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Weltwirtschaft Gefahr für Deutschlands Konjunktur

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Die hohen Auftragsbestände und der flexible Einsatz von Arbeitskräften dürften der deutschen Wirtschaft daher helfen, ein vorübergehendes Abknicken der Weltkonjunktur abzufedern. Kritisch wird es, wenn der Abschwung länger dauert oder in eine globale Rezession mündet. „Spätestens Anfang nächsten Jahres ist der größte Teil der Aufträge in den Unternehmen abgearbeitet“, sagt UniCredit-Ökonom Rees. Komme die Weltwirtschaft bis dahin nicht auf die Füße, werde es für die deutsche Wirtschaft ungemütlich.

Das gilt vor allem dann, wenn die Staatsschuldenkrise eskalieren sollte. Schon bei einem moderaten Abschwung dürfte es den Krisenländern in der Euro-Peripherie, aber auch großen Ländern wie Frankreich kaum noch gelingen, die Löcher in ihren Staatshaushalten wie geplant zu verringern. In der vergangenen Woche gingen daher die Preise für Kreditausfallversicherungen auf französische Staatsanleihen nach oben. Nicht wenige Investoren fürchten, Frankreich könne früher oder später seine Bonität als AAA-Schuldner verlieren. Kippt Frankreich, fiele das Land als Garantiegeber für den Euro-Rettungsfonds EFSF aus. Das gesamte Hilfsgebäude, das die Regierungen zusammengezimmert haben, um die Euro-Zone zu retten, fiele in sich zusammen. Die Währungsunion bräche auseinander. Für die Finanzmärkte wäre das der Mega-Schock, vergleichbar mit der Lehman-Pleite.

Risiko Staatsschulden

Das wissen auch die Notenbanken. In Europa gehen Beobachter davon aus, dass die EZB ihre Zinserhöhungspläne vorerst zu den Akten legt und weiter italienische und spanische Staatsanleihen kauft. Mündet der Abschwung in eine Rezession, dürften die Notenbanken in Euro-Land und den USA die Geldschleusen noch weiter öffnen. In der vergangenen Woche kündigte Fed-Chef Ben Bernanke an, die Leitzinsen für zwei weitere Jahre bei null Prozent zu belassen. "Im Extremfall könnten die Notenbanken sogar Aktien oder Immobilien kaufen", sagt Joachim Fels, Chefökonom von Morgan Stanley. Der Effekt freilich wäre zweifelhaft: Die zusätzliche Liquidität würde die Preise an den Finanz- und Gütermärkten in die Höhe treiben, die globale Wirtschaft inflationieren – und womöglich neue Finanzkrisen erzeugen.

Albtraum für überzeugte Freihändler

Darüber hinaus würde noch mehr Kapital in Hochzins-Schwellenländer und sichere Häfen wie die Schweiz strömen und deren Wechselkurse in die Höhe treiben. Um ihre Industrie zu schützen, suchen die Regierungen schon jetzt ihr Heil im Protektionismus. So rief Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff Anfang des Monats zum "Kreuzzug zur Verteidigung der brasilianischen Industrie" auf.

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    Die Waffen, die sie präsentierte, waren ein Albtraum für überzeugte Freihändler: eine Strafsteuer auf Devisengeschäfte, eine Finanztransaktionssteuer auf Auslandskredite und eine Vorzugsbehandlung heimischer Unternehmen bei Staatsaufträgen. Demnächst will Rousseff sich bei der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur auch noch für höhere Zölle einsetzen.

    Auf die Weltwirtschaft und das Exportland Deutschland kommen harte Zeiten zu.

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