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Weltwirtschaft Gefahr für Deutschlands Konjunktur

Börsencrash, Euro-Krise, US-Schuldendrama – die Weltwirtschaft muss immer neue Schocks verkraften. Schon befürchten Experten eine neue Wirtschaftskrise – auch in Deutschland.

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ARCHIV: Trader schauen sich am Quelle: dapd

In Bayern ist die Welt noch in Ordnung. In den Hallen der Augsburger Kuka AG, einem Hersteller von Industrierobotern, laufen die Maschinen auf Hochtouren. "Wir haben den Umsatz im ersten Halbjahr um 38 Prozent gesteigert", freut sich Firmenchef Till Reuter. Dank hoher Auftragsbestände sei die Belegschaft noch für mindestens sieben Monate voll ausgelastet. 2012 will das Unternehmen mit mittleren einstelligen Raten weiterwachsen.

Bombig läuft es auch für Bernhard Helbing, geschäftsführender Gesellschafter des Fensterbauers TMP aus Bad Langensalza in Thüringen. "Wir hatten zur Urlaubssaison in den vergangenen Jahren noch nie so viel zu tun wie jetzt", sagt Helbing. Das Orderbuch des Mittelständlers ist prall gefüllt, die Produktion auf Wochen gesichert. Die 240 Mitarbeiter fahren Sonderschichten. Auch die Chefs anderer namhafter Unternehmen in Deutschland blicken überwiegend zuversichtlich in die Zukunft.

Die Boom-Zeiten dürften bald vorbei sein

Deutschland im ewigen Wirtschaftsboom? Schön wär’s. Die Zeiten kräftig wachsender Gewinne und steigender Beschäftigung dürften bald vorbei sein. Die Börsen nehmen das bereits vorweg. Aufgeschreckt von schlechten Konjunkturdaten aus Amerika und China sind die Kurse auf Talfahrt gegangen. Panikartig haben die Händler in der vergangenen Woche Aktien auf den Markt geworfen.

Nicht nur die Angst vor einem Rückfall der Weltwirtschaft in die Rezession hat die Börsen fest im Griff. Auch die Staatsschuldenkrise, die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA sowie die Sorgen um ein mögliches Auseinanderbrechen der Euro-Zone verschrecken die Anleger und verdüstern den Konjunkturhimmel.

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    Kaum Spielraum für die Regierungen

    In der vergangenen Woche sah sich die Europäische Zentralbank (EZB) gezwungen, in großem Umfang italienische und spanische Staatsanleihen zu kaufen, um deren Kurse zu stützen. Zuvor hatten Befürchtungen, beide Länder könnten bald auf Hilfe des Euro-Rettungsfonds angewiesen sein, die Zinsen ihrer Staatsanleihen in die Höhe schnellen lassen.

    Stürzt die Weltwirtschaft tatsächlich in die Rezession, hätte das verheerende Folgen. Weil die meisten Regierungen wegen der hohen Staatsschulden kaum noch Spielraum haben, der Konjunktur mit kreditfinanzierten Ausgabenprogrammen unter die Arme zu greifen, steigt der Druck auf die Notenbanken. Sie müssten die Wirtschaft mit zusätzlicher Liquidität über Wasser halten. Doch der Versuch, die durch zu viel Geld und Kredit ausgelöste Krise mit noch mehr Geld einzudämmen, ist zum Scheitern verdammt: Der Weltwirtschaft drohen dann neue Spekulationsblasen, Protektionismus und Inflation. Die Krise wird zur Dauerveranstaltung.

    Ein kleiner Plastikbär, Quelle: dpa

    Leicht hat es die Konjunktur in diesem Jahr ohnehin nicht gehabt. Erst trieben die Unruhen im Nahen Osten den Ölpreis auf Höchststände. Dann behinderte die Atomexplosion im japanischen Fukushima die weltweiten Lieferketten. Als daraufhin die Frühindikatoren nach unten drehten, zeigten sich die Experten zunächst wenig besorgt. Der Weltwirtschaft stehe allenfalls ein "soft patch", eine kleine Konjunkturdelle, bevor, hieß es beruhigend aus Banken und Instituten.

