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Wirtschaft im Weitwinkel

Für die Zinswende brauchen wir Anleihekäufe

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Der Ausstieg ist überfällig

Aus diesem Grund ist in den nächsten Jahren mit geringeren Erträgen bei Banken zu rechnen - mit teilweise ungünstigen Effekten auf das Eigenkapital. Die Erträge der Banken müssen nun aus dem operativen Kerngeschäft kommen. Somit wird in den kommenden Jahren die natürliche Ertragskraft der Banken auf den Prüfstand gestellt. Es wird sich zeigen, welche Bank ein sich selbst tragendes Geschäftsmodell hat und welche nicht. Ein Seitenblick nach Italien zeigt, in welche Richtung es gehen könnte. Dies wird die Diskussion über die Stabilität des Bankensektors wieder neu entfachen.

Sollten Renditen und Credit-Spreads schlagartig ansteigen, würden sich die bisherigen Bewertungsgewinne der Banken ins klare Gegenteil verkehren. Steigende Renditen in den USA könnten diese Entwicklung noch beschleunigen. Daher könnte es ratsam sein, das Volumen der Anleihekaufprogramme zunächst stabil zu belassen oder nur langsam und vorsichtig zurückzuführen. Würde die EZB ein aggressives „Tapering“ anstreben, würden die ungünstigen Bewertungseffekte zu Verlusten in den jährlichen Abschlüssen führen. Somit bleibt der EZB eigentlich nur die Möglichkeit, das Kaufprogramm sehr langsam zurückführen.

Andererseits hat sich die Konjunkturentwicklung in der Eurozone inzwischen wieder deutlich stabilisiert. Die weiterhin vorhandene Wachstumsschwäche ist nicht auf zyklische Faktoren zurückzuführen, sondern strukturell bedingt und kann somit weder mit Geld- noch mit Fiskalpolitik wirksam bekämpft werden. Die Teuerungsrate hat den negativen Bereich wieder verlassen und dürfte in den kommenden Monaten weiter ansteigen, so dass auch das Argument der Bekämpfung möglicher Deflationsgefahren an Relevanz verliert.

Es ist also für die EZB an der Zeit, ihre ultra-expansive Geldpolitik zurückzuführen. Sie muss darüber nachdenken, die Leitzinsen schon bald wieder anzuheben. Wenn der Einlagensatz den negativen Bereich verlässt und damit auch Anlagen am Geldmarkt wieder eine positive Verzinsung abwerfen, ist das - angesichts steigender Inflationsraten - sicherlich nicht nur für den Kleinsparer eine willkommene Entwicklung. Auch würde die von Politik, EZB und Regulator gewünschte Liquiditätshaltung der Geschäftsbanken damit nicht länger bestraft werden.

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    Der Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik ist also überfällig. Aber er wird nicht einfach. Jedoch nur mit einer raschen Normalisierung der Leitzinsen und einer langsamen Rückführung der Anleihekaufprogramme kann der Spagat gelingen.

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