA oder Asien auf Talfahrt, kreist der Rotstift auch in den Zentralen in Frankfurt, Paris und Rom. "Heutzutage übertragen sich Konjunkturimpulse über den Unternehmenskanal fünf Mal stärker als über den reinen Güterhandel", weiß Olivier Bizimana, Ökonom der US-Bank Morgan Stanley. Asien, Europa, USA – die Weltregionen schwingen immer stärker im gleichen Konjunkturtakt. Und der geht jetzt nach unten. "Wir haben es mit einem synchronen Abschwung der Weltwirtschaft zu tun, dem sich kein Land entziehen kann, erst recht nicht die exportabhängige deutsche Wirtschaft", sagt UniCredit-Ökonom Rees.

Doch in den Unternehmensetagen zwischen Ostsee und Schwarzwald gibt man sich trotz der heraufziehenden Gewitterwolken zuversichtlich. "Wir haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass wir schnell und effizient auf jegliche Herausforderungen reagieren können", sagt Axel Heitmann, Chef des Chemiekonzerns Lanxess. Auch Adidas-Chef Herbert Hainer wirft die Flinte nicht ins Korn. "Die Wirtschaftskrise 2009 hat gezeigt, dass Konsumenten auch in schwierigen Zeiten bereit sind, für innovative Sportartikel Geld auszugeben."

Doch was, wenn die Manager sich irren? Brechen die Exporte weg, dürfte das schnell auf die Inlandsnachfrage durchschlagen. Zwar haben die Arbeitsmarktreformen dazu beigetragen, dass die Unternehmen mehr Jobs geschaffen und die Bundesbürger wieder mehr Geld im Portemonnaie haben, das sie auch ausgeben. Zudem haben die Unternehmen aus der Krise nach der Lehman-Pleite gelernt. "Als Unternehmer muss ich damit leben, dass die Konjunkturwellen immer kürzer, die Ausschläge nach oben wie unten aber immer heftiger werden", sagt TMP-Geschäftsführer Helbing. Der Fensterbauer hat deshalb im vergangenen Jahr auf kreditfinanzierte Investitionen verzichtet und Anschaffungen im Wesentlichen aus den laufenden Einnahmen finanziert. Zudem sind die Arbeitszeitkonten seiner Mitarbeiter gut gefüllt.

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