    Konjunkturprognosen werden im Eiltempo nach unten korrigiert

    Doch davon kann jetzt keine Rede mehr sein. Aus der kleinen Delle droht ein ausgewachsener Abschwung, im schlimmsten Falle eine Rezession zu werden. Der ifo-Wirtschaftsklimaindex für die Euro-Zone ist im dritten Quartal erstmals seit Anfang 2009 gesunken. Im Eiltempo revidieren Analysten derzeit ihre Konjunkturprognosen nach unten. Zwar erwarten sie für Deutschland für dieses und nächstes Jahr noch Wachstumsraten von drei beziehungsweise zwei Prozent. Doch die Prognosen stehen auf wackeligen Beinen, weitere Anpassungen nach unten sind nur eine Frage der Zeit.

    Dass dem globalen Aufschwung die Puste ausgeht, zeichnete sich allerdings schon vor den jüngsten Börsenturbulenzen ab. Denn der Hauptmotor, die Schwellenländer in Asien und Lateinamerika, hat die Drehzahl kräftig heruntergeschraubt. Die Zentralbanken in China, Indien, Brasilien und Russland erhöhten gleich mehrfach die Leitzinsen. In China kletterten die Geldbeschaffungskosten auf 6,56 Prozent, in Indien auf 8,0, in Brasilien sogar auf 12,5 Prozent.

    Nahrungsmittel als Preistreiber

    Der Grund für die geldpolitische Straffung ist die allerorten aus dem Ruder laufende Inflation. In China sprang die Teuerungsrate im Juli auf 6,5 Prozent. In Indien müssen Verbraucher 8,6 Prozent mehr für die Güter des täglichen Bedarfs auf den Tisch legen als im Vorjahr.

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      Preistreiber Nummer eins sind die Nahrungsmittel, die einen Anteil zwischen 30 Prozent (China) und 50 Prozent (Indien) an den Konsumausgaben haben. Die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken in den Industrieländern hat die Preise für Agrarrohstoffe auf den Weltmärkten in die Höhe katapultiert. Getrieben von der Angst vor Inflation und auf der Suche nach Rendite, steckten Anleger ihr Geld in Rohstoffe. So sind die Preise für Nahrungsmittel seit dem Start des Ankaufprogramms der Fed für Staatsanleihen weltweit um 30 Prozent in die Höhe geschnellt.

      Flags wave at the Washington Quelle: dapd

      Die höheren Zinsen bringen nun die Konjunktur in den Schwellenländern ins Stottern. In Indien brach der Autoabsatz im Juli um 15 Prozent ein, die Konsumenten halten sich mit dem Kauf langlebiger Konsumgüter zurück, das Geschäftsklima sinkt. Auch in China hat sich die Konjunktur verlangsamt. Die Ökonomen der britisch-asiatischen Bank HSBC erwarten, dass sich die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts von 10,3 Prozent im vergangenen Jahr auf 8,9 Prozent in diesem und 8,6 Prozent im nächsten Jahr abschwächen wird.

      Dass die Abkühlung in den Schwellenländern so stark auf die Weltwirtschaft durchschlägt, liegt an ihrer gestiegenen Bedeutung. Lag ihr Anteil am globalen BIP 1990 noch bei rund 20 Prozent, so sind es mittlerweile schon 38 Prozent – Tendenz steigend.

      Schwellenländer drücken die Weltwirtschaft nach unten

      Rund die Hälfte des weltweiten Exports, ein Drittel der globalen Konsumausgaben und 35 Prozent der weltweiten Aktienmarktkapitalisierung entfallen auf die Schwellenländer. In der zurückliegenden Dekade erwirtschafteten sie 75 Prozent des weltweiten Wirtschaftswachstums. "Die Schwellenländer sind zum Schrittmacher für die Weltwirtschaft geworden", sagt Andreas Rees, Deutschland-Chefökonom von UniCredit. Nach der Lehman-Pleite haben sie die Weltwirtschaft nach oben gezogen, jetzt drücken sie sie nach unten. "Auch ohne die jüngste Eskalation der Schuldenkrise und den Börsencrash wäre es zur Abkühlung der Weltwirtschaft gekommen", konstatiert Rees.

      USA vor der Rezession

      Die USA haben dem Abwärtssog aus den Schwellenländern nichts entgegenzusetzen. Amerika kämpft nach dem Platzen der Kredit- und Immobilienblase mit einem Überangebot auf dem Häusermarkt, hoher Arbeitslosigkeit, steigenden Staatsschulden und schwachem Konsum. Im ersten Quartal legte das BIP nur um jämmerliche 0,1 Prozent zu, im zweiten Vierteljahr lief es mit einem Plus von 0,3 Prozent kaum besser.

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        Eine Wirtschaft, die kaum wächst, ist anfällig für Schocks. In einer aktuellen Studie haben die Ökonomen der Notenbank Fed herausgefunden, dass die USA in fast der Hälfte aller Fälle, in denen die Wachstumsrate gegenüber dem Vorquartal unter die Marke von 0,3 Prozent fiel, in den folgenden vier Quartalen in die Rezession rutschte. Angesichts der Wachstumsrate von 0,2 Prozent im ersten Halbjahr 2011 liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession daher aktuell bei 50 Prozent. Kein Wunder, dass die Börsen Rezessionsszenarien durchspielen.

        A worker makes final Quelle: REUTERS

        Besonders fatal dabei: Der Kursrutsch an den Aktienmärkten erhöht das Rezessionsrisiko noch. Denn mit dem Einbruch der Kurse schrumpft das Vermögen der Bürger, das durch die sinkenden Häuserpreise ohnehin abgeschmolzen ist. In den USA, wo mehr Menschen Aktien besitzen als in Deutschland, drückt das die Konsumlaune. So zeigen Studien, dass jeder Dollar, den die US-Haushalte an Vermögen verlieren, ihren Konsum um bis zu sieben Cent verringert. Auch die Unternehmen geraten in die Bredouille. Für sie wird es wegen des Kurscrashs schwieriger und teurer, sich über die Emission von Aktien zu finanzieren. Das bremst ihre Investitionsbereitschaft.

        Doch nicht nur der Kursrückgang, auch die hohen Schwankungen an den Finanzmärkten wirbeln die Realwirtschaft durcheinander. Die unbequeme Wahrheit lautet: Das Zeitalter der langen Konjunkturzyklen ist vorbei. Angesichts der zunehmenden Vernetzung der Volkswirtschaften und Finanzmärkte nimmt die gegenseitige Abhängigkeit und damit auch die Volatilität der Weltwirtschaft zu, beschleunigt sich das Auf und Ab von Wachstumsraten, Rohstoffpreisen, Zinssätzen und Börsenkursen.

        Wirtschaft reagiert auf Unsicherheiten allergisch

        Untersuchungen des Stanford-Ökonomen Nicholas Bloom zeigen, wie allergisch die Wirtschaft auf Unsicherheit reagiert. Bloom hat Ereignisse wie die Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy, die Kuba-Krise und die Terroranschläge vom September 2001 analysiert. Sein Ergebnis: Nach jedem dieser Schocks stürzte die Wirtschaft in eine kurze, aber heftige Rezession. "Wenn die Unsicherheit über die Zukunft groß wird, fallen die Menschen in eine Schockstarre", erklärt Bloom. Konsumenten schieben Käufe auf, Unternehmen stellen nicht mehr ein, Investitionspläne verschwinden in der Schublade. Blooms Berechnungen zufolge ist die Volatilität an den Aktienmärkten derzeit so hoch wie nach den Terrorattacken vom September 2001. Für den Stanford-Professor steht daher fest: "Die Wirtschaft wird Ende 2011 um rund ein Prozent schrumpfen, bevor sie sich im Frühjahr 2012 wieder erholt."

        Der nächste Schock lauert schon

        Doch dann lauert schon der nächste Schock auf sie. Anfang 2012 greifen die ersten Sparmaßnahmen, die der Kongress beschlossen hat, um das Haushaltsdefizit zu verringern. "Das wird der ohnehin kränkelnden US-Wirtschaft Kaufkraft entziehen", fürchten die Ökonomen der Commerzbank. Sie gehen davon aus, dass das Sparpaket die US-Wirtschaft 2012 rund 0,3 Prozentpunkte Wachstum kostet. Dazu kommt, dass die Steuersenkungen aus den Jahren der Bush-Administration sowie die Absenkung der Sozialversicherungsbeiträge auslaufen. Insgesamt, so die Commerzbanker, werde die Finanzpolitik das Wachstum im nächsten Jahr um einen Prozentpunkt verringern.

        Für Europa sind das keine guten Nachrichten. Die weltweite Konjunkturschwäche trifft auf einen durch Schulden- und Euro-Krise politisch und wirtschaftlich angeschlagenen Kontinent. In exportorientierten Ländern wie Deutschland und den Niederlanden konnten sich die Unternehmen bisher dem Elend der Peripherieländer durch boomende Geschäfte in den Schwellenländern entziehen. So hat sich der Anteil der asiatischen Schwellenländer an den Exporten der Euro-Zone in den vergangenen zehn Jahren auf rund zehn Prozent verdoppelt. Für Deutschland ist der Anteil von 5 auf 13 Prozent gestiegen. China und Hongkong nehmen bereits 6,4 Prozent der Ausfuhren made in Germany auf – fast so viel wie die USA (6,9 Prozent). Rund 2,7 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet Deutschland mit den Schwellenländern Asiens.

        Abhängigkeit der großen Wirtschaftsblöcke

        Verstärkt wird die Abhängigkeit der großen Wirtschaftsblöcke durch die Geschäfte global agierender Unternehmen. Allein die US-Töchter von Großunternehmen mit Sitz in Europa erwirtschaften in Amerika Umsätze in der Größenordnung von neun Prozent des Euro-Land-BIPs. Gehen die Geschäfte in den USA oder Asien auf Talfahrt, kreist der Rotstift auch in den Zentralen in Frankfurt, Paris und Rom. "Heutzutage übertragen sich Konjunkturimpulse über den Unternehmenskanal fünf Mal stärker als über den reinen Güterhandel", weiß Olivier Bizimana, Ökonom der US-Bank Morgan Stanley. Asien, Europa, USA – die Weltregionen schwingen immer stärker im gleichen Konjunkturtakt. Und der geht jetzt nach unten. "Wir haben es mit einem synchronen Abschwung der Weltwirtschaft zu tun, dem sich kein Land entziehen kann, erst recht nicht die exportabhängige deutsche Wirtschaft", sagt UniCredit-Ökonom Rees.

        Doch in den Unternehmensetagen zwischen Ostsee und Schwarzwald gibt man sich trotz der heraufziehenden Gewitterwolken zuversichtlich. "Wir haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass wir schnell und effizient auf jegliche Herausforderungen reagieren können", sagt Axel Heitmann, Chef des Chemiekonzerns Lanxess. Auch Adidas-Chef Herbert Hainer wirft die Flinte nicht ins Korn. "Die Wirtschaftskrise 2009 hat gezeigt, dass Konsumenten auch in schwierigen Zeiten bereit sind, für innovative Sportartikel Geld auszugeben."

        Doch was, wenn die Manager sich irren? Brechen die Exporte weg, dürfte das schnell auf die Inlandsnachfrage durchschlagen. Zwar haben die Arbeitsmarktreformen dazu beigetragen, dass die Unternehmen mehr Jobs geschaffen und die Bundesbürger wieder mehr Geld im Portemonnaie haben, das sie auch ausgeben. Zudem haben die Unternehmen aus der Krise nach der Lehman-Pleite gelernt. "Als Unternehmer muss ich damit leben, dass die Konjunkturwellen immer kürzer, die Ausschläge nach oben wie unten aber immer heftiger werden", sagt TMP-Geschäftsführer Helbing. Der Fensterbauer hat deshalb im vergangenen Jahr auf kreditfinanzierte Investitionen verzichtet und Anschaffungen im Wesentlichen aus den laufenden Einnahmen finanziert. Zudem sind die Arbeitszeitkonten seiner Mitarbeiter gut gefüllt.

        Die hohen Auftragsbestände und der flexible Einsatz von Arbeitskräften dürften der deutschen Wirtschaft daher helfen, ein vorübergehendes Abknicken der Weltkonjunktur abzufedern. Kritisch wird es, wenn der Abschwung länger dauert oder in eine globale Rezession mündet. „Spätestens Anfang nächsten Jahres ist der größte Teil der Aufträge in den Unternehmen abgearbeitet“, sagt UniCredit-Ökonom Rees. Komme die Weltwirtschaft bis dahin nicht auf die Füße, werde es für die deutsche Wirtschaft ungemütlich.

        Das gilt vor allem dann, wenn die Staatsschuldenkrise eskalieren sollte. Schon bei einem moderaten Abschwung dürfte es den Krisenländern in der Euro-Peripherie, aber auch großen Ländern wie Frankreich kaum noch gelingen, die Löcher in ihren Staatshaushalten wie geplant zu verringern. In der vergangenen Woche gingen daher die Preise für Kreditausfallversicherungen auf französische Staatsanleihen nach oben. Nicht wenige Investoren fürchten, Frankreich könne früher oder später seine Bonität als AAA-Schuldner verlieren. Kippt Frankreich, fiele das Land als Garantiegeber für den Euro-Rettungsfonds EFSF aus. Das gesamte Hilfsgebäude, das die Regierungen zusammengezimmert haben, um die Euro-Zone zu retten, fiele in sich zusammen. Die Währungsunion bräche auseinander. Für die Finanzmärkte wäre das der Mega-Schock, vergleichbar mit der Lehman-Pleite.

        Risiko Staatsschulden

        Das wissen auch die Notenbanken. In Europa gehen Beobachter davon aus, dass die EZB ihre Zinserhöhungspläne vorerst zu den Akten legt und weiter italienische und spanische Staatsanleihen kauft. Mündet der Abschwung in eine Rezession, dürften die Notenbanken in Euro-Land und den USA die Geldschleusen noch weiter öffnen. In der vergangenen Woche kündigte Fed-Chef Ben Bernanke an, die Leitzinsen für zwei weitere Jahre bei null Prozent zu belassen. "Im Extremfall könnten die Notenbanken sogar Aktien oder Immobilien kaufen", sagt Joachim Fels, Chefökonom von Morgan Stanley. Der Effekt freilich wäre zweifelhaft: Die zusätzliche Liquidität würde die Preise an den Finanz- und Gütermärkten in die Höhe treiben, die globale Wirtschaft inflationieren – und womöglich neue Finanzkrisen erzeugen.

        Albtraum für überzeugte Freihändler

        Darüber hinaus würde noch mehr Kapital in Hochzins-Schwellenländer und sichere Häfen wie die Schweiz strömen und deren Wechselkurse in die Höhe treiben. Um ihre Industrie zu schützen, suchen die Regierungen schon jetzt ihr Heil im Protektionismus. So rief Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff Anfang des Monats zum "Kreuzzug zur Verteidigung der brasilianischen Industrie" auf.

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          Die Waffen, die sie präsentierte, waren ein Albtraum für überzeugte Freihändler: eine Strafsteuer auf Devisengeschäfte, eine Finanztransaktionssteuer auf Auslandskredite und eine Vorzugsbehandlung heimischer Unternehmen bei Staatsaufträgen. Demnächst will Rousseff sich bei der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur auch noch für höhere Zölle einsetzen.

          Auf die Weltwirtschaft und das Exportland Deutschland kommen harte Zeiten zu.

